Verlust von

Bene in der Krise

Der Büromöbelhersteller braucht nach 29-Millionen-Minus dringend Geld

Bene-Vorstände Payer und Feldt © Bild: Bene AG

Bene steckt schwer in der Krise. Der börsenotierte Büromöbelhersteller hat heute für das Geschäftsjahr 2012/2013 einen Verlust von fast 29 Mio. Euro bekanntgegeben. Die Bankverbindlichkeiten belaufen sich auf 75 Mio. Euro. Im April 2014 wird eine Anleihe im Volumen von 40 Mio. Euro fällig. Bene braucht also dringend Geld. Das im Dezember neu eingesetzte Management sprach am Mittwoch vor Journalisten von einem "umfassenden Restrukturierungskonzept", das geplant sei, blieb aber viele Details schuldig.

Eines schloss Finanzvorstand Rudolf Payer aber aus: "Investoren sind derzeit kein Thema. Wir reden mit keinem Investor." Zur Frage, ob die Eigentümerfamilie Bene, der über eine Stiftung 42,5 Prozent der Anteile gehören, Geld zuschießt, meinte Payer nur: "Die Stiftung zeigt sich sehr konstruktiv." Ein Börse-Rückzug sei nicht geplant.

Am Dienstag habe ein erstes Treffen mit den involvierten Banken stattgefunden, bei dem ein neues Konzept vorgestellt wurde. Details verrieten die Vorstände nicht. Auf Nachfrage sagte Payer, dass man wohl eine langfristige Finanzierung benötigen werde. Zudem hofft Bene auf einen Schuldennachlass der Banken. Vorige Woche habe es außerdem ein Gespräch mit dem Land Niederösterreich gegeben. Das Land werde Bene "im Rahmen seiner Möglichkeiten" unterstützen. Was das heißt, wurde nicht gesagt. Das werde sich erst weisen, hieß es.

Standort Waidhofen soll bleiben

Bene produziert im niederösterreichischen Waidhofen an der Ybbs. An eine Auflösung oder Verlagerung des Standortes werde nicht gedacht. Anfang Jänner gab Bene bekannt, 100 Jobs abzubauen. Letzten Endes traf es 110 Mitarbeiter - hauptsächlich in Österreich, Deutschland und Osteuropa. "Wir glauben, dass wir mit diesem Abbau das Auslangen finden", schloss COO Michael Feldt vorerst eine weitere Personal-Reduktion aus.

Gleichzeitig wurde aber auch klargestellt, dass weitere Standorte auf dem Prüfstand stehen. "Die Mitarbeiter wissen das und haben Vorgaben bezüglich der Deckungsbeiträge", so der Finanzchef. Bene hat bereits Standorte in Deutschland, Kasachstan und Slowenien geschlossen. Neben Österreich und Deutschland als Kernmärkte will sich der Büromöbelhersteller künftig auf ertragsstarke Märkte wie London, Dubai, Abu Dhabi und Asien konzentrieren. Auch der australische Markt sei sehr progressiv.

Management-Fehler

Bene steckt schon seit Jahren in den roten Zahlen fest, wofür die zu rasche Expansion des Unternehmens, ertragsschwache Großprojekte sowie ein aufgeblähter Backoffice-Bereich verantwortlich gemacht werden. Im Dezember tauschte der Aufsichtsrat den kompletten Vorstand aus. Im März wurde bekannt, dass Verluste mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt haben. Damals wurde das Grundkapital mit 24,35 Mio. Euro angegeben. Laut heutigen Management-Aussagen ist das Eigenkapital nicht negativ, mit Zahlen wurde diese Aussage aber nicht untermauert. Bene veröffentlichte auch nur Eckdaten aus der Bilanz.

Demnach belief sich der Umsatz im Ende Jänner abgelaufenen Geschäftsjahr 2012/2013 auf 213,6 Mio. Euro, ein Zuwachs von 10 Prozent gegenüber dem Jahr davor. Der Konzernfehlbetrag (Verlust) betrug 28,7 Mio. Euro. Darin seien Einmaleffekte aus der Restrukturierung enthalten. Einen Ausblick auf 2013/2014 gaben die Vorstände nicht. Es wurde lediglich die schon im Jänner abgegebene Prognose bekräftigt, den Umsatz auf 200 Mio. Euro zurücknehmen zu wollen.

Hauptversammlung im Mai

In rund zwei Wochen, am 2. Mai, hält Bene eine außerordentliche Hauptversammlung ab, um den Aktionären Rede und Antwort zu stehen. "Eine reine Formalia", wie Payer sagte. Thema wird auch die Wahl eines Aufsichtsratsmitgliedes sein, zumal Karl Sevelda, RBI-Vorstandsmitglied und Vorstand der Bene-Privatstiftung, sein Mandat zurückgelegt hat. Bis zur Beendung der ordentlichen Hauptversammlung wird T-Mobile-Austria-Chef Andreas Bierwirth als einfaches Mitglied in den Aufsichtsrat einziehen, gab Bene gestern bekannt.

Bene macht seine Geschäfte mit Arbeitsplätzen (Tische aller Art usw.), Stauräumen (Schränke, Regale, Container usw.), Bürodrehstühlen und Sitzmöbeln sowie verschiedenen Wandsystemen zur Raumbildung und -gliederung. Zum Portfolio gehören auch Möbel für das Chefbüro. Der Büromöbelmarkt sei ein guter Markt. Allein in Deutschland sei der Markt 1,7 Mrd. Euro schwer, "da ist genügend Platz für Bene", meinte Feldt.

Kommentare

Sehr geehrter Herr Berg, ich muss Ihr Kommentar vom 17.4. richtigstellen: Neudoerfler ist seit Jahren der profitabelste Büromöbler in Österreich mit einem Wachstum weit über dem Markt (21%, 8%, 11 % - in den letzten drei Jahren), einem hervorragenden KSV-Rating und hohem Eigenkapital.
MFG
Mag. Wilfried Lechner
Leiter Markting & PR
Neudoerfler Office Systems

Oliver-Berg

Mag sein, dass es genug Platz in Deutschland für gute Büromöbelhersteller gibt, für weitere Fehleinschätzungen und Managementfehler fehlt das Geld und die Zeit. Neudörfler ist schon so gut wie pleite, Hali und Bene kämpfen. Bin gespannt ob wir in 2 bis 3 Jahren überhaupt noch einen österreichischen Büromöbelhersteller haben.

und den Mann, der Bene in Russland 2012 einen Umsatzzuwachs von 72% beschert hat.......... na na? richtig ! den wirft Bene raus.....

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