Hochwasser von

Noch keine Entwarnung

Osten Niederösterreichs zittert noch - Donau-Kreuzfahrtschiff gestrandet

Einsatzkräfte pausieren in Emmersdorf bei Melk © Bild: APA/Fohringer

Im Osten Niederösterreichs gibt es noch keine Entwarnung: Der Pegel der Donau östlich von Wien ist am Donnerstag weiter gestiegen. Die Hydrologen des Landes erwarteten in Wildungsmauer (Bezirk Bruck a.d. Leitha) am Nachmittag den "lang gezogenen Scheitel". In Korneuburg erreichte der Strom am Mittwochabend seinen Höchststand. Unterdessen hat sich die Lage in Wien und im restlichen Österreich entspannt.

THEMEN:

In Wildungsmauer wurden in der Früh 8,76 Meter gemessen. Die Prognose lautete auf 8,95. Das wären elf Zentimeter mehr als beim August-Hochwasser 2002. Einen Rekord-Wert hatte die Donau am Mittwoch gegen 20.45 Uhr in Korneuburg erreicht. Der Pegel stieg letztlich auf 8,10 Meter. Vor knapp elf Jahren waren es an der Station 7,89 Meter oder 21 Zentimeter weniger.

Dämme halten

Die kritischen Hochwasserschutzeinrichtungen in Niederösterreich waren nicht gebrochen. Der Damm am Kremsfluss in Theiß, wo nicht nur 600 Tonnen Schotter, sondern auch 1.000 Tonnen Sand aufgebracht wurden, hielten ebenso wie jener in Stopfenreuth (Bezirk Gänserndorf), der durch Sandsäcke erhöht wurde. Unverändert und stabil war die Lage auch in Hainburg an der Donau (Bezirk Bruck a.d. Leitha), wo das Augenmerk u.a. dem vom Hochwasser bedrohten Bahnhof galt. In Niederösterreich standen bisher 14.200 Kräfte von 1.093 Feuerwehren mit 3.214 Fahrzeugen im Hochwassereinsatz. Dazu zählten auch 32 Züge des Katastrophenhilfsdienstes.

In Krems hatte man unterdessen mit den Aufräumarbeiten begonnen. Die B3 im Stadtgebiet und die B35 (Ringstraße) sollten im Laufe des Tages wieder freigegeben werden, so das Rathaus. Dennoch wurde geraten, von zusätzlichen Fahrten nach Stein Abstand zu nehmen, damit alle notwendigen Abbauarbeiten reibungslos verlaufen können.

Aufatmen in Wien

Aufatmen konnte auch die Bundeshauptstadt. Laut Wiener Gewässerabteilung wurde der Pegel stetig niedriger. Die Häfen Lobau und Albern waren zwar weiter überschwemmt, aber auch hier ging das Wasser zurück. Der Höhepunkt in Wien wurde in der Nacht auf Donnerstag erreicht: Um Mitternacht lag der Donau-Pegel Korneuburg noch bei einem Rekordniveau von 8,09 Meter, was eine Durchflussmenge von rund 11.000 Kubikmeter pro Sekunde bedeutete.

Hochwasser-Video: Blick vom Millennium Tower am Handelskai

© Video: Privat

Auch in den beiden betroffenen Häfen sei das Wasser noch einmal um circa 20 Zentimeter gestiegen - auf rund 70 Zentimeter im Albern und circa 1,50 Meter in der Lobau, teilte eine Sprecherin des Wiener Hafens mit: "Jetzt ist das Wasser langsam rückläufig." Im Alberner Hafen sicherte die Feuerwehr am Vormittag einen Öltank, damit er nicht aufschwimmen und davontreiben kann. Gefahr war keine im Verzug. Die Sperre der A4-Unterführung Stadionbrücke konnte aufgehoben werden.

Donau-Kreuzfahrtschiff gestrandet

Sämtliche Passagiere des in Wien-Nussdorf gestrandeten Donau-Kreuzfahrtschiffes "Filia Rheni" sind am Donnerstagabend wohlbehalten von Bord gebracht worden. Für die "Evakuierung" wurde am Nachmittag von der Feuerwehr eine Pontonbrücke errichtet. Am Schiff befanden sich rund 160 Personen - 130 davon gehörten zu einer britischen Seniorenreisegruppe.

"Die Aktion ist sehr geordnet verlaufen, die Passagiere wurden einzeln und mit Schwimmwesten an Land gebracht, wo schon Busse warteten. Alles bestens", berichtete Gerald Schimpf, Sprecher der Wiener Berufsfeuerwehr im APA-Gespräch. Zur Sicherheit war auch ein Boot mit Tauchern angefordert worden.

Die "Filia Rheni" war am Sonntag auf der Hochwasser führenden Donau bei Nussdorf regelrecht gestrandet. Der Landungssteg ragte mitten in die Fluten, was dazu führte, dass niemand das Schiff verlassen konnte. Wann der Kreuzer wieder ablegen darf, stand vorerst nicht fest. Der gesamte österreichische Abschnitt der Donau ist weiterhin für die Schifffahrt gesperrt.

Leichenfunde in Vorarlberg

In Vorarlberg könnten möglicherweise zwei weitere Männer im Hochwasser des vergangenen Wochenendes ihr Leben verloren haben. Am Mittwoch wurden gleich zwei Leichen entