Hochwasser in Osteuropa: Lage in
Rumänien bleibt weiter sehr kritisch

Notstand in Bulgarien: Donau-Deiche neu befestigt KLICKEN: Gleich nachschauen - So wird das Wetter!

Angst vor brechenden Deichen, Flucht vor den Fluten: Die Hochwasserlage in Südosteuropa bleibt dramatisch. Nach wie vor werden Gebiete evakuiert, fliehen Menschen zum Teil mit primitiven Pferdekarren, auf die sie ihre Habseligkeiten gepackt haben, vor dem Wasser. Viele hausen in provisorischen Zelten, die sie aus Plastikplanen selbst notdürftig zusammengebaut haben.

Am kritischsten ist die Situation weiterhin in Rumänien. In den Gebieten entlang der Donau im Süden und Südosten des Landes mussten am Freitag stark beschädigte Uferdeiche unter anderem bei Gostinu-Giurgiu, Bechet, Ostrov, Braila und Galati verstärkt werden, um ihr Bersten zu verhindern.

Die Wasserstände stiegen am Freitag weiter. Obwohl die Behörden für die evakuierten Gebiete keine Entwarnung gaben, kehrten viele Bewohner auf eigene Gefahr in ihre Häuser zurück. Der rumänische Innenminister Vasile Blaga warnte eindringlich, die Deiche könnten noch immer jeden Augenblick nachgeben. Die offizielle Zahl der Hochwasser-Flüchtlinge in Rumänien liegt bei rund 6.000.

Zwischen den Donauarmen bei Sulina und Sf. Gheorghe arbeiteten Spezialisten daran, einen künstlichen Durchbruch im Küstenstreifen zu schaffen. Dadurch könnten die Wassermassen aus dem Donaudelta schneller ins Schwarze Meer abfließen und Überschwemmungen der südostrumänischen Ortschaften Crisan und Caraorman verhindert werden, sagte die rumänische Umweltministerin Sulfina Barbu nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Mediafax.

Im Westen Bulgariens haben aus Angst vor einer neuen Flutwelle der Donau mehr als 2.000 Menschen das Roma-Stadtviertel von Widin verlassen. Sie seien bei Verwandten oder Freunden in anderen Ortschaften der Region sowie im Gebiet von Montana weiter südlich untergekommen. In den bulgarischen Donaugemeinden blieb der Notstand weiter in Kraft. Mit der Hilfe von Soldaten festigten die Menschen rund um die Uhr die Deiche entlang der Donau, die vor allem im östlichen Abschnitt auch wegen starken Regens nachgegeben hatten.

Bei Widin war ein Zeltlager für 4.000 Menschen aufgebaut worden, sollte es zu einer Massenevakuierung kommen. Diese Befürchtung überschattete am Karfreitag das kommende Osterfest im vorwiegend christlich-orthodoxen Bulgarien, wo Ostern nach dem Julianischen Kalender eine Woche später als in Westeuropa gefeiert wird.

In der Lom konnten die Deiche dem Druck des Hochwassers nicht mehr standhalten. Das Wasser sickerte an mehreren Stellen durch und überflutete die Gleise am Bahnhof. Sieben von insgesamt acht Wasserquellen seien mit Donauwasser verschmutzt. Das Wasser sei deshalb zum Trinken ungeeignet, warnte die Behörde.

Der ungarische Katastrophenschutz ordnete die sofortige Evakuierung eines Ortsteils der ostungarischen Kleinstadt Csongrad an. Dort war ein Leck im Deich am Hochwasser führenden Fluss Körös aufgetreten. 500 Menschen sollten ihre Häuser verlassen. Außerdem mussten 12.000 Nutztiere in Sicherheit gebracht werden. Bei Csongrad fließt der aus Rumänien kommende Körös in die Hochwasser führende Theiß. Allerdings gab es Anzeichen für eine Entspannung: Am Oberlauf der Theiß ging der Wasserstand zurück, am Unterlauf wurde am Wochenende der Scheitel mit 10,15 Metern erwartet. Das sei zwar doppelt so hoch wie der Normalstand, aber die Sandsackdeiche seien höher.

(apa/red)