"Höhere Barrieren": Niedrigster Stand
bei Flüchtlingen seit rund 25 Jahren

Viele Bosnien- und Afghanistan-Rückkehrer

Die Zahl der Flüchtlinge ist weltweit auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren gesunken. Derzeit gebe es rund zehn Millionen Flüchtlinge und 25 Millionen Inlandsflüchtlinge, gab UNO-Flüchtlingshochkommissar Antonio Guterres, ehemaliger Ministerpräsident Portugals, laut Kathpress am Dienstag vor dem Europaparlament in Brüssel bekannt. So seien in den vergangenen Jahren nach dem Ende der jeweiligen Kriege und Bürgerkriege allein vier Millionen Menschen nach Afghanistan und eine Million nach Bosnien-Herzegowina zurückgekehrt.

Die rückläufigen Zahlen sind für Guterres aber nicht nur Grund zur Freude. Eine Ursache des Rückgangs sei auch, dass Flüchtlinge immer schwerer Schutz in anderen Staaten fänden und "immer höhere Barrieren überwinden" müssten. Der UNHCR-Chef warnte in diesem Zusammenhang die EU vor einem europaweiten Asylrecht auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner: "Europa ist und bleibt ein Asylkontinent". Guterres verwies zugleich darauf, dass die weit überwiegende Mehrzahl der Flüchtlinge Schutz in Ländern des "Südens" suche.

Guterres beklagte, dass humanitäre Nothilfe und Entwicklungshilfe oft nicht miteinander verzahnt seien. Dadurch werde die Rückkehr von Flüchtlingen erschwert. So seien zuletzt wieder mehr Menschen aus Burundi ausgewandert als an Flüchtlingen zurückgekehrt, weil sie im Land trotz der Friedensabkommen keine Perspektive für ihre Zukunft fänden. Ähnlich verhalte es sich im Südsudan, wo nach dem Ende des Bürgerkriegs die Infrastrukturen fehlten, um eine Wiederansiedlung zu ermöglichen.

Kritisch äußerte sich Guterres wegen des fehlenden Engagements der internationalen Gemeinschaft im Konflikt in Darfur. Diese Krise im Westen des Sudan sei ein Beispiel dafür, dass bürgerkriegsartige Auseinandersetzungen von skrupellosen Politikern oft bewusst angezettelt würden, um Menschen zu vertreiben. Das UNHCR habe zwar ein Mandat zur Versorgung der Vertriebenen. An Ort und Stelle sei man aber "gelähmt", weil die Sicherheit für die Helfer nicht gewährleistet sei und tödliche Gewalt und massive Menschenrechtsverletzungen andauerten.

(apa)