Hoffnung auf diplomatische Lösung: Ban Ki Moon bietet Nordkorea direkte Gespräche an

UNO-Generalsekretär will Kim Jong Il treffen<br>US-Außenministerin Rice mit Sanktionen zufrieden China soll Hilfslieferungen an Pjöngjang einstellen

Der künftige UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat Nordkorea nach dem Atomtest des stalinistischen Regimes und den von der UNO beschlossenen Sanktionen direkte Gespräche angeboten. Er zeigte sich am Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York bereit, sich nach seiner Amtsübernahme im Jänner mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Il zu treffen. US-Außenministerin Condoleezza Rice zeigte sich unterdessen mit den Sanktionen gegen Nordkorea zufrieden.

"Je nach der Situation möchte ich notwendige Maßnahmen ergreifen, einschließlich direkter Gespräche mit der Führung Nordkoreas", sagte Ban. Vorerst wollen sich die Außenminister Japans, Südkoreas und der USA am Donnerstag in Seoul zu Beratungen treffen.

Australien will Häfen für nordkoreanische Schiffe sperren
Australien will seine Häfen für Schiffe aus Nordkorea sperren. Das Embargo ergänze die von den Vereinten Nationen verhängten Sanktionen, sagte Außenminister Alexander Downer. Ausnahmen sollten nur in akuten Notfällen gemacht werden. Der UN-Sicherheitsrat hat Finanz- und Handelssanktionen gegen die Regierung in Pjöngjang beschlossen. Die Resolution sieht unter anderem die Kontrolle aller Frachtschiffe von und nach Nordkorea vor.

Kein Sanktionsende bei Rückkehr zu Gesprächen
Eine Rückkehr Nordkoreas zu den Sechs-Parteien-Gesprächen über sein Atomprogramm würde nach Ansicht der USA nicht automatisch ein Ende der Sanktionen bedeuten. Voraussetzung dafür sei vielmehr die nachprüfbare Umsetzung einer im September 2005 geschlossenen Vereinbarung über die Einstellung des nordkoreanischen Atomprogramms, sagte der US-Botschafter in Japan, Thomas Schieffer. Bis dahin sei es aber noch ein weiter Weg.

Rice mit Sanktionen zufrieden
US-Außenministerin Condoleezza Rice zeigte sich mit den Sanktionen gegen Nordkorea zufrieden. Dies sende ein klares Signal an Pjöngjang, dass das Land international vollständig isoliert sei. Nach der Abstimmung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen blieben noch "viele Einzelheiten" zu klären. Dabei gehe es vor allem darum, wie genau das Embargo funktionieren solle.

Die Außenministerin sagte, sie verstehe Befürchtungen über die Sicherheitslage in der Region. Die Vereinigten Staaten seien daher zu Gesprächen über die genaue Umsetzung der Resolution bereit.

Die vollständige Durchsetzung der UNO-Sanktionen gegen Nordkorea ist nach Auffassung von Rice auch im Interesse Chinas. "Ich bin sicher, dass auch China kein Interesse daran hat zu sehen, wie Nordkorea gefährliche Materialien weiterverbreitet", sagte Rice dem US-Fernsehsendersender Fox. Der chinesische UNO-Botschafter Wang Guangya hatte zuvor laut einem Bericht der Zeitung "New York Times" gesagt, die Forderung nach einer Kontrolle aller Frachtladungen von und nach Nordkorea sei für China "nicht akzeptabel".

USA nehmen China in die Pflicht
Nach dem Beschluss der UNO-Resolution gegen Nordkorea will Washington den wichtigsten Verbündeten Pjöngjangs noch stärker in die Pflicht nehmen. Die USA appellierten an China, noch mehr zu tun und forderten Peking indirekt auf, die Hilfslieferungen von Lebensmitteln und Energie an seinen nordkoreanischen Verbündeten einzustellen. Das würde "sehr überzeugend in Pjöngjang" wirken, sagte der amerikanische UNO-Botschafter John Bolton dem Sender ABC. "China trägt hier eine gewaltige Verantwortung." Der mutmaßliche Atomtest Nordkoreas sei eine öffentliche Demütigung Pekings gewesen.

Russland: Nordkorea will kernwaffenfreie Halbinsel
Trotz seines Atomwaffentests unterstützt Nordkorea nach russischen Angaben nach wie vor das Ziel einer kernwaffenfreien koreanischen Halbinsel. Dies hätten Regierungsvertreter in Pjöngjang bei seinem Besuch in der nordkoreanischen Hauptstadt in der zurückliegenden Woche bekräftigt, sagte der stellvertretende russische Außenminister Alexander Alexejew in Seoul. Ihm sei mehrfach gesagt worden, dass Nordkorea für die Fortsetzung der Sechs-Länder-Gespräche über eine Beendigung seines Atomprogramms sei.

Vor der Ankunft in Seoul hatte sich Alexejew jedoch bereits "vorsichtig pessimistisch" bei der Frage geäußert, ob die Sechser-Gespräche (Nord- und Südkorea, USA, China, Japan, Russland) bald wieder aufgenommen werden. Die am Samstag verabschiedete Nordkorea-Resolution des Weltsicherheitsrates sei eine adäquate Antwort auf den Atomtest des Landes, wurde er am Sonntag von der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass nach seiner Rückkehr aus Pjöngjang zitiert.

In Seoul traf Alexejew, der Moskau bei den Atomgesprächen vertritt, den südkoreanischen Chefunterhändler Chun Yung Woo. Beide bekräftigten, sich für die Wiederaufnahme der Sechser-Gespräche einsetzen zu wollen, die seit November vorigen Jahres auf Eis liegen. (apa/red)