Hundekot-Beseitigung: Mit Kartonschaufel und Plastiksackerl gegen die Trümmerln

Burgenländischer Hersteller hat Toilettenset erfunden

Mit dem Hund spazieren gehen ist zwar schön, aber wenn der vierbeinige Freund "muss" und meist dort wo es nicht gerade passend ist, so ist es meistens mit dem Spaß vorbei: Schiefe Blicke und Kommentare bleiben nicht aus. Denn eigentlich ist jeder Hundebesitzer per Gesetz dazu verpflichtet, das "Hauferl" wegzuräumen, doch viele wissen es nicht oder ignorieren es, weil es von der Polizei kaum geahndet wird. Ein burgenländischer Hersteller hat sich der Hundehygiene verschrieben und das erste österreichische Kotbeseitungshilfsmittel erfunden.

Das "Gassi"-Hundetoilettenset ist kein einfacher Plastikbeutel, mit dem man das "große Geschäft" aufnimmt. Eine Kartonschaufel mit einem Beutel und einem Schaber geben die nötige Distanz für eine hygienische und rasch Entfernung. "Es ist nicht jedermanns Sache in den warmen, weichen Gupf zu greifen", meinte Hersteller Christian Kubala. Auf die reine Sackerlproduktion habe er sich erst gar nicht eingelassen, sagte er im APA-Gespräch. Ein Anwendungstest beim Kynologenverband habe ihm Recht gegeben.

Auf diese ungewöhnliche Erfindung kam Kubala durch einen Wettbewerb der Stadt Wien, die die Bevölkerung in den achtziger Jahren dazu aufrief, eine Idee zur Beseitigung zu liefern. Der Geschäftsführer einer Verpackungsfirma und sein Bruder, ein Grafiker, machten sich an die Arbeit, bewarben sich mit "Gassi" und gewannen. Kubala ließ sich die Erfindung mittels Patent schützen. Mittlerweile stehen 152 "Gassi"-Entnahmeautomaten von Kubalas Heimtierhygiene aus Eisenstadt fast in ganz Österreich: In der Steiermark 46, in Tirol 31, in Niederösterreich 22, in Wien 18, in Kärnten zehn, in Salzburg neun und in Oberösterreich sieben Stück.

Obwohl es für Kubala schon mehr Automaten sein könnten: "Gerade Wien ist ein spezialer Fall." Es sei nirgends mit Kot so "zugepflastert" wie in der Bundeshauptstadt. Die "Gassi"-Sets haben sogar den Weg in den Süden gefunden. Mittlerweile stehen in Italien mehr Automaten als in Österreich: 302 an der Zahl.

Für die "Gassi"-Sets gibt es von Region zu Region verschiedene Preise - von 0 bis 50 Cent. Meistens werden sie von Gemeinden für die Bevölkerung und ihre Hunde gratis zur Verfügung gestellt. So werden für die Stadt Wien im Jahr 50.000 bis 60.000 Sets verwendet. In der Bundeshauptstadt funktioniert die Betreuung der Automaten durch das Magistrat auch wirklich gut, meinte Kubala. "Und dort, wo die Betreuung funktioniert, wird die Einrichtung auch gut angenommen." Das Bewusstsein, den Dreck seines Hundes wegzuräumen, sei im Westen Österreichs höher als im Osten, auch im mittelstädtischen Bereich werde die eigenständige Kotbeseitigung eher angenommen als in der Großstadt, meinte Kubala.

Das Hundedreckproblem wird laut Kubala immer wieder zum Thema gemacht. Es habe auch schon andere Möglichkeiten gegeben, wie das solide Plastikschauferl, das man zu Hause wieder waschen muss, bis hin zu Motorrädern mit eigenen Staubsaugern für den Kot.

Eine bereits angewandte Alternative zu "Gassi" sind die von der Wiener Firma Austroplay vertriebenen Kotsackerln "Bravo", ein Schweizer Produkt. Es wurde vor sieben Jahren in die Palette aufgenommen, weil Austroplay sich ursprünglich um Spielplatzgestaltung gekümmert hat und das Problem mit den Hundstrümmerln dort immer akuter wurde, sagte Inhaberin Sabine Haider zur APA. Derzeit gibt es 129 "Bravo"-Automaten, vorwiegend im Osten von Österreich. Und der Absatz steigt ständig: Wurden 2004 noch 375 Kartons zu je 2.000 Sackerln verkauft, waren es 2005 bereits 850 Karton, sagte Philipp Haider, Juniorchef bei Austroplay.

(apa)