Freiwilliges Sozialjahr von

Hundstorfer präsentiert Modell

8.000 Plätze pro Jahr sollen 211 Millionen Euro kosten

Hundstorfer legt Modell für freiwilliges Sozialjahr vor. © Bild: APA/Techt

Die errechneten Kosten von 211 Millionen Euro pro Jahr für das Sozialjahr überschreiten jene des jetzigen Zivildienstes laut Sozialministerium nur geringfügig. Das trifft allerdings nur zu, wenn man zu den direkten Kosten für die Zivildiener von 142 Millionen Euro die volkswirtschaftlichen Kosten addiert, die durch den Beschäftigungsentfall am Arbeitsmarkt entstehen. Laut Ministerium sind das 66 Millionen Euro.

Man habe kein "Perpetuum mobile" erfunden, sondern sich um eine "seriöse Kostenrechnung" bemüht, betonte Sozialminister Rudolf Hundstorfer (S) am Donnerstag bei der Präsentation. Der Anteil, der durch die Trägerorganistionen finanziert wird - insgesamt rund 40 Mio. Euro - bleibe gleich.

Wie schon im Vorfeld angekündigt, würde die Absolvierung des Sozialen Jahres auch für die Ausbildung anrechenbar sein. Neben verpflichtenden, qualitativ hochwertigen Ausbildungen im Umfang von 180 Stunden sollte der Dienst auch etwa für bei Berufsausbildungen geforderte Praxiszeiten anrechenbar sein und Zusatzpunkte bei Aufnahmetests in Schulen, Fachhochschulen und auf Universitäten bringen. Auch eine Anrechnung als Vordienstzeit im öffentlichen Dienst wäre nach Meinung Hundstorfers vorstellbar.

Schwerpunkt im Sozial- und Gesundheitsbereich

Der Schwerpunkt der Tätigkeiten im Sozialjahr sollte nach Vorstellung des Sozialressorts im Bereich Sozial- und Gesundheitswesen liegen. Die Abwicklung - von der Lohnverrechnung bis hin zur Zertifizierung des Dienstes - soll die Zivildienstagentur übernehmen, die somit auch eine Art Qualitätskontrolle durchführen würde. Nach wie vor soll auch eine Rekrutierung der Teilnehmer direkt über die Trägerorganisationen möglich sein. Eine spezielle Bewerbung über das AMS, wie vorübergehend überlegt worden war, dürfte es aber nicht geben.

Eine Verlängerung des freiwilligen Sozialjahrs soll nicht möglich sein, sagte der Sozialminister. "Einmal im Leben soll man das machen können." Die 8.000 Freiwilligen pro Jahr hält der Minister für "aufstellbar", weil es so schon jährlich 90.000 Eintritte in Sozial-und Gesundheitsberufe gebe, viele davon aus anderen Sparten. Im Idealfall, malte sich der Minister aus, werde das soziale Jahr für viele als Einstiegsjahr in die Branche dienen.

Volksbefragung über Wehrpflicht entscheidend

Befürchtungen, dass seine Überlegungen umsonst waren, sollte sich die Bevölkerung im Jänner für die Wehrpflicht entscheiden, teilte Hundstorfer nicht. Er sei "zutiefst überzeugt davon", dass der Plan für das Sozialjahr über kurz oder lang nicht im Papierkorb verschwinden werde, gab er sich zuversichtlich. Selbst wenn die Wehrpflicht beibehalten werde, werde man in einigen Jahren aufgrund der "demografischen Delle" der geburtenschwachen Jahrgänge die Diskussion haben, wie man die Leistungen trotz sinkender Zahlen von Wehrpflichtigen und somit auch Zivildienern beibehalten könne, meinte er. Dann werde man auf dieses Modell zurückgreifen können.

Die noch übrigen Wochen bis zur Volksbefragung müsse man nun nützen, um der Bevölkerung zu präsentieren, wie die Zeit danach aussehen könnte, so der Minister. Primär gehe es bei der Befragung aber um die Wehrpflicht, nicht um den Zivildienst, konnte er sich einen Seitenhieb auf den Koalitionspartner nicht verkneifen. Er finde es "hoch interessant", dass ein paar Leute glaubten, einige müssten fünf Monate Wehrpflicht absolvieren, damit andere den Zivildienst machen könnten, meinte er süffisant. Und außerdem: Von der ÖVP habe es noch "überhaupt keinen Vorschlag" dazu gegeben, monierte er.

Kommentare