Hoffnungsschimmer für US-Auto-Branche:
Bush will Geld aus Finanzpaket ausbezahlen

Obama: Hilfspaket würde Domino-Effekt verhindern Programm wegen Streit zu Lohnsenkungen abgelehnt

Hoffnungsschimmer für US-Auto-Branche:
Bush will Geld aus Finanzpaket ausbezahlen © Bild: APA/EPA/Kowalsky

Die akute Gefahr einer baldigen Insolvenz des Opel-Mutterkonzerns General Motors scheint vorerst gebannt. US-Präsident George W. Bush stellte den amerikanischen Autobauern den Zugang zum 700 Milliarden Dollar (525 Mrd. Euro) schweren Rettungspaket für die Finanzbranche in Aussicht - ein Schritt, den er bisher strikt abgelehnt hatte. Damit dürften GM und Chrysler dieses Jahr überstehen. Die Aussichten für die Zukunft bleiben jedoch trüb - die US-Autokonzerne müssen es irgendwie schaffen, ihre Milliarden-Verluste zu stoppen.

Zuvor sah es für GM und Chrysler zunächst schon ganz düster aus, nachdem geplante Sofortkredite von 14 Milliarden Dollar am Widerstand der Republikaner im US-Senat scheiterten. Die beiden Unternehmen hatten zuletzt immer wieder betont, das Geld noch im Dezember zu brauchen. Daher wurde bei Ausbleiben staatlicher Hilfen mit einer baldigen Insolvenz gerechnet. Der Vorstoß Bushs entschärfte diese Gefahr. Die US-Demokraten hatten schon die ganze Zeit gefordert, das Banken-Hilfspaket auch für die Autohersteller zu öffnen. Der dritte große US-Autobauer Ford gilt als etwas solider finanziert als seine beiden Konkurrenten, macht aber auch massive Verluste.

Neun Milliarden für Zulieferer
Laut einem Zeitungsbericht brauchen GM und Chrysler in den kommenden Wochen allein neun Milliarden Dollar, um Zulieferer-Rechnungen zu bezahlen. Das "Wall Street Journal" machte dabei keine Angaben darüber, wie sich die Summe auf die Unternehmen verteilt. Die Zulieferer-Rechnungen dürften damit eine der größten aktuellen Belastungen für die schwer angeschlagenen US-Autobauer sein. Es ist wenig wahrscheinlich, dass sie diese Summe ohne staatliche Hilfe bezahlen können.

General Motors kündigte Stunden nach Bushs Vorstoß massive Produktionskürzungen in Nordamerika an, um seine hohen Verluste einzudämmen. Das Unternehmen will im ersten Quartal 2009 fast ein Drittel seiner Kapazitäten in den USA, Kanada und Mexiko zeitweise stilllegen. Durch die Produktionskürzung um 30 Prozent sollen in den nächsten drei Monaten 250.000 Autos weniger gebaut werden, hieß es.

GM verwies auf den massiven Absatzeinbruch in den vergangenen Monaten. Allein im November waren die US-Verkäufe von General Motors im Jahresvergleich um gut 40 Prozent eingebrochen. Der gesamte amerikanische Automarkt war um 36 Prozent geschrumpft.

Bargeldreserven aufgebraucht
Die US-Autobauer "verbrennen" derzeit ihre Bargeld-Reserven - zum Teil eine bis zwei Milliarden Dollar im Monat. Mit dem Absatzeinbruch angesichts der Finanz- und Konjunkturkrise reichen die zusammengeschmolzenen Einnahmen aus dem Tagesgeschäft reichen nicht aus, um die laufenden Kosten zu decken. Insgesamt hatten die "großen Drei" GM, Ford und Chrysler um staatliche Kredite von 34 Milliarden Dollar gebeten, die bis Ende 2009 ausgezahlt werden sollten.

Eine Insolvenz wollten die Autobosse bisher um jeden Preis vermeiden, obwohl sie in den USA oft zur Sanierung angeschlagener Unternehmen eingesetzt wird. Unter dem sogenannten Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts können Firmen die Bedienung ihrer Schulden aussetzen und sich in Ruhe sanieren. Unter anderem so gut wie alle US-Fluggesellschaften haben das schon gemacht.

Vor allem GM-Chef Rick Wagoner glaubt aber, selbst eine Insolvenz mit Gläubigerschutz könnte für einen Autohersteller tödlich ausgehen. Die Verbraucher würden keine Autos von einer Firma kaufen, die verschwinden könnte, argumentiert der Chef der Opel-Mutter.
(apa/red)