Hochwasser von

Eine vermeidbare Katastrophe?

Experten erklären, warum die Gefahr für viele Städte und Orte verringert werden kann

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    Eine Frau bei Aufräumungsarbeiten in Hüttau

  • Hochwasser: Aufräumarbeiten nach der Flut.
    Bild 2 von 39 © Bild: APA/Gindl

    Im Salzburger Ort Hüttau hat die Flut eine Spur der Zerstörung hinterlassen.

2002 überschwemmt die Jahrhundertflut Österreich, 2013 versinken ganze Städte und Ortschaften erneut im Hochwasser. Trotz verbesserter Schutzmaßnahmen trifft die Katastrophe Österreich ähnlich schwer wie vor elf Jahren. Reichen unsere Schutzmaßnahmen nicht aus? "Wo Schutzmaßnahmen vorhanden waren, haben sie gewirkt", sagt ein Wasserwirtschaftsexperte des Lebensministeriums. Er sieht jedoch Potenzial für Verbesserungen: "Man hätte einiges vermeiden können".

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"Die meisten fertigen Dämme und Rückhaltebecken haben gehalten", teilt das Ministerium mit. Die oberösterreichischen Orte Ebensee, Mattighofen, Uttendorf und Vöcklabruck seien nicht von den Wassermassen überflutet worden. In Golling, Kuchl, Salzburg Stadt und Hallein hätten die Schutzmaßnahmen ebenfalls das Schlimmste verhindert.

Flächendeckendes Frühwarnsystem

Auch für ein flächendeckendes Hochwasser-Frühwarnsystem ist in Österreich gesorgt. Für alle größeren Gewässer in Österreich wird vom Hydrographischen Dienst (sammelt Daten über Wasserkreislauf; Anm. der Red.) ein Prognose-Modell erstellt, das die Zu- und Abflussmenge erfasst. Die Vorhersage hänge immer von den meteorologischen Daten ab, erklärt der Experte des Ministeriums. "Dass wir in eine kritische Situation kommen, war bereits am Mittwoch voriger Woche bekannt", sagt er. Der hydrographische Landesdienst habe daraufhin die jeweiligen Landeswarnzentralen informiert und diese hätten wiederum die betroffenen Gemeinden in Kenntnis gesetzt.

Fehlende Umsetzung

Der Schutz an sich ist also nicht das Problem, vielmehr hinkt die Umsetzung der europäischen Hochwasserrichtlinie teilweise stark hinterher. In Schärding (Oberösterreich) und Kössen (Tirol) hat die Flut besonders schwer gewütet. Dort befinden sich die schützenden Dämme teilweise noch in Bau, wie das Lebensministerium mitteilt. Allein in Schärding habe es 20 Jahre lang gedauert, bis festgelegt wurde, welche Schutzmaßnahmen gesetzt werden, so der Experte. Fest steht: Es gibt zu wenig Überflutungsflächen und noch immer wird in Hochwasserzonen gebaut. "Die Gewässer brauchen mehr Raum", sagt er.

Steigende Hochwassergefahr

Dieser Meinung schließt sich auch WWF-Flussexperte Christoph Walder an. "Die Flüsse brauchen mehr Überflutungsbereiche. Es darf dort nicht mehr neu gebaut werden", teilt Walder mit. Dadurch könnten die Fließgewässer wieder ihre natürliche Hochwasserschutzfunktion erfüllen und die Auswirkungen eindämmen. Längerfristig zeige sich außerdem, dass Hochwasser-Katastrophen immer häufiger werden. Laut einer Studie der Universität für Bodenkultur im Auftrag des WWF (2006) sei festgestellt worden, dass durch den Klimawandel mit derartigen Ereignissen künftig öfter zu rechnen sei. Umso wichtiger ist die Sicherheit.

Ökologische Maßnahmen haben einen positiven Effekt und sollten dort eingesetzt werden, wo es möglich ist, sagt Experte Johannes Hübl vom Institut für Alpine Naturgefahren an der Universität für Bodenkultur (Boku) in Wien. Allerdings könnten sie die Hochwasserspitze nur dämpfen. In dicht bebauten Gebieten brauche man auf jeden Fall technische Schutzmaßnahmen. "Seit dem Jahrhundertwasser 2002 haben sich die technischen Maßnahmen verbessert", sagt Hübl. Es seien zudem erstmals Hochwasser-Gefahrenzonen bestimmt und abgegrenzt worden. Das habe es vorher nicht gegeben.

Wer trägt die Verantwortung?

