Holocaust-Leugner an der TU Wien geehrt:
Rektor hat Hahn den "Rücktritt angeboten"

Minister lehnt aber ab - Skalicky bleibt weiter im Amt Stadtrat Mailath-Pokorny: "Ehrung ist inakzeptabel"<br>Walter Lüftl leugnete Massenmorde im KZ Auschwitz

Holocaust-Leugner an der TU Wien geehrt:
Rektor hat Hahn den "Rücktritt angeboten" © Bild: APA/Schlager

Große Wellen schlägt ein Goldenes Ingenieursdiplom an der TU Wien. Baurat h.c. Walter Lüftl erhielt gemeinsam mit einigen Berufskollegen diese Auszeichnung am 11. Dezember. Das wäre an sich keine Besonderheit, da in den letzten 15 Jahren etwa 650 Personen diese Ehre zuteil wurde. Nein, das pikante Detail besteht darin, dass eben jener Lüftl in den 90ern den Holocaust leugnete. Und einen Wirbel verursachte, der TU-Rektor Skalicky sogar dazu bewegte, seinen Rücktritt anzubieten.

Im Jahr 1991 verfasste Lüftl, damals Präsident der Bundesingenieurskammer, ein Gutachen, in dem er Massenmorde im KZ bestritt, da die technischen Voraussetzungen damals angeblich nicht gegeben waren. Ein Verfahren wegen Verdachts auf Wiederbetätigung wurde eingestellt, 1992 musste er aber von seinem Präsidentenamt zurücktreten.

17 Jahre später nun sorgt der Baurat erneut für ein politisches wie mediales Erdbeben an der TU Wien. Das Goldene Ingenieursdiplom an einen Holocaust-Leugner zu vergeben, verursacht ein lautes und vor allem negatives Echo, das Rektor Skalicky sogar dazu veranlasst hat, Wissenschaftsminister Hahn am Donnerstag seinen Rücktritt anzubieten. Das aber wurde am Minoritenplatz abgelehnt, wie der Rektor gegenüber NEWS.at verriet.

Überprüfung durch Kommission
Konsequenzen aus der Causa Lüftl hat der Rektor aber trotzdem sofort gezogen und eine Kommission zur genaueren Überprüfung eingerichtet. Diese, bestehend aus dem Dekan der betreffenden Fakultät (Professor Josef Eberhardsteiner), der Senatsvorsitzenden (Professor Franz Zehetner), der Vorsitzenden der Hochschülerschaft (Bianka Ullmann) sowie der Leiterin des Universitätsarchivs (Juliane Mikoletzky), soll bis Anfang des Jahres 2010 einen Bericht abliefern. Diesem sollen dann die entsprechenden Schritte folgen, eine Entschuldigung seiner Person hat Skalicky dabei in Aussicht gestellt.

Vollkommen zu Recht, gibt Skalicky abschließend zu, kann man ihm vorwerfen, fahrlässig mit zeitgeschichtlichen Informationen umgegangen zu sein: "Mein Fehler war, mich nicht umfassend mit Walter Lüftl auseinandergesetzt zu haben. " Ebenso wie die betreffende Fakultät (Bauingenieurwesen), weshalb der TU-Rektor auch meint, "dass wir uns die Schuld teilen müssen".

Mailath-Pokorny: "Inakzeptabel"
Zuvor forderte Wiens Kultur- und Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny die sofortige Aberkennung des "Goldenen Ingenieurdiploms" von Walter Lüftl. Es sei "inakzeptabel, einen Revisionisten, der öffentlich behauptet, es hätte keinen Massenmord in den Gaskammern von Auschwitz geben können, mit der feierlichen Erneuerung seines Titels zu ehren", verkündete der SPÖ-Stadtpolitiker per Aussendung.

(hoa)

Kommentare

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Es kann nicht sein, was nicht sein darf Ich halte das für eine psycholgische Sache, Dinge zu leugnen, die einfach niemals geschehen sein sollten.
Und ebenso wie dieser Mann versucht hat Beweise zu konstruieren, daß das Unfassbare einfach nicht geschehen war, gibt es jetzt eine neue Variante davon. Beweise konstruieren, daß es keinen vom Menschen verursachten Klimawandel gibt.

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Re: Es kann nicht sein, was nicht sein darf Ich denke der versucht einfach diese sache aus irgendeinem grund zu leugnen... Die technischen Gegebenheiten waren nicht gegeben,lächerlich - im 2ten Weltkrieg hattens schon recht gut funktionierende Flugzeuge und U-boote. Insgesamt starben schätzungsweise insgesamt zwischen 55 und 60 Millionen Menschen,davon 20 Millionen Soldaten. Und da will einer behaupten die Technik war noch nicht so weit unbewaffnete,eingeschüchterte und körperlich extrem geschwächte menschen abzuschlachten... Hat er das etwa ernst gmeint? mehr kann ich dazu leider ned sagen,kenn den einfach zu wenig

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Re: Es kann nicht sein, was nicht sein darf In Österreich ist es leider immer wieder der Fall, dass Nazischlächter geehrt und vor gerichtlicher Verfolgung geschützt werden: Beispiel gefällig: Dr. Milivoj Aschner in Klagenfurt ist angeblich nicht verhandlungsfähig! Dem Demjanuk, der auch im Rollstuhl sitzt, wird in Deutschland der Prozess gemacht (Bravo und nochmals Bravo) und in Österreich brauch einer wie Dr. Milivoj Aschner nur behaupten er könne dem Prozess nicht folgen und schon wird nicht mehr weitergemacht. Lächerlich so etwas! Österreich schützt die Nazischergen nach wie vor und sagt von sich selbst "Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts!" Die Justiz muss sich schämen!

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