Horror-Prognosen nun offenbar widerlegt: Europa droht wohl doch keine neue Eiszeit

Golfstrom bricht durch Klimawandel nicht zusammen Einfluss auf Europas Klima geringer als angenommen

Horror-Prognosen nun offenbar widerlegt: Europa droht wohl doch keine neue Eiszeit

Europa droht wegen des Klimawandels keine neue Eiszeit. Der wärmende Golfstrom im Nordatlantik werde nach neuen Erkenntnissen zwar vom Klimawandel beeinträchtigt, dadurch aber nicht zusammenbrechen, sagte der wissenschaftliche Leiter des europäischen Programms Eur-Oceans, Paul Treguer, im bretonischen Saint-Malo.

Außerdem ist der Einfluss des Meeresstroms auf das europäische Klima den Angaben zufolge kleiner als allgemein angenommen. An Eur-Oceans sind 500 Wissenschafter von 60 Instituten aus 20 Staaten beteiligt.

Winde wichtiger als Golfstrom
Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass der Golfstrom nur ein Fünftel dazu beiträgt, dass es in Hamburg spürbar wärmer ist als auf gleichem Breitengrad in Cartwright im ostkanadischen Labrador. Vier Fünftel seien den Westwinden zuzuschreiben. Die Abgabe der im Meerwasser gespeicherten Wärme im Winter verstärke allerdings die Wirkung.

Zusammenhang mit schmelzendem Eis umstritten
Der Golfstrom transportiert von der Oberfläche bis in maximal ein Kilometer Tiefe warmes Wasser aus dem Golf von Mexiko bis an die norwegische Küste. Mit 80 Millionen Kubikmetern pro Sekunde ist er um ein Vielfaches ergiebiger als alle Flüsse der Welt zusammen. Unter Klimaforschern wird diskutiert, ob eine Unterbrechung des Golfstromes durch abschmelzendes Grönland-Eis Europa einen Kälteschock versetzen könnte.

Unbestritten: Golfstrom wird langsamer
Für ihre Modellrechnungen setzten die Eur-Oceans-Wissenschafter über Satellit verbunden Messsonden und Tauchroboter ein. Das Ergebnis bestätigt die Erwartung, dass der Golfstrom von der Erderwärmung beeinträchtigt wird. "Es besteht Konsens, dass der Golfstrom sich bis zum Jahre 2100 um 30 Prozent verlangsamen wird", sagte Professor Martin Visbeck vom Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-Geomar.

Denn Schmelzwasser aus dem Polargebiet und vermehrte Regenfälle werden den Salzgehalt des Oberflächenwassers verringern. Dies bremst das Abtauchen des kalten Wassers und damit den Golfstrom. Zusammenbrechen wird "Europas Zentralheizung" demnach aber nicht.

Meere werden weniger Kohlendioxid aufnehmen
Als Nebenwirkung dürfte den Forschern zufolge jedoch die Rolle des Ozeans als Kohlendioxidgrab geschwächt werden. Die Meere nehmen jährlich zwei Milliarden Tonnen dieses Treibhausgases auf. Dieser Prozess wird gebremst.

(apa/red)