Dennoch gibt es auch dieses Mal wieder zahlreiche Hochwasser-Opfer: Etliche Häuser wurden zerstört oder beschädigt, zwei Menschen sind in den Fluten umgekommen. Die Vorbereitungszeit auf die Flut sei in diesem Fall nicht das Problem gewesen, sagt Hübl. "Wenn bestimmte Einrichtungen nicht vorhanden sind, hilft eine lange Vorwarnzeit nicht", teilt er mit. Doch wer ist für die Umsetzung der Maßnahmen verantwortlich? Für die Sicherheit seien letztendlich die Gemeinden und ihre Bürgermeister verantwortlich, erklärt der Experte des Ministeriums. Die Koordination liege hingegen beim Lebensministerium. "Die Gemeinde muss beim Bund um Förderungen ansuchen. Der Bund entscheidet danach über die zu setzenden Maßnahmen", teilt der Wasserwirtschaftsexperte des Ministeriums mit. Dabei würden auch die Kosten eine zentrale Rolle spielen. Denn die Gemeinde müssen solche Maßnahmen mitfinanzieren.

Politische Lösung gefordert

Der Experte sieht zwei grundlegende Probleme, an denen eine ideale Umsetzung scheitert: Erstens fehle das Bewusstsein in der Bevölkerung, Überflutungsflächen zu schaffen. Nach wie vor wird in Hochwasserzonen gebaut - teils aus wirtschaftlichen Gründen, "aber auch weil die Anrainer ihre Flächen nicht gerne aufgeben wollen". Hinzu kommt, dass die Raumordnung in Österreich in jedem Bundesland eigens gesetzlich geregelt ist. Die Empfehlungen, in welchen Zonen nicht gebaut werden darf, variieren daher stark. In Salzburg und Niederösterreich funktioniere das Bauverbot unter anderem bereits gut, in anderen Ländern weniger, berichtet der Experte des Lebensministeriums. In diesem Fall sei daher die Politik gefordert. Sie solle eine einheitliche Regelung schaffen.

"Man wird kein Hochwasser verhindern können", sagt er. Es müsse aber ins Bewusstsein der Menschen dringen, dass die Gewässer ihren Raum brauchen. "Wenn dann noch die bestehenden Hochwasserrichtlinien umgesetzt werden, kann man auch das Ausmaß der Katastrophe mindern", erklärt der Experte.

NEWS.AT sucht Betroffene: Fotos, Videos und Erlebnisse können hier upgeloadet werden! Oder per E-Mail abgeschickt werden:

Spenden für Hochwasser-Opfer

Aufgrund der für viele Menschen dramatischen Situation als Folge der heftigen Niederschläge in Österreich haben mehrere Organisationen Spendenkonten eingerichtet:

• Volkshilfe: PSK-Konto: 1 740 400, BLZ 60000, Kennwort: "Hochwasserhilfe". Auch online Spenden sind möglich: www.volkshilfe.at

• Caritas: Spendenkonten der Erste Bank, Kontonummer 01234560, Bankleitzahl 20111 sowie das Spendenkonto der PSK, Kontonummer 7.700.004, Bankleitzahl 60.000. Das Kennwort ist "Katastrophenfonds Österreich". www.caritas.at

• HILFE IM EIGENEN LAND: Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG; Ktnr: 12.200.002, BLZ 32000, Verwendungszweck: Hochwasser; www.hilfeimeigenenland.at

Kommentare

Übrigens News: es heißt GOLLING und nicht Gollin.

Hugo-Boatwisch melden

In keinem Filmbericht und auf keinem Foto sieht man jemand vom Bundesheer bei der Hilfe! Wo sind die Leute, die auf unsere Kosten nichts tun? Pardon, stimmt - am Wochenende hatten ja alle frei!
Gut dass es die freiwilligen und bezahlten Feuerwehren gibt. Ohne sie würde es traurig aussehen.
Merkt ihr bald Leute, dass ihr bei der Volksbefragung das Kreuz an der falschen Stelle gemacht habt?

christian95 melden

Das Bundesheer kommt wenn es angefordert wird (Landeshauptmann, BH oder Bürgermeister); oder dort hin beordert wird. Vom Oberbefehlshaber (das ist der Bundespräsident) oder vom Minister.

Gestern aber kam erst der Befehl zum Hochwassereinsatz - meiner Meinung viel zu spät.

