Höchste Warnstufe auf der Gefahrenskala: Situation in Fukushima nicht unter Kontrolle

INES-Stufe 7 für gesamte AKW-Anlage ausgerufen Japaner zeigen Solidarität mit Fukushima-Region

Höchste Warnstufe auf der Gefahrenskala: Situation in Fukushima nicht unter Kontrolle © Bild: Reuters

Auch gut vier Wochen nach der Atomkatastrophe in Fukushima ist die Lage nicht unter Kontrolle. Die Strahlengefahr wurde auf die höchste Stufe 7 angehoben. Bisher galt für die Meiler 1 bis 3 in Fukushima eins die sogenannte INES-Stufe 5. Und für Block 4 die Stufe 3. Die Einordnung gelte nun für den AKW-Standort und nicht mehr für einzelne Blöcke, hieß es.

Probleme bereitete den Technikern ein Feuer in einer elektrischen Schaltanlage in der Nähe des südlichen Kühlwasserauslaufs für die Blöcke 1 bis 4. Der Brand wurde gelöscht.

Die deutsche Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) in Köln bewertete die Situation der sechs Reaktorblöcke in der Atomruine Fukushima wie folgt:

Block 1 und 2
In Block 1 ist die Lage seit Tagen unverändert. Reaktorkern und Brennstäbe sind beschädigt und die Kühlsysteme ausgefallen. Der Sicherheitsbehälter in dem stark beschädigten Gebäude ist weiterhin intakt. Kühlwasser wird mit Hilfe einer elektrischen Pumpe eingespeist. Auch in das Abklingbecken für verbrauchte Brennstäbe wurde Frischwasser eingespeist. Um Wasserstoff-Explosionen wie kurz nach der Havarie zu verhindern, versuchen Arbeiter das Luftgemisch im Gebäude durch Stickstoff zu verdünnen.

Bei Block 2 vermuten die Experten ein Leck im Sicherheitsbehälter (Containment). Reaktorkern und Brennstäbe sind beschädigt, auch das Reaktorgebäude hat leichte Schäden. Das stark verstrahlte Wasser im benachbarten Turbinengebäude hatte vermutlich direkten Kontakt zu geschmolzenem Kernbrennstoff. Tagelang sickerte die stark verstrahlte Brühe unkontrolliert ins Meer, dann wurde ein Leck abgedicktet. Am Dienstag wurde im Meerwasser eine Barriere von rund 120 Meter Länge errichtet, um bei einer Leckage radioaktive Stoffe zu stoppen.

Kritische Lage in Block 3
Auch in Block 3 ist die Situation unverändert kritisch. Er gilt auch als gefährlich, weil er Brennstäbe mit hochgiftigem Plutonium-Uran-Mischoxid (MOX) benutzt. Auch in Block 3 sind Reaktorkern und Brennstäbe beschädigt sowie die Kühlsysteme ausgefallen. Das Reaktorgebäude wurde durch eine Wasserstoffexplosion zerstört. Unklar ist noch immer, ob der Sicherheitsbehälter intakt ist.

Im Kern von Block 4 waren zum Zeitpunkt des Erdbebens keine Brennstäbe. Kritisch ist jedoch weiterhin die Lage im Abklingbecken, das nur noch sehr wenig Kühlwasser enthielt. Dieses niedrige Wasserniveau besteht fort, es wird weiter Meerwasser eingespritzt. Die heißen Brennelemente müssen gekühlt werden.

"Kalt und unterkritisch"
Block 5 und Block 6 sind heruntergefahren worden und haben den Status "kalt und unterkritisch" erreicht. Sie gelten damit als gesichert. Die Stromversorgung steht, auch in den Abklingbecken wird ausreichend gekühlt. In den Dächern wurden Lüftungslöcher geschaffen, um Wasserstoff-Explosionen zu vermeiden.

Solidarität für Fukushima-Region
Als Zeichen der Solidarität mit den durch den Atomunfall von Fukushima betroffenen Bauern ist in Tokio Obst und Gemüse aus der Region auf einem eigens dafür eingerichteten Markt verkauft worden. Die Waren fanden reißenden Absatz. "Die Produkte vom Bauernhof wurden innerhalb einer Stunde gekauft", freute sich der Vertreter der Stadt Iwaki, Hiroyuki Watanabe, die die Aktion organisiert hatte.

Alle angebotenen Obst- und Gemüsesorten seien getestet worden, um sicherzugehen, dass sie nicht radioaktiv belastet seien. Die Regierung hatte kürzlich ein Verkaufsverbot für bestimmte grüne Gemüsesorten aus vier Präfekturen um das Atomkraftwerk Fukushima wieder aufgehoben.

(apa/red)