Honved-Präsident schießt scharf in Richtung
Sturm: 'Barbarische Hooligans randalierten!'

Verhalten der Sturm-Fans sei beschämend gewesen Budapester Polizei prüft Anzeige & weist Kritik zurück

Honved-Präsident schießt scharf in Richtung
Sturm: 'Barbarische Hooligans randalierten!' © Bild: Reuters/Arvai

"Barbarische Hooligans randalierten im Budapester Bozsik-Stadion", erklärte der Eigentümer des ungarischen Fußball-Clubs Honved Budapest, George F. Hemingway, im ungarischen TV. Diese Worte fielen im Zusammenhang mit den schweren Zuschauer-Ausschreitungen rund um das UI-Cup-Spiel Honved - Sturm Graz (1:2) am Samstag.

Hemingway bezeichnete nicht nur das Verhalten der österreichischen Fans als "barbarisch und beschämend", sondern auch deren anschließende Ausflüchte. Nach denen hätte es sich bei den Steirer "nur um unglückliche Fans" gehandelt, die von "den Sicherheitskräften zerrupft" wurden.

Ihre Unschuld würden jene beteuern, die im Stadion "Stühle heraus rissen und damit auf die Sicherheitskräfte einschlugen", so Hemingway. Es habe sich um eine "gut organisierte Hooligan-Bande" gehandelt, die wahrscheinlich keinen Einlass fände in das Stadion von Sturm Graz.

Sicherheitskräfte hätten "ausgezeichnete" Arbeit geleistet
Der Eigentümer von Honved freute sich nach eigener Aussage darüber, dass die Honved-Fans nicht in die Ausschreitungen verwickelt waren. Da der Schiedsrichter das Spiel bereits einmal unterbrochen hatte, mussten die Sicherheitskräfte einschreiten. Die laut Hemingway eine "ausgezeichnete" Arbeit geleistet hätten. Die UEFA würde die Ausschreitungen untersuchen und Honved werde seine Schadenersatzforderungen bei Graz einreichen.

Laut einer Aussendung von Honved vom Montag seien durch "Grazer Hooligans" rund 100 Stühle beschädigt und zahlreiche Sicherheitskräfte verletzt worden. In der Aussendung werden "Lügen" der Grazer Seite kritisiert, um die "Taten der in Graz gut bekannten Hooligans zu verteidigen". Honved Budapest verurteile nicht nur die Täter, sondern auch jene, die diese verteidigten, "falsche Informationen" verbreiten und "Verbrecher als Opfer darstellen."

Budapester Polizei prüft Verfahren gegen Gewalttäter
Das Budapester Polizeipräsidium (BRFK) analysiere die am Samstag aufgenommenen Video-Bänder. Dadurch soll herausgefunden werden, wer für die Zuschauer-Ausschreitungen die Verantwortung trage, inwieweit ungesetzlichen Aktionen seitens der Fans oder auch der Sicherheitskräfte erfolgten. Im Falle des begründeten Verdachtes von konkreten Straftaten werde die Polizei Verfahren gegen die mutmaßlichen Täter einleiten.

In der Aussendung wird weiter darauf verwiesen, dass die Polizeikräfte erst dann im Stadion zum Einsatz kamen, nachdem die Sicherheitskräfte die Fans nicht mehr hatten "bremsen" können. Da elf Zuschauer teils schwer verletzt wurden, hat das BRFK ein Verfahren wegen des begründeten Verdachtes auf schwere Körperverletzung gegen unbekannte Täter eingeleitet.

Beamten weisen österreichische Darstellung zurück
Beschwerden der sechs mitgereisten österreichischen Polizisten wegen Angriffen der Sicherheitskräfte und der ungarischen Polizei auf sie wird seitens der BRFK mit den Worten kommentiert: "So hat sich das nicht ereignet." Diese Behauptung machte Polizeisprecher Pal Unger nach Auswertung von Videoaufnahme der Ungarischen Nachrichtenagentur MTI gegenüber.

Konkret geht es um die Beschwerde eines österreichischen Polizisten, dem ein ungarischer Polizist Pfefferspray ins Gesicht gesprüht hätte, als der österreichische Beamte einem auf dem Boden liegenden Sturm-Fan helfen wollte. Laut Pal Unger hätten ungarische Polizisten gegenüber den Begleitern von Sturm Graz keinen Pfefferspray "beabsichtigt und gezielt" eingesetzt.

Dabei hätte natürlich das im Einsatzgebiet verwendetet Tränengas alle Anwesenden erreicht, so auch die österreichischen Polizisten. Laut Polizeisprecher könnte eines mit Sicherheit behauptet werden, nämlich, dass "es nicht die Sicherheitskräfte waren, die im österreichischen Sektor des Budapester Stadions über 100 Sitze beschädigten."

UEFA wird bald in der Causa entscheiden
Die UEFA wird in den kommenden Tagen über ein Verfahren gegen Sturm Graz und Honved Budapest entscheiden. Das bestätigte der europäische Fußball-Verband auf Anfrage. Nach dem Einlangen der Berichte des UEFA-Delegierten und des Schiedsrichters wird über die Einleitung eines Disziplinarverfahrens entschieden.

Im wahrscheinlichen Fall, dass gegen beide Clubs ein Verfahren eröffnet wird, werden die beteiligten Parteien verständigt und dürfen zu den Vorwürfen Stellung nehmen. In erster Instanz urteilt die "Kontroll- und Disziplinarkammer" der UEFA. Ein Urteil vor dem Zweitrunden-Hinspiel der UEFA-Cup-Qualifikation am 14. August ist wahrscheinlich. Das vom Reglement vorgesehene Strafmaß reicht von einer Verwarnung bis zum Ausschluss aus dem Bewerb.

Die UEFA hat Sturm Graz per Fax darüber in Kenntnis gesetzt, dass wegen "unkorrekten Verhaltens der Anhänger" ein Disziplinarverfahren eröffnet worden ist. Der Verein hat nun bis 14. August Zeit, dazu Stellung zu nehmen. "Die Sturm-Fans haben Leuchtraketen und Bengalen auf das Spielfeld geworfen, das steht außer Zweifel und es wird Konsequenzen für die Verantwortlichen geben", sagte Sturm-Präsident Hans Rinner in einer ersten Reaktion. "Die ungarischen Securities haben mit ihrem Verhalten aber die Situation zum Eskalieren gebracht. Ich bin mir sicher, dass diese Eskalation bewusst herbeigeführt wurde. Das war eine organisierte Schlägertruppe."
(apa/red)