Höhen und Tiefen: FPÖ-Kandidat Karl Schnell mit bewegter Karriere

Kann der treue "Haiderianer" den Absturz in Salzburg verhindern?

Salzburgs FPÖ-Chef hat bisher eine bewegte Polit-Karriere hinter sich. Der einstige Senkrechtstarter erlebte 1997 mit seiner Abwahl aus der Landesregierung den ersten Absturz, doch Schnell rappelte sich wieder auf. Heute schlägt der einstige Scharfmacher gemäßigtere Töne an. Zu welchem Ergebnis er die FPÖ am 7. März führen wird, ist kaum vorauszusagen.

Die Politkarriere des Arztes verlief zu Beginn steil nach oben. 1989 erst FPÖ-Mitglied geworden, holte zwei Jahre danach Jörg Haider seinen Wahlkampf-Hubschrauberpiloten gleich als Generalsekretär an die Spitze der Bundespartei. Und als 1992 die Salzburger Freiheitlichen auf Geheiß Haiders ihren (zu "zahmen") Landesparteiobmann und Landesrat Volker Winkler abmontierten, war Karl Schnell zur Stelle. Als großer Kämpfer gegen Mafia, Proporz und Packelei wurde der Pinzgauer Arzt gleichzeitig mit der Partei in den neunziger Jahren groß.

Datenklau-Affäre
Es folgten fünf Jahre Oppositionspolitik auf der Regierungsbank, Landesrat Schnells nachhaltigster Erfolg war aber ungewollt: Die Abschaffung des Regierungsproporzes. Ausschlaggebendes Ereignis dafür war die so genannte "Datenklau-Affäre" (Schnell prangerte den Postenschacher mit einer Liste an, die während eines EDV-Ausfalles von einem Computer der SPÖ abgefragt worden war, Anm.), die zur Abwahl des Pinzgauers als Landesrat und zur Einführung des Mehrheitssystems bei der Regierungsbildung führte.

Schnell zum Einzelkämpfer mutiert
Schnells Sturz zog die gesamte Landespartei in eine schwere Krise. Die nach der Abwahl notwendigen Personalrochaden führten zum totalen Zerwürfnis des Parteichefs mit seinem ehemals besten Freund, dem Dritten Landtagspräsidenten Wolfgang Haider. Doch das war erst der Anfang, denn im Lauf der Jahre kam es nach und nach zum Bruch mit all seinen engsten Wegbegleitern - mit den Landesräten Robert Thaller und Margot Hofer ebenso wie mit dem Abgeordneten Peter Lechenauer oder zuletzt LAbg. Helmut Naderer. Auch die Chefin der stärksten Bezirksgruppe (Stadt Salzburg), Doris Tazl, hat ihm den Rücken zugewandt. Und so steht Schnell heute recht einsam da.

Aufregung nach "Lump"-Sager
Nach dem Rauswurf aus der Regierung änderte Karl Schnell seinen Stil: Der Ton wurde gemäßigter, die Gesprächsbasis zu den anderen Parteien verbessert, die Arbeit sachlicher. Nur einmal machte ein "Sager" noch große Schlagzeilen und endete mit einer rechtskräftigen Verurteilung zu 100.000 Schilling (7.267 Euro) Geldstrafe: "Lump" wäre für Bundespräsident Thomas Klestil "eigentlich noch ein harmloser Ausdruck, weil das habe ich auch meinen Hund genannt".

Treuer "Haiderianer"
Als ob es nie eine Krise gegeben hätte, stieg die FPÖ bei der Landtagswahl 1999 wie der Phönix aus der Asche hervor, und bei der Nationalratswahl 1999 wurde die FPÖ stärkste Kraft im Lande. Viel beschäftigt war Schnell zuletzt mit den Turbulenzen der Bundespartei, bei denen er sich verbal sehr zurücknahm und neutral verhielt, um nicht im Sog mitgerissen zu werden. Deutlich länger als viele andere hatte sich Schnell als zutiefst treuer "Haiderianer" seinem früheren Mentor dankbar erwiesen.

Karl Schnell wurde am 7. April 1954 in Flachau (Pongau) geboren und wuchs in Bruck an der Glocknerstraße auf. Schnell ist verheiratet und hat drei Kinder, von denen eines den Vornamen Jörg trägt. Nicht ganz zufällig.

(apa/red)