Hundstorfer zur BAWAG-Rettung: "Haften sicher nicht für die Verluste aus den USA"

Zu Elsner: "Frage mich, wer dann Bank geleitet hat" GPA-Chef Katzian für Gründung neuer Gewerkschaft

Der ÖGB will nicht bis zum Existenzminimum für die angeschlagene BAWAG haften. "Wofür wir sicher nicht haften, das sind die Verluste der Bank aus den USA", sagte ÖGB-Chef Rudolf Hundstorfer. Schließlich habe man mit dieser Angelegenheit nichts zu tun und bei einer derartigen Haftung hätte der ÖGB "gleich in de Konkurs gehen können".

Zu den vielkritisierten Aussagen von Ex-BAWAG-Chef Helmut Elsner, wonach er der falsche Adressat für die Kritik an den Problemen der Bank sei, meinte Hundstorfer im "Kurier" unmissverständlich: "Ich frage mich nur, wer dann die Bank geleitet hat." Schadensersatzklagen gegen Elsner werde es jedenfalls geben. Auf die Frage, ob Ex-ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch auf sein Penthouse in Wien verzichten sollte, meinte der oberste Gewerkschafter: "Das ist sein Problem". Er selbst wohne jedenfalls im Mezzanin in einer "ganz normalen Mietwohnung".

Katzian für Auflösung der Teilgewerkschaften
Während GPA-Chef Wolfgang Katzian neuerlich eine Auflösung der Teilgewerkschaften befürwortet und für nur eine Gewerkschaft plädiert, meint Hundstorfer, dass diese Frage diskutiert werden müsse. In den "Salzburger Nachrichten" (Samstag-Ausgabe) sagt Hundstorfer, bis Herbst müsse das Reformkonzept stehen. "Bis zum Herbst müssen die Eckpfeiler fertig sein. Weil es notwendig ist, beim ÖGB-Kongress im Jänner die Statuten festzulegen. Insgesamt wird die Reform ein Prozess sein, der bei so einer riesigen Organisation schon zwei bis drei Jahre dauern wird".

"Will nicht alles wegschmeißen"
Katzian wiederum spricht sich im "Standard" dafür aus, sich beim Reformprozess nicht in den Gremien einzubunkern. Dies wäre der falsche Weg. Auf die Frage, ob man die Teilgewerkschaften abschaffen soll, sagt Katzian: "Würden wir den ÖGB heute gründen, würde wir nicht acht Teilgewerkschaften brauchen. Denn, wieso gerade acht? Kann man aus denen nicht etwas Gemeinsames machen? Zwei Drittel aller Entscheidungen fallen heute auf EU-Ebene. Daher braucht der ÖGB Internationalität. Wenn man unsere Leute bündelt, hätten wir die Chance, dem Lobbyistentum der Industrie in Brüssel etwas entgegenzusetzen. Wir hätten die Chance, stärker an Vernetzung mit Gewerkschaften in Europa zu arbeiten". Dass bei dem Modell viele Funktionäre um ihren Einfluss fürchten beantwortete Katzian damit, dass "ich nicht alles wegschmeißen will. Ich habe nur den Ehrgeiz, aus Vorhandenem etwas Neues, Starkes zu bauen. Gut möglich, dass ich mich als Chef einer Teilgewerkschaft weg rationalisiere".

"Diskutieren alle Ideen durch"
Ob es am Ende des Reformprozesses noch fünf Teilgewerkschaften oder große Blöcke und darüber das ÖGB-Dach geben werde, kann Hundstorfer "jetzt nicht sagen. Wir diskutieren alle Ideen durch. Ob am Ende der neue ÖGB aus fünf Blöcken besteht oder aus All in One, weiß ich nicht". Das heutige Fundament des ÖGB seien die Teilgewerkschaften. "Wie weit wir dieses Fundament verändern, wird der Dialog ergeben".

Hundstorfer erklärt ferner, dass er das SPÖ-Nationalratsmandat annehmen werde. "Wenn die SPÖ mich aufstellen will, dann werde ich kandidieren". Gewerkschafter sollten sich am gesellschaftspolitischen Prozess beteiligen. "Das ist der offenere Weg. Die Alternative wäre, dass wir Lobbyismus einkaufen müssten. Daher ein klares Ja zu Gewerkschaftern im Parlament und in den Landtagen". Die Idee von einem Duo an der Spitze soll man in Ruhe diskutieren. Der Frauenanteil müsse sich aber erhöhen. Und gegen eine Begrenzung des Gehalts auf 4.500 Euro netto habe er nichts einzuwenden.

Bilanzfähigkeit des ÖGB erhalten
Einen Verkauf von Liegenschaften des ÖGB lehnt Hundstorfer ab. "Nein. Um bilanzieren zu können, braucht der ÖGB Aktiva und Passiva. Da kann er nicht sagen, Hurra, jetzt verkaufen wir alles. Denn dann habe ich keine Aktiva mehr, die meine Passiva bedienen. Wir müssen schließlich die Bilanzfähigkeit des ÖGB erhalten, um als Verein weiter existieren zu können". Auch die neue ÖGB-Zentrale, derzeit ein Rohbau, werde nicht verkauft. "Das Fertigstellen des Rohbaus ist billiger als ein Baustopp. Wie es danach weitergeht, wage ich nicht zu beantworten. Ob wir jemals dort einziehen, ist ein Fragezeichen".

Katzian meinte auf die Frage, ob Hundstorfer 2007 noch ÖGB-Chef sein sollte, "er macht ein engagiertes Krisenmanagement. Jetzt kommt es darauf an, Reformen auf die Schiene zu bringen. Wenn er das gut macht, spricht nichts gegen ihn". Und eine Doppelspitze Frau/Mann sei "ein interessanter Denkansatz". (apa/red)