Hypo Alpe-Adria schrieb 2004 tiefrote
Zahlen: Kärntner Bank verlor 99 Mio. Euro!

288 Mio. Euro Schaden aus Zins-Swap-Geschäften Bilanz 2005: 217 Millionen Euro Gewinn vor Steuern

Die Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB) weist in ihrer Bilanz 2004 einen Verlust von 99 Mio. Euro aus, der Schaden aus Swap-Geschäften, die eine Neuerstellung des Zahlenwerks erzwungen haben, schlage sich mit 288 Mio. Euro nieder. Das gab die Bank in einer Aussendung bekannt. In der Bilanz 2005 schreibt die HAAB 217 Mio. Euro Gewinn vor Steuern.

Man habe sich mit den Wirtschaftsprüfern auf eine "extrem konservative Bilanzierungsmethode" verständigt, sagte Vorstandsvorsitzender Wolfgang Kulterer. Daher sei der Schaden aus den Zins- und Währungs-Swaps im Oktober 2004 zur Gänze in der Bilanz für dieses Jahr enthalten; "Mit der Folge, dass die Bank 2005 und in der Prognose für 2006 bei Ertrag und Gewinn besser dasteht als in der ursprünglichen Planung."

Die Eckdaten der Bilanz 2004: Die Bilanzsumme beträgt 17,83 Mrd. Euro. Statt 172 Mio. Euro Gewinn vor Steuern wie ursprünglich verbucht beträgt der Verlust 99 Mio. Euro, das Betriebsergebnis weist 236 Mio. Euro aus. Der Schaden aus den Zins- und Währungs-Swaps beträgt, bereinigt um Zinseffekte und Umstrukturierungen, insgesamt 288 Millionen Euro.

Millionenstrafe an FMA
Die Einrechnung sämtlicher Swap-Verluste in der Bilanz 2004 der Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB) hat dazu geführt, dass die vorgeschriebene Eigenmittel-Ausstattung 2004 unterschritten worden ist. Dies hat eine Millionenstrafe an die Finanzmarktaufsicht (FMA) zur Folge. Auch im Jahr 2005 war die Eigenkapitaldecke nach Angaben von Vorstandsdirektor Wolfgang Kulterer "zeitweise zu niedrig", zum Jahresende war aber die volle Eigenmittelausstattung wieder erreicht. Für 2006 wurde die Gewinnprognose von 237 auf 270 Mio. Euro erhöht.

"Das Ereignis 2004 war unerfreulich und schmerzhaft", sagte Kulterer. Man habe aber zeigen können, dass man in der Lage sei, diese Situation aus eigener Kraft zu meistern. Für die bei einer Kapitalunterschreitung fälligen Strafzinsen, die von der FMA vorgeschrieben werden, habe man in den Bilanzen 2004 und 2005 Vorsorge getroffen. Ob für 2005 tatsächlich eine Strafe fällig wird, sei aber noch offen, hieß es bei der Bank auf Anfrage der APA.

Wirtschaftsprüfer "restriktiv"
Die Vorgangsweise der Wirtschaftsprüfer sei "sehr restriktiv" gewesen, erklärte Kulterer: "Wir hatten die Wahl, die Erstellung der Bilanzen noch weiter hinauszuzögern oder zum Wohl des Unternehmens die Diskussion so rasch wie möglich zu beenden." Dies sei auch deshalb notwendig gewesen, weil die Hypo Alpe-Adria-International einer der größten österreichischen Emittenten von Anleihen am europäischen Kapitalmarkt sei.

Die nun fertig gestellten Bilanzen sollen Ende Mai im Detail veröffentlicht werden. 2005 weist die Gruppe eine Bilanzsumme von 24,23 Mrd. Euro aus. Das Betriebsergebnis steigt auf 305 Mio. Euro (gegenüber ursprünglich 292 Mio. Euro). Für 2006 wird ein Betriebsergebnis von 350 Mio. Euro erwartet (gegenüber ursprünglich 316 Mio. Euro). Diese Prognosen, gestützt von den vorliegenden Zahlen für das erste Quartal 2006, zeigten deutlich, "dass die Hypo Alpe-Adria-Gruppe kerngesund ist" unterstrich der Bankchef.

Eine weitere Folge der neu erstellten Bilanzen ist die Tatsache, dass es für das Jahr 2004 keine Prämien gibt. Die Vorstände Kulterer, Günter Striedinger und Thomas Morgl werden die zuviel erhaltenen Prämine zurückzahlen, hieß es in der HAAB-Aussendung.

Kulterer betonte, dass sowohl Kunden als auch Geschäftspartner dem Unternehmen "in einer schwierigen Situation mit erheblichen öffentlichen Irritationen" das Vertrauen ausgesprochen hätten. Die Abflüsse aus der Bank seien "minimal" gewesen, das Kundengeschäft entwickle sich uneingeschränkt positiv.

Zur Sonderprüfung der FMA der Bank und zum laufenden Verfahren der Staatsanwaltschaft Klagenfurt will die Bankführung bei der Bilanzpressekonferenz Stellung nehmen.

(apa/Red)