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Hypo-Balkanbanken verkauft

Banken gehen an Konsortium aus dem US-Fonds Advent und der Osteuropabank EBRD

Krise - Hypo-Balkanbanken verkauft © Bild: APA-FOTO: BARBARA GINDL

Der Vertrag ist unterschrieben: Die Balkantöchter der Hypo Alpe Adria (jetzt Heta) gehen an ein Bieterkonsortium aus dem US-Fonds Advent und der Osteuropabank EBRD. Bis Mitte 2015 soll der Verkauf wie von der EU-Kommission verlangt abgeschlossen sein (Closing) - wenn nicht Einsprüche unterlegener Bieter oder der Wettbewerbsbehörden den Deal noch einmal ins Wackeln bringen.

Die Republik Österreich, seit der Notverstaatlichung 2009 Alleineigentümerin der Hypo, erhält bis zu 200 Mio. Euro als Kaufpreis, davon 50 Mio. Euro sofort und weitere 150 Mio. Euro unter gewissen Bedingungen. Advent/EBRD haben das Ziel, aus den sechs Banken in Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Montenegro, Serbien und Slowenien aber mit Hauptsitz in Klagenfurt eine operativ erfolgreiche Bankengruppe mit einer österreichischen Lizenz zu formen. Sollte dies gelingen, darf die Republik Österreich auf Nachbesserungen hoffen. Einerseits könnten bis zu 2,2 Mrd. Euro an Finanzierungslinien zurückfließen. Jeweils rund die Hälfte sind Kreditlinien bzw. Haftungen. Diese Rückzahlung hängt aber davon ab, ob die Bank sie durch Einlagen beziehungsweise durch eine Refinanzierung am Kapitalmarkt aufbringen kann, ohne die Eigenkapitalanforderungen zu unterschreiten - und ob sie von der lokalen Aufsicht grünes Licht bekommt. Andererseits würde der Staat auch profitieren, wenn eine der Banken von Advent/EBRD gewinnbringend verkauft wird.

Das war das Balkan-Netzwerk der Hypo Alpe Adria
© APA/Martin Hirsch

1,3 Mrd. Euro an Abwicklungskosten erspart

Verkäuferin ist die Heta, die aus der Hypo Alpe Adria hervorgegangen Abbaubank, die daher nach dem Vollzug des Deals auch von den Einnahmen profitiert. Das SEE-Netzwerk war zwar an die Banken-ÖIAG Fimbag übertragen worden, diese hat aber nun die Heta zum Verkauf ermächtigt, wird in einer Heta-Aussendung präzisiert. Die Heta erspart sich dadurch unmittelbar 1,3 Mrd. Euro an Abwicklungskosten, die sie ohne Verkauf in die Bilanz hätte einstellen müssen. Außerdem fließt der Kaufpreis in die Heta-Bilanz ein. Die Heta selber erstellt derzeit einen Fahrplan für den Abbau ihrer Verbindlichkeiten, spätestens bis zur Erstellung der Jahresbilanz im März oder April 2015 muss er ausgearbeitet sein.

Advent hält nun 80 Prozent

In Zukunft halten Advent 80 Prozent und die EBRD 20 Prozent an der Bankengruppe mit 1,15 Millionen Kunden, 245 Filialen und einer Bilanzsumme von rund 8,4 Mrd. Euro. Mit den neuen Eigentümern werden die Banken wieder voll operativ sein, seitdem 2010 ein Restrukturierungsplan vereinbart worden war, hatten die Institute in mehreren Bereichen kein Neugeschäft mehr machen dürfen. Advent hat angekündigt, das Privatkunden- und Finanzierungsgeschäft für Mittelständler in den westlichen Balkanländern auszubauen. Nach dem Closing wird es wohl auch einen neuen Namen geben, der den Neuanfang signalisieren und zugleich für die Kunden wiedererkennbar sein soll. Vorerst bleibt es bei der offiziellen Bezeichnung "Hypo Group Alpe Adria AG".

Bieter will Beschwerde bei EU-Kommission einreichen

Nach dem Verkauf der Hypo-Balkantöchter an das Konsortium Advent/EBRD will offenbar zumindest ein unterlegener Bieter dagegen vorgehen. Das bulgarisch-russische Konsortium VIA/VTB hat heute, Dienstag, angekündigt, rechtliche Schritte zu überlegen und eine formelle Beschwerde bei der EU-Kommission vorzubereiten. Im Finanzministerium war man schon im Vorfeld von so einer Möglichkeit ausgegangen.

Die Verkaufsentscheidung sei ein voreiliger Schluss nach monatelangem Gezerre, meint das Konsortium aus der VIA Gruppe und der VTB Bank. Sprecher Momchil Vasilev geht davon aus, dass seine Gruppe "das attraktivste Angebot" gelegt hat. Der Verhandlungsprozess habe substanzielle Mängel aufgewiesen und nicht die europäischen Standards für Transparenz und Nicht-Diskriminierung erfüllt. Die Gruppe habe nicht ausreichend Zugang zu den Kreditdaten der Bank gehabt und der Verkäufer habe den Prozess für mehrere Wochen unterbrochen. Nach der Wiedereröffnung "scheinen die prohibitiv kurzen Fristen das Ergebnis bestimmt zu haben". Die Rechtsanwaltskanzlei Grama Schwaighofer Vondrak prüft nun im Auftrag von VIA/VTB rechtliche Möglichkeiten.

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