Homo-Ehe von

Obamas Coming-Out

Weshalb der US-Präsident diesen Schritt sechs Monate vor der Wahl wagt

Homo-Ehe - Obamas Coming-Out © Bild: AFP/Getty Images/Mandel Ngan

Die Homo-Ehe ist eine heikle Angelegenheit in den USA, an der sich US-Präsident Barack Obama im Wahljahr bisher eigentlich nicht die Finger verbrennen wollte. Der Präsident bemühte sich stets, bei diesem Thema möglichst unklar zu bleiben. Die Haltung Obamas "entwickelt sich", erklärte das Weiße Haus. Doch dann kam Joe Biden: Der für seine Patzer berüchtigte Vizepräsident plapperte am Wochenende in die Kameras, er fühle sich "absolut wohl" mit der Idee der Homo-Ehe. Der wachsende Druck in den folgenden Tagen ließ Obama am Ende keine andere Wahl, als ebenfalls Stellung zu beziehen.

"Für mich persönlich ist es wichtig, voranzugehen und zu betonen, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten können sollten", sagte Obama nun dem Fernsehsender ABC. Erstmals unterstützt ein US-Präsident damit das Recht von Homosexuellen, einen staatlich anerkannten Ehebund einzugehen. Es waren historische Worte, die zunächst allerdings keine rechtlichen, dafür aber umso größere politische Folgen haben könnten.

Entscheidung liegt bei Bundesstaaten
Obama machte deutlich, dass er die Entscheidung über die Einführung der Homo-Ehe weiter den einzelnen Bundesstaaten überlassen wolle. Damit bekräftigte er de facto die geltende Rechtslage. Ein Gesetz aus dem Jahr 1996 definiert die Ehe im Bundesrecht zwar als "legalen Bund zwischen Mann und Frau", die Staaten können in dieser Frage aber eigene Wege gehen. Ohnehin fehlt Obamas Demokraten die nötige Mehrheit im Kongress, um eine Änderung herbeizuführen.

Seit 2004 erlaubten Massachusetts, Connecticut, Iowa, Vermont, New Hampshire und New York sowie die Hauptstadt Washington nach und nach die Homo-Ehe. Auch die Bundesstaaten Washington und Maryland haben grünes Licht gegeben, die Gesetze könnten hier aber durch anstehende Volksabstimmungen wieder gekippt werden. Einige Bundesstaaten erkennen zudem homosexuelle Partnerschaften an, stellen diese aber nicht mit der Ehe zwischen Mann und Frau gleich.

Etwa 30 Staaten haben der Homo-Ehe dagegen einen Riegel vorgeschoben. Zuletzt hatten die Wähler in North Carolina am Dienstag in einem Referendum mit 61 Prozent für einen Verfassungszusatz gestimmt, der eine Eheschließung zwischen Homosexuellen sowie die Legalisierung anderer Formen von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften verbietet.

In Kalifornien streiten Anhänger und Gegner der Homo-Ehe vor Gericht, ob ein durch ein Referendum erwirktes Verbot in dem Westküstenstaat verfassungswidrig ist. Experten gehen davon aus, dass der Fall letztlich vor den Obersten Gerichtshof in Washington kommt und dieser dann über gleichgeschlechtliche Ehen in allen Bundesstaaten entscheidet.

Obamas gewagter Schritt
Politisch ist Obamas Coming-Out bei der Homo-Ehe sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl ein gewagter Schritt. Vor vier Jahren hatte er eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe noch abgelehnt. Die "Washington Post" schrieb im März, dass Obamas Berater intensiv über die Vor- und Nachteile eines Bekenntnisses zur Homo-Ehe diskutieren würden.

Seine liberale Anhängerschaft stellte Obama eigentlich bereits zufrieden, als er es Homosexuellen ermöglichte, offen in der Armee zu dienen. Dagegen könnte ihn die Unterstützung der Homo-Ehe unter religiösen Latinos und wertkonservativ eingestellten Arbeitern womöglich Stimmen kosten. Das könnte in heiß umkämpften Bundesstaaten den entscheidenden Unterschied machen: North Carolina etwa, das der Homo-Ehe eine klare Absage erteilte, hatte Obama 2008 nur hauchdünn gewonnen. Der wahrscheinliche republikanische Kandidat Mitt Romney bekräftigte umgehend, dass er die Homo-Ehe ablehne. Passend dazu wurde vor Kurzem bekannt, dass Romney in der High School einem homosexuellen Mitschüler die Haare abgeschnitten haben soll .

Obama begründete seinen Sinneswandel mit persönlichen Erfahrungen. Im Freundeskreis seiner Töchter gebe es Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern. Auch habe er homosexuelle Mitarbeiter, die in "unglaublich hingebungsvollen monogamen Beziehungen" lebten. Diese Erfahrungen teilt der Präsident offenbar mit vielen seiner Landsleute, denn die zeigen sich in Meinungsumfragen immer toleranter. Für die Homo-Ehe gibt es dort mittlerweile eine Mehrheit.

Kommentare

es geht doch einzig um das GELD!!!!!!! Jetzt zu sagen er hätte sich von seinen Kindern überzeugen lassen spricht doch für sich selbst!

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