Hubert Wachter über die zugegeben kühne Variante einer erneuten ‚Wenderegierung‘

Ein Rechtsanwalt als Retter im Chaos?

Peter Fichtenbauer sitzt seit Oktober 2006 im FPÖ-Nationalratsklub. Der 62-jährige gebürtige Waldviertler (aus Alt-Dietmanns, Waidhofen/Thaya), Rechtsanwalt in Wien seit 1975, Reservebrigadier der Miliz, ORF-Stiftungsrat und zuletzt Vorsitzender des Innenministeriums-Untersuchungsausschusses im Parlament, könnte – so unglaublich es auch klingt – nach der Nationalratswahl zum eigentlichen Jolly Joker der mit Sicherheit äußerst komplizierten Regierungsbildung werden. Und zwar auf diese Weise:

Kanzlerpoker in blau/orange. Nur bei einem exorbitanten Wahlsieg Werner Faymanns deutlich über 30 % und einem gleichzeitigen Desaster der ÖVP (unter 25 %) wäre die seit 1986 in Österreich stets vorhandene „bürgerliche Mehrheit“ Geschichte. Umgekehrt: Besiegt die SPÖ die ÖVP nur ganz knapp und unter blamablen 30 % der Stimmen, hat Willi Molterer nach wie vor die Chance, als Zweiter durchaus Kanzler zu werden. Wenn a) der „Bruderkrieg“ zwischen FPÖ und BZÖ beendet wird und sich b) beide Parteien zu einer Art CDU-CSU-Bündnis finden. Dies wäre nur möglich, wenn Heinz-Christian Strache, der die ÖVP persönlich nicht wirklich mag und dessen politisches Ziel eigentlich das Wiener Rathaus ist, großmütigst einem anderen in der FPÖ das Amt des Vizekanzlers überließe: eben Peter Fichtenbauer. Mit dem „kann“ Jörg Haider, und die ÖVP bekäme den geforderten milderen blauen Anti-EU-Kurs.

„Nichts ist undenkbar“: So reagiert Peter Fichtenbauer auf dieses in der ÖVP diskutierte Szenario. Eigentlich will er an solchen Gedankenspielen nicht teilnehmen und betont ausdrücklich, „absolut treu und mit 100-prozentiger Loyalität“ zu Heinz-Christian Strache zu stehen. Beachtlicher Nachsatz: „Somit sind jegliche Denkvarianten an Entscheidungen meines Parteiobmannes geknüpft!“ Dieser Polit-Quacksprech dechiffriert: Unglaubliches kann möglich werden.