"Höllenhund" macht das Rennen: Cerberus holt sich angeschlagene Autosparte Chrysler

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"Höllenhund" macht das Rennen: Cerberus holt sich angeschlagene Autosparte Chrysler

Die transatlantische Autoehe ist beendet: Neun Jahre nach der Fusion verkauft DaimlerChrysler wieder den größten Teil seiner US-Sparte. Der US-Finanzinvestor Cerberus übernimmt in einem komplizierten Deal für 5,5 Mrd. Euro 80,1 Prozent am Autobauer Chrysler. Daimler behält 19,9 Prozent der Anteile an der US-Sparte. Magna International, die zusammen mit dem Finanzinvestor Onex geboten hatten, ging leer aus. Nach der Scheidung wird auch der Name geändert: Aus DaimlerChrysler soll künftig die Daimler AG werden.

Der Deal kostete DaimlerChrysler Milliarden, allein im heurigen Jahr wird das Ergebnis von DaimlerChrysler dadurch zwischen 3 und 4 Mrd. Euro belastet. Dennoch reagierten die Anlager positiv: Der Kurs der Daimler-Aktie schoss zunächst um sieben Prozent hoch, und legte in Frankfurt um knapp vier Prozent zu. Nach Aussagen von Händlern waren die Anleger vor allem über die Tatsache erleichtert, dass die Gesundheits- und Pensionslasten zur Gänze bei Chrysler bleiben. Die Transaktion soll im dritten Quartal abgeschlossen werden, bestehende Projekte mit Mercedes sollen fortgesetzt werden.

"Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größten Wert schafft - für Daimler und für Chrysler. Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen", erklärte DaimlerChrysler-Konzernchef Dieter Zetsche in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Käufer John Snow. Daimler habe nur begrenzten Nutzen aus der jahrelangen Zusammenarbeit mit der US-Tochter Chrysler gezogen, man habe beim Einstieg vor neun Jahren "die Synergiepotenziale überschätzt". Zetsche, der selbst Chrysler geleitet hatte, gab zu, dass ihm der Verkauf nicht leicht gefallen sei.

Der neue Mehrheitseigentümer hat der Konzernführung sein Vertrauen ausgesprochen. "Wir sind bestens aufgestellt, um Chrysler wieder dorthin zu befördern, wo es hingehört, nämlich an die Spitze,", sagte Cerberus-Chef Snow. Das Management könne sich nun auf Produktion und Qualität konzentrieren "abseits von Quartals- und Börseberichten". Der in 40 Ländern vertretene BAWAG-Käufer Cerberus wurde 1992 in New York gegründet. Alle Unternehmen, die bisher in dem Fonds gebündelt sind, setzen zusammen mittlerweile rund 60 Mrd. Dollar (44,5 Mrd. Euro) um. Mit dem Autokonzern Chrysler, der im Vorjahr 47 Mrd. Dollar umgesetzt hat, steigt der Umsatz der Gruppe jetzt auf über 100 Mrd. Euro an.

Unterstützt wurde der Deal von US-Automobilarbeitergewerkschaft UAW. Deren Chef Ron Gettelfinger erklärte, Cerberus werde den Interessen der UAW-Mitglieder, der Chrysler Group und Daimlers am besten gerecht. Zuvor hatte die UAW Magna favorisiert. Buzz Hargrove, Präsident der kanadischen Automobilarbeitergewerkschaft CAW, sagte dagegen, die Zuschlag an Cerberus sei "sehr, sehr bedenklich", Fonds seien nur selten am Langfriststrategien orientiert.

Von den 5,5 Mrd. Euro, die Cerberus auf den Tisch legen muss, fließen 3,7 Mrd. Euro in das Industriegeschäft und 800 Mio. Euro in das Finanzdienstleistungsgeschäft von Chrysler; 1 Mrd. Euro soll DaimlerChrysler erhalten. Laut Vertrag muss DaimlerChrysler das Industriegeschäft der Chrysler Group komplett schuldenfrei übergeben. Wegen des erwarteten negativen Cash-Flows bei Chrysler auf Grund des Restrukturierungsplans werde für den Konzern bis zur Abwicklung des Geschäfts eine Belastung von insgesamt 1,2 Mrd. Euro entstehen, mit bis zu 4 Mrd. Euro wird das Ergebnis allein im laufenden Jahr belastet. Per Saldo ergebe sich somit für DaimlerChrysler eine Belastung von 500 Mio. Euro, teilte Daimler mit. Die finanziellen Verpflichtungen für die Pensionen und die Gesundheitsvorsorge trägt aber weiter Chrysler.

Die Namensänderung in Daimler AG soll in einer Hauptversammlung im Herbst beschlossen werden. Der zukünftige Daimler-Vorstand wird auf sechs Mitglieder verkleinert. Chrysler-Chef Tom LaSorda, Eric Ridenour und Tom Sidlik werden ausscheiden.

Magna reagierte zurückhaltend
Zurückhaltend hat der kanadische Zulieferkonzern Magna International, der ebenfalls geboten hatte, auf die Entscheidung reagiert: Magna unterhalte seit Jahrzehnten "Partnerschaften" mit beiden Unternehmen und sei zuversichtlich, dass dies auch so bleiben werde, sagte ein Sprecher. Zum Schicksal der Chrysler-Produktion in Graz-Thondorf wurde keine Aussage getroffen. Im vergangenen Jahr waren im ehemaligen Eurostar-Werk noch 90.000 Chrysler produziert worden, 37 Prozent der gesamten Produktion (245.000 Autos). Derzeit sind in Graz rund 1.400 Mitarbeiter mit der Herstellung von Chrysler-Modellen beschäftigt.

(apa/red)