Weltreise von

Höchststrafe Wilders

Christoph Lehermayr © Bild: News/Ian Ehm

Irgendwann begann er, sich sein Haar zu färben. Von schwarz zu blond gebleicht, blieb es nur eine kleine Provokation von einem Politiker, wie es sonst keinen seiner Art in Europa gibt. Geert Wilders ist das, was landläufig Rechtspopulist genannt wird. Die Ablehnung von EU und Islam verbindet den Holländer mit Strache, Le Pen und Konsorten. Und doch ist er radikaler und liberaler zugleich als seine Gesinnungsfreunde. Im Unterschied zu ihnen ist Geert Wilders ein Krieger.

Kommenden Mittwoch wählen die Niederlande ein neues Parlament. Das politische System dort ist breit gefächert. Keiner Partei wird zugetraut, auf mehr als 20 Prozent der Stimmen zu kommen. In Führung liegt der bürgerlich-liberale Premier Rutte, Wilders ist in Umfragen knapp dahinter. Seine Chancen, nächster Regierungschef zu werden, sind dennoch gering, da ihm der Partner fehlt. Doch das scheint Wilders egal. Sein Sieg bemisst sich nach anderen Maßstäben.

Er ist der Mann eines einzigen Anliegens, und das vertritt er brachial. Der Kampf gegen den Islam ist ihm zum politischen Daseinszweck geworden. Sieht er darin doch, Zitat: "eine als Religion verkleidete totalitäre Ideologie“. Im Westen ortet er "eine fortschreitende Islamisierung, die zur Frage unseres Überlebens wird. Gewinnt der Islam, ist das unser Ende.“ Dieser Logik folgend, fordert Wilders die Schließung aller Moscheen und die Abschiebung von unangepassten Andersgläubigen. Im Unterschied zu anderen Rechtspopulisten kokettiert er so nicht nur mit antiislamischen Ressentiments, sondern ist zutiefst von deren Richtigkeit überzeugt. Ein Glaubenskrieger.

Dies brüllt er aber nicht wie ein rechter Recke von der Bühne jedes Volksfests, sondern macht sich rar, gibt selten Interviews und spricht dann ruhig und überlegt. Es ist ihm anzusehen, dass er es ernst meint mit dem Abwehrkampf. Auch weil ihn Islamisten auf ihre Todesliste setzten und er selbst daher die Höchststrafe bezahlt. Seit Jahren lebt er an einem geheimen Ort. Schläft, so heißt es, keine Nacht im selben Bett, wird von der Polizei rund um die Uhr bewacht und sieht seine Frau nur sporadisch. Da er nicht zwischen moderaten und radikalen Muslimen trennt, hat er sich alle zum Feind gemacht und ist auch verurteilt worden. So bleibt er ein Getriebener, der sich als Frontkämpfer im Untergrund wähnt und von dort beobachtet, wie sein Gift weit über die One-Man-Show seiner Partei hinaus Wirkung entfaltet. Gleichzeitig verteidigt er inbrünstig Schwulenrechte und Israel, weshalb ihm etwa die FPÖ und Frankreichs Front National lange suspekt blieben. Mit Putin hingegen verbindet ihn nichts, außer die gemeinsame Wertschätzung für Trump. Am Ende aber ist Wilders allein. Allein im Glauben, die Welt retten zu müssen.

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