Hugo Simon wird zum zeitlosen Phänomen:
65-Jähriger stahl Jungen wieder die Show

'Der liebe Gott hat mir eine gute Gesundheit gegeben' Heuer noch Starts in Dresden, München und Frankfurt

Hugo Simon ist ein Phänomen. Die Superlative für den kleinen Mann mit dem großen Herz für den Reitsport sind schon lange erschöpft. Mit 65 Jahren hat der Ausnahmekönner beim 22. Fest der Pferde im Mercedes-Grand-Prix Fans, Konkurrenz und vielleicht ein klein wenig sich selbst überrascht. Auf seiner neuen, zehnjährigen Stute Ukinda holte er sich hauchdünn vor Beat Mändli zum vierten Mal den Großen Preis in der Wiener Stadthalle - und die Schlüssel für einen Mercedes der C-Klasse.

Rund 24 Stunden nach seinem spektakulären Sturz im Teamspringen ("Das war ein Fehler von mir") zeigte Simon einen Traumritt und brachte die fast 4.000 Zuschauer in der Stadthalle zum Toben. "Ich wusste, dass ich ein sehr gutes Pferd habe. Sie war ja letztes Wochenende auch in Linz schon Zweite", meinte Simon, der die Stute erst knapp fünf Monate im Stall stehen hat. "Sie kann sehr schnell gehen, hat eine große Grundgeschwindigkeit, ist intelligent und ist sehr sprunggewaltig."

Und obwohl "Hugo Nazionale" aufgrund der kurzen Zusammenarbeit noch gewisse "Abstimmungsprobleme" hat, zeigte das Paar im Mercedes-Grand-Prix sein Potenzial. "Ich bereite mich natürlich für Wien besonders vor, weil da ist ein gutes Publikum und da will ich immer gut sein."

Nicht nur, weil es der erste Erfolg in einem Großen Preis 2007 war, war dieser Triumph schon etwas Besonderes. "In Wien zu gewinnen, ist etwas Schönes. Ich hatte auch mit E.T. und Apricot tolle Siege hier, aber es ist natürlich besonders gut, weil Ukinda ein neues Pferd ist. Es war unglaublich. Thomas Frühmann und Beat Mändli waren reelle Favoriten, und die im Stechen zu schlagen, ist schon sehr schwer."

Kein Blick mehr auf Weltrangliste
Natürlich sieht Simon seine Sportkarriere nun locker, will nur dort reiten, wo er wirklich möchte und sich keinesfalls Druck machen oder machen lassen. Zum Thema Olympia meint er: "Das sind doch die Spiele der Jugend." Auch auf die Weltrangliste, wo er derzeit 302. ist, schaut er nicht mehr. "Ich geh dahin, wo ich Spaß habe. Ich bin nicht bereit, jetzt auf die ganz großen Turniere zu fahren. Ich gehe Wien, dieses Jahr war ich viel in Österreich, weil ich neue Pferde habe, und sehen wollte, wie die funktionieren."

Der Ehrgeiz sei schon noch da, aber mit Muss geht nichts mehr. Doch mit Caldato hat er auch noch ein zweites gutes, junges Pferd aufgebaut. Und so stiehlt der Ausnahmereiter Kollegen, die teilweise seine Enkel sein könnten, die Show. "Die Jungs drinnen tun mir ja leid, wenn da so ein alter Knacker daherkommt", scherzte er.

Neben seinem Gespür für das richtige Pferdematerial und seinem Talent sowie der Wahl einer Sportart, die eben auch Höchstleistungen in rüstigem Alter zulässt, ist es auch die Fitness. "Der liebe Gott hat mir eine gute Gesundheit gegeben. Ich halte mich auch danach, gehe jeden Morgen um 06:00 Uhr ins Schwimmbad, tue was für mich. Da ich nicht zu groß bin, habe ich keine Probleme mit der Wirbelsäule, der Geist ist noch da und der Wille zum Siegen auch noch und die Erfahrung. Aber natürlich, ich muss mehr dafür tun, mehr arbeiten", gibt er zu.

Kein Stress mehr
"Man muss sich schon ein bisserl in den Hintern treten, ich mach's ja zum Spaß. Wenn es wirklich ernst wäre, würde ich nicht mehr reiten, wenn ich Druck drauf hätte." Darum sind Olympia-Spekulationen wohl vom Tisch. "Da gehts ja schon wieder los, es kommt wieder der Stress." Außerdem sei er schon sechsmal bei Olympia dabei gewesen.

Sollte sich Ukinda jedoch zum Ausnahmepferd entwickeln? "Dann werde ich versuchen, mal größere Turniere zu gehen." Und das tut Simon auch, hat er doch schon vor Wien für Dresden, München und Frankfurt genannt.

Schwieriger ist es für Hugo aber nicht nur aufgrund zunehmenden Alters geworden. Die Dichte im Springsport, also gute Paare (Reiter/Pferd), sei weit besser geworden. "Die jungen Leute heute reiten schon sehr ordentlich." Sein Siegerauto will er eventuell in einen roten Mercedes umtauschen. Den Audi vom Wien-Sieg 2000 fährt er immer noch. "Jetzt kann ich ja wieder Mercedes fahren."

Cowboytrip zum Geburtstag
Zu seinem 65. Geburtstag hatte sich Western-Fan Simon einen Traum erfüllt und einen Pferde-Trip in die Rocky Mountains gemacht. Mit seinen zwei besten Freunden und Indianern tourte er von Kanada nach Kalifornien. "Dort, wo früher die Trecks gezogen sind. Es war unglaublich. Ehrlich, ich habe gedacht, das hätte sich geändert: Aber es gibt nach wie vor Cowboys, wir haben zwei Wildpferde-Herden gesehen, es war einfach fantastisch." Rund 60 km am Tag, acht Tage lang zu Pferd. Da tut sogar einem Simon der Hintern weh. "Die ersten zwei Nächte waren hart. Immerhin hatte es tagsüber 30 Grad und abends Minusgrade."

Ob er jetzt mit Ukinda in Pension geht? Simon hatte ja immer angekündigt, schon mit E.T. in den sportlichen Ruhestand zu gehen. "Vielleicht kommt ja noch einer."
(apa/red)