Hunderte Berichte kirchlichen Missbrauchs:
Jede 4. Meldung wegen sexueller Kontakte

Obumdsstelle: Erzdiözese Wien als Spitzenreiter Mehr als die Hälfte aller Fälle ist bereits verjährt

Hunderte Berichte kirchlichen Missbrauchs:
Jede 4. Meldung wegen sexueller Kontakte © Bild: APA/Rubra

Insgesamt 566 Meldungen hat es seit Beginn dieses Jahres bei den Ombudsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche gegeben. Spitzenreiter dabei sind die Erzdiözese Wien mit 174 und die Diözese Innsbruck mit 115 Kontakten. Mehr als die Hälfte der Fälle dürfte laut den offiziellen Zahlen verjährt sein.

Tatsächlich sexuellen Missbrauch betreffen nach aktuellem Erkenntnisstand vorerst nur 27 Prozent der Meldungen. Bei 26 Prozent der Fälle handelt es sich um Gewalt, knapp die Hälfte bedarf noch weiterer Aufklärung.

Die diözesanen Ombudsstellen für Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kirche werden einen monatlichen gemeinsamen Bericht über den Stand der Meldungen veröffentlichen. Das kündigte der Leiter der Wiener Ombudsstelle, Johannes Wancata an. Die bekanntgewordene Zahl von 566 Meldungen zeige auch, dass die Einrichtungen "Vertrauen genießen und das Angebot angenommen wird".

Wancata betonte, dass ein "beträchtlicher Teil" der Meldungen noch nicht geklärt sei. Zu 47 Prozent der Fälle, die via Telefon oder E-Mail hereingekommen sind, müsse noch recherchiert werden. "Oft erhalten wir nur die Meldung: 'Ich wurde missbraucht. Bitte um Rückruf'", berichtet der Leiter der Ombudsstelle der Erzdiözese. In vielen Fällen bedürfe es auch mehrerer Gespräche, um alles abzuklären und die entsprechenden Konsequenzen einzuleiten.

Viele Fälle verjährt?
Geklärt muss vor allem noch werden, wie viele gemeldete Fälle noch nicht verjährt sind. Lediglich ein Prozent hat sich laut offizieller Statistik nach 1993 zugetragen und wäre noch strafrechtlich belangbar. Bei 46 Prozent der Kontaktaufnahmen sind die diözesanen Ombudsstellen noch im Unklaren.

Zu Waltraud Klasnic, die im Auftrag von Kardinal Christoph Schönborn eine "unabhängige" Kommission zu den Missbrauchsfällen zusammenstellen soll, hatte Wancata laut eigenen Aussagen noch keinen Kontakt, zumal diese erst Ende April ihre Arbeit aufnehmen soll. "Ich gehe aber davon aus, dass wir Kontakt herstellen werden", so der Ombudsstellen-Leiter. Bei der von Schönborn angekündigten Bereitstellung von Informationen zeigt sich Wancata kooperativ was die allgemeinen Zahlen betrifft. Bei den einzelnen Fällen müsse man allerdings abklären, ob die Opfer dies auch wollten.

Den Spitzenreitern bei den Meldungen an die Ombudsstellen seit 1. Jänner dieses Jahres - der Erzdiözese Wien (174) und der Diözese Innsbruck (115) - folgen Linz (78) und Graz-Seckau (63). In der Erzdiözese Salzburg wurde 55 Mal Kontakt aufgenommen. Niedriger ist die Zahl in Eisenstadt (29), St. Pölten (22), Gurk-Klagenfurt (16) und Feldkirch (14).
(apa/red)

Kommentare

Schuld an der ganzen Situation ist nicht die Kirche alleine sondern die Einstellung der Angehörigen der Missbrauchten vor 30-50 Jahren. Ich glaube wenn damals ein Kind seinen Eltern erzählt hat, dass es sexuell belästigt wird, ist ihm nicht geglaubt worden. Dadurch sind sehr viele Fälle auch vertuscht worden. Die Eltern tragen da auch eine gewisse Schuld und die damalige Erziehung.

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Vorerst nur 27 Prozent?? Was heißt bitte NUR 27% Prozent sexuell mißbraucht??? Schafft endlich diesen blöden Verein ab und hebt die Verjährung für solche Delikte auf! Langsam hab ich das Gefühl, dass solche "Anstalten" ein Treffpunkt für Hirnkranke/Perverse sind. Was muss noch alles passieren damit der verstaubte Papst endlich was tut?

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Re: Vorerst nur 27 Prozent?? Du sagst es ... "nur" 27%??? Da versucht man nun mit
Zahlen den Missbrauch nahezu milde darzustellen. Die
Kirche gehört nun ausgemistet ... nebenbei erwähnt wär
das auch in der Politik schon längst fällig!

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Re: Vorerst nur 27 Prozent?? ich finde es eine frechheit das leute in solchen positionen (pfarrer) diese so ausnutzen und jungen leuten ihre psyche so vernichten !
leute die soetwas machen finde ich gehören rechtlich so bestraft das sie selbst ein psychisches leiden davontragen !
kein wunder das sich der papst dazu nicht äusern will !!!
schweigen ist aber auch keine dauerlösung ich hoffe dem wird das bewust

ich sag nur noch das dies wenig mit gott zu tun hat und die leute so ihren glauben verlieren (ich glaube seit meiner kindheit wegen eines vorfalles auch nicht mehr an gott )

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Re: Vorerst nur 27 Prozent?? Vor allem darf es doch nicht sein, dass die kirchlichen Ombudsstellen die Verbrechen untersuchen und womöglich wieder vertuschen. Verniedlichen tun sie ja schon. Verbrechen gehören von der Justiz aufgeklärt und geahndet und nicht von Schönborn oder sonst wer. Jetzt weiß ich, woher der Ausdruck
"Schweinepriester" kommt.

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Re: Vorerst nur 27 Prozent?? oh ja, gott ist lebendig, immer und überall und er ist wunderbar und es ist traurig, wenn menschen durch (sex)-gewaltbereite kirchenangehörige den bezug zu ihm verlieren - das ist das eigentlich traurige an dieser geschichte neben dem jahrelangen leiden der opfer und der unmöglichkeit sich zu artikulieren, auf grund der herrschenden machtstrukturen!
und dennoch sei betont - auch bei ordensleuten muss die tatsächlich existente, als auf wirklichen gefühlen basierende intergenerative beziehungen erlaubt sein - denn sex ist nicht das schlechte, imgegenteil, nein, es ist das, was die menschen draus machen!

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