Hütteldorf zittert vor dem Derby: Rapid mit blamablem neunten Platz so schlecht wie nie

Trainereffekt: Austria siegt bei Zellhofer-Debüt Pasching schlägt Mattersburg - Ried siegt über Sturm

Vor dem Wiener Derby herrscht in Hütteldorf Ratlosigkeit: Nach der peinlichen 1:3-Niederlage in Altach liegt Rapid auf dem neunten und vorletzten Tabellenplatz, steckt damit erstmals in der Vereinsgeschichte mitten im Abstiegskampf. Beim Gegner aus Favoriten hat sich die Aufregung hingegen vorerst gelegt: Unter Neo-Trainer Georg Zellhofer feierte die Austria einen überzeugenden 4:1-Sieg gegen Tirol und gab die Rote Laterne ab.

Der Aufsteiger hat den Rekordmeister ohne Punkte aus Vorarlberg nach Hause geschickt. Rapid-Trainer Peter Pacult hatte Jungstar Kavlak hinter Solo-Stürmer Bilic als Spielgestalter aufgeboten. Der 17-Jährige war es auch, der die Wiener früh in Führung brachte. Ein Abschlag von Rapid-Keeper Payer, den Bilic per Kopf auflegte, offenbarte die schlechte Zuordnung in der Altacher Hintermannschaft. Kavlak nahm sich ein Herz, traf aus rund 20 Metern mit einem sehenswerten Halbvolley zu seinem zweiten Saisontor. Eine Freistoß-Flanke des Youngsters verfehlte Katzer nur knapp (23.).

Die Altacher versuchten sich immer wieder mit schnellen Angriffen über ihre Parade-Sturmduo Leonardo/Ledezma. Der Ausgleich fiel dennoch nach einer Standardsituation. Ein Freistoß von Chinchilla-Vega traf Rapid-Verteidiger Valachovic im Gesicht, den Nachschuss von Schoppitsch lenkte Leonardo entscheidend ins Netz. Während dieser sein zehntes Saisontor bejubelte, musste Valachovic mit Verdacht auf Gehirnerschütterung vom Platz. Für den Slowaken kam Burgstaller (39.).

Die Altacher waren daraufhin gefährlicher. Erst scheiterte der durchgebrochene Schmid nach Ledezma-Vorarbeit (40.), drei Minuten später verfehlte Ledezma einen Leonardo-Querpass ebenso knapp. Nach Seitenwechsel parierte der erneut nicht immer sicher wirkende ÖFB-Teamkeeper Payer gegen Schoppitsch (51.). Hatte der Rekordmeister vor der Pause auf Grund einer kämpferisch starken Leistung noch gut mitgehalten, so war der auf Tabellenrang vier vorgerückte Aufsteiger in Halbzeit zwei die aktivere Mannschaft.

Die Vorarlberger wurden durch Pfister belohnt. Der gebürtige Altacher köpfelte einen Schoppitsch-Corner völlig allein stehend per Aufsitzer zu seinem ersten Bundesliga-Tor ins Netz. Eine Minute nachdem Altach-Mittelfeldspieler Dorta nur die linke Stange (81.) getroffen hatte, sorgte Schiedsrichter Meßner für die endgültige Entscheidung. Nach einem vermeintlichen Foul von Dober an Atav zeigte der Referee dem Rapidler die Gelb-Rote Karte und auf den Elfmeterpunkt. Leonardo verwandelte eiskalt - Saisontor Nummer elf im zwölften Spiel.

Gelungenes Zellhofer-Debüt
Georg-Zellhofer hat mit einem 4:1-Heimerfolg über Wacker Tirol ein mehr als gelungenes Debüt gefeiert. Die Austria präsentierte sich im Vergleich zum 0:4 in Salzburg auf nicht weniger als sechs Positionen verändert, mit sechs Offensiv-Akteuren ging Neo-Coach Zellhofer von Beginn an auf drei Punkte los. Der Schinkels-Nachfolger sollte bereits in der 7. Minute für seinen Mut belohnt werden. Nach einem Querpass von Vachousek sorgte der Ex-Innsbrucker Hannes Aigner für die verdiente Führung der Wiener. Zuvor hatten schon Blanchard und Kiesenebner (jeweils 6.) Wacker-Goalie Pavlovic geprüft.