Totentrompete melden

Auch ich habe festgestellt, dass auf keinem Foto ein Bundesheersoldat beim Hochwassereinsatz zu sehen ist. Das liegt aber bestimmt nicht am Grundwehrdienst sondern bei der Führung des Bundesheeres. Diese Herren waren wahrscheinlich im verlängerten Wochenende. Wenn dies der Fall sein soll, dann besteht dringender Handlungsbedarf der höchsten Befehlshaber (Untersuchung und Disziplinarverfahren)

christian95 melden

Der Oberbefehlshaber des Heeres ist der Bundespräsident,
aber auch der Herr Minister hat nicht gehandelt; obwohl die Wetterdienste schon tagelang vorher warnten.
Wahltag ist Zahltag! (Das ist ein politisches Disziplinarverfahren)

brauser49

Es ist schon gewaltig was bisher z.B. entlang der Donau erreicht wurde, trotzdem gehts noch besser und auf keinen Fall Bebaung von ueberflutungs- oder lawinengefährdeten Zonen !

eintiroler melden

Eins muß ich hier als Betroffener schon mal loswerden:
Erstmal danke für all die freiwilligen Helfer, Feuerwehren und einfach nur Nachbarn. Bei uns wurde alles super neu verbaut, da wurden Millionen Euros reingesteckt, aber die Natur sucht sich immer einen Weg. Ihr die jetzt hier herumjammert, das zu wenig getan wird, seit wahrseinlich eh nicht mal betriffen und sicher genau die, die dann rumjammern wenn alles zubetoniert wird.

Das Problem liegt meines erachtens darin, dass schon zuviel verbaut wird und das Wasser keinen natürlichen Lauf mehr hat, und das rächt sich nun mal. Da es immer Hochwasser gegeben hat und auch immer geben wird, werden wir in gewissen Masse damit leben müßen-oder wegziehen.

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eintiroler:
Das ist schlimm, wenn Sie selbst von der Katastrophe betroffen sind. Jedoch frage ich mich, warum Sie ständig so feindselig gegenüber anderen Postern sind, die die Meinung haben, dass einfach zu wenig Vorsorge geleistet wurde? Meiner Ansicht nach ist das auch der Fall! Natürlich haben Sie damit recht, wenn die Wildbachverbauung/Hochwasserschutz Flüsse und Bäche verlegt, dass diese Gewässer bei Hochwasser wieder ihren natürlichen Lauf nehmen. Aber auch Seen, wie der Chiemsee, sind einfach übergeschwappt und haben die A8 lahmgelegt. Die Vorsorge besteht darin, die gefährdeten Gebiete so gut als möglich zu schützen und Bauten in der Nähe von Gewässern künftig zu untersagen.

Hugo-Boatwisch melden

Man fragt sich, warum von der Regierung Schüssel I (bis Februar 2003) und Schüssel II (2003-2007) nicht die Konsequenzen nach dem Hochwasser 2002 gezogen wurden und nicht sofort in den Hochwasserschutz investiert wurde. Dachte man vielleicht, ein hundertjährliches Hochwasser kommt erst wieder nach hundert Jahren? Da wurde jedenfalls sehr viel Zeit mit Nichtstun vertan!

christian95 melden

Nach Schüssel kamen Gusenbauer und Faymann....

Wir verdienen nichts anderes! Wir haben uns solche Dilettanten selbst gewählt. (Statt der betroffenen Bevölkerung ALLE staatliche Hilfe zu ermöglichen und anzubieten schwafelt gestern der "Witzekanzler" von budgetären Kosten)

HFP4651 melden

Ministeriumsprecherin ist ahnungslos- die OÖ Orte Ebensee, Uttendorf, Ettenau usw. wären nicht von den Wassermassen geflutet worden ? Die Ignoranz ist nicht zu überbieten und ein Schlag in das Gesicht der Betroffenen.
Totale Fehleinschätzung durch Landesexperten - Aussage max. 5 jähriges Hochwasser ??? Welche persönliche Konsequenzen haben diese falschen Expertenmeinungen ?

christian95 melden

Wahltag ist Zahltag!
Wer sind diese sogenannten Experten? Meist hochbezahlte Parteigünstlinge. So wie in Nordkorea & Co ist man in Österreich auch nur mit dem richtigen Parteibuch ausreichend qualifiziert - der Rest ist nebensächlich.

simm1111
simm1111 melden

@christian95: Das der Wahltag Zahltag ist höre ich schon sicher 30 Jahre lang, hat sich bis heute was geändert?
In Hochwasserschutz sollte investiert werden, nicht Millionen in die EU gebuttert werden, bzw. nach Griechenland etc.!!

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