Fakten von

Hunderte flohen vor Ausschreitungen in Flüchtlingslager auf Lesbos

Schwerverletzte, Zelte gingen in Flammen auf. Bürgermeister hat Verständnis für Aggression

Lesbos (APA/AFP) - Im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos haben in der Nacht zum Donnerstag Asylbewerber aus Pakistan und Afghanistan aufeinander eingeschlagen. "Drei Menschen wurden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht", sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag. Hunderte Familien mit Kindern wurden noch in der Nacht aus dem Lager in Sicherheit gebracht, wie ein AFP-Reporter berichtete.

Afghanische und pakistanische Flüchtlinge gingen mit Holzstangen und Steinen aufeinander los. Zwei der drei Schwerverletzten sind Pakistaner, sie erlitten Kopfverletzungen. Etwa 30 Zelte gingen in Flammen auf.

Bis zum Mittwoch wurden fast 3.000 Flüchtlinge in Moria festgehalten, die meisten haben Asyl in Griechenland beantragt, um nicht in die Türkei und von dort in ihre Herkunftsländer abgeschoben zu werden. Zwar dürfen sie nur 25 Tage interniert werden, doch danach dürfen sie die Inseln aber auch nicht verlassen, bis über ihre Asylanträge entschieden ist. Hilfsorganisationen haben dies immer wieder heftig kritisiert.

Nach den Unruhen in der Nacht auf Donnerstag haben fast tausend Flüchtlinge das Camp in Moria nun verlassen. Sie suchten in den umliegenden Feldern Schutz oder wurden in andere Lager gebracht.

Ein Sprecher des UN-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) auf Lesbos, Boris Cheshirkov, sagte, nach den Ausschreitungen habe sich die Situation wieder normalisiert. Der Bürgermeister der Insel, Spyros Galinos, zeigte Verständnis für die Aggression in Moria. Die Menschen säßen dort monatelang fest und seien von der Abschiebung bedroht, nachdem sie für die Flucht ein Vermögen bezahlt hätten. "Die Bedingungen sind psychisch und physisch extrem belastend", sagte Galinos zu AFP.

Insgesamt werden bis zu 8.500 Flüchtlinge auf den griechischen Ägäis-Inseln festgehalten. Seit der Schließung der Balkanroute im Februar gelingt nur noch wenigen einen Weiterreise in Richtung Nordwesteuropa. Mehr als 50.000 Flüchtlinge sind aktuell in Griechenland gestrandet.

Kommentare