Hohn und Spott: Polen verliert WM-Test gegen Kolumbien, Goalie schreibt Geschichte

"Noch ein Tor, noch ein Tor!": Pfiffe für Heim-Elf Tormann-Entscheidung in Polens Team wird vertagt

Das polnische Fußball-Nationalteam ist von den eigenen Fans mit Hohn und Spott auf die Reise zur WM nach Deutschland geschickt worden. Nach dem blamablen 1:2 im Test gegen eine ersatzgeschwächte Auswahl von Kolumbien in Chorzow machten sich die Zuschauer über das eigene Team lustig und forderten voll Ironie weitere Tore von den Südamerikanern. Derart gedemütigt kam das Team in Barsinghausen bei Hannover an, wo das WM-Quartier bezogen wurde.

Mit Häme wurde vor allem Goalie Tomasz Kuszczak bedacht, der eines der ungewöhnlichsten Tore der Fußball-Geschichte kassierte. Nach einem Ausschuss von Kolumbiens Keeper Luis Martinez über fast 100 Meter zog der eingewechselte Kuszczak die bereits gestreckten Hände wieder ein und ließ den Ball über sich ins Netz fliegen.

"Das was sicherlich das kurioseste Tor, das ich in meiner ganzen Karriere durchließ", sagte der Keeper. "Tormänner haben Tage des Ruhms, aber manchmal gibt es auch Momente der Schmach." Sein Gegenüber Martinez, der mit dem Treffer die Tradition von Kolumbiens Kult-Keeper Higuita fortsetzte, jubelte hingegen: "Das ist ein Tor, das um die Welt gehen wird."

Die rund 20.000 Fans in Chorzow forderten von den Kolumbianern "noch ein Tor, noch ein Tor" und riefen die Namen von Jerzy Dudek und Tomasz Frankowski. Der Liverpool-Goalie, Elfmeter-Held des Champions-League-Gewinners im Finale 2005, und der beste polnische Torschütze in der Qualifikation, in der sich die Polen u.a. gegen Österreich durchsetzten, waren von Janas überraschend nicht für die WM nominiert worden.

Teamchef in der Defensive
Der Teamchef sieht sich wieder einmal in der Defensive. "Dudek hat noch dümmere Tore durchgelassen und niemand hat daraus eine Tragödie gemacht", sagte er. Der Coach kritisierte auch Artur Boruc, der in der ersten Spielhälfte im polnischen Tor gestanden war und beim Führungstreffer ebenfalls schlecht ausgesahen hatte: "Beide Torhüter haben Treffer kassiert, die vermeidbar waren." Wer am 9. Juni in Gelsenkirchen im ersten Gruppenspiel gegen Ecuador im Tor stehe, sei noch offen.

Zu den Reaktionen der Fans meinte Janas: "Pfiffe sind normal - jeder will einen Sieg. Bei der WM werden sie uns sicher anfeuern und alles wird okay sein." Der Coach musste aber eingestehen: "Es gab Momente, in denen wir ratlos waren." (APA/red)