Aigner, der von einem Fehler des Tirol-Verteidigers Knabel profitierte, hatte gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber auch beim 1:1 in Innsbruck in der 4. Runde getroffen. Vor den Augen von Mäzen Frank Stronach und ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger agierten die Gastgeber weiter aggressiv und konzentriert, in der 39. Minute rettete Knabel in letzter Sekunde vor dem heranstürmenden Wolfgang Mair, ebenfalls ein Violetter mit Innsbrucker Vergangenheit.

Die Tiroler, immerhin das bisher beste Auswärtsteam der Liga (10 Punkte in der Fremde), wachten erst fünf Minuten vor der Pause auf. Schreter (42.) scheiterte aber aus kurzer Distanz an Austria-Keeper Safar. Für den Schlusspunkt in der ersten Hälfte sorgten aber wieder die Hausherren. Über Vachousek und Mair gelangte der Ball zu Schiemer (45.), der Pavlovic zum 2:0 bezwang. Den besseren Start in die zweite Hälfte erwischte dann eindeutig die Mannschaft von Wacker-Coach Frantisek Straka, der mit Aganun einen zweiten Stürmer brachte.

Schreter (50.) nützte eine Flanke von Mimm und einen "Ausrutscher" von Wimmer zum 1:2-Anschlusstreffer. Auf der anderen Seite fand Mair (52.) kurze Zeit später eine gute Gelegenheit auf die Vorentscheidung vor, traf aus spitzem Winkel aber nur das Außennetz. Nur eine Minute später lief Aigner alleine auf Pavlovic zu, der ungenaue Querpass zur Mitte wurde von Knabel abgefangen. Eine allgemeine Schrecksekunde folgte dann in der 68. Minute, als Grüner nach einem Zusammenstoß mit Aigner bewusstlos liegen blieb. Obwohl der Wacker-Akteur schnell wieder bei Bewusstsein war, musste er von Brzeczek ersetzt werden.

Obwohl die Innsbrucker weiter dagegen hielten, fand die Austria die besseren Gelegenheiten vor. Troyansky verpasste mit einem Kopfballaufsetzer (72.) über die Latte noch knapp die vorzeitige Entscheidung, ehe Aigner (81./Schuss unter die Latte nach Lasnik-Querpass) mit seinem zweiten Treffer des Abends auf 3:1 erhöhte. In der dritten Minute der Nachspielzeit erhöhte der eingewechselte Mila noch auf 4:1.

Pasching siegt im Verfolger-Duell
Mit einem 2:0 -Sieg beim SV Mattersburg hat Superfund Pasching den zweiten Platz in der Tabelle gefestigt und Neo-Trainer Didi Constantini einen gelungenen Einstand bei seiner Rückkehr auf die Paschinger Trainerbank beschert. Die beiden Treffer für die Oberösterreicher erzielten Wolfgang Bubenik (13.) und Yüksel Sariyar (85.). Mattersburg bleibt trotz der zweiten Heimniederlage Dritter.

Gemäß der Tabelle, der Zweitplatzierte war beim Dritten zu Gast, war es das Spitzenspiel der Runde. Diesem Anspruch wurde die Begegnung nur zum Teil gerecht. Die Gastgeber hatten insgesamt mehr vom Spiel, drängten vor allem in Durchgang zwei auf den Ausgleich. Pasching war bedacht, den knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen, was auch gelang. Sariyar garnierte den Sieg dann noch mit dem späten Treffer zum 2:0.

Ried setzte sich im Mittelfeld fest
Die SV Ried hat sich mit einem mühevollen 2:1-Heimerfolg gegen Sturm Graz im Bundesliga-Mittelfeld festgesetzt. Herwig Drechsel war vor 7.600 Zuschauern im ausverkauften Fill-Metallbau-Stadion mit seinen Saisontoren drei und vier (19./Elfmeter, 43./Freistoß) Match-Winner für die Innviertler. Auch für den Sturm-Treffer aus einem Eigentor von Jank (36.) zeigte sich ein Rieder verantwortlich.

Die Oberösterreicher blieben damit zum achten Mal in Folge in der Bundesliga unbesiegt, es war bei sechs Remis jedoch erst der zweite Sieg. In der Tabelle schob sich die SV mit nun 16 Zählern auf den sechsten Rang vor, die krisengeschüttelten Grazer fielen mit nun einem Punkt Rückstand auf Ried auf den achten Rang zurück.

(apa/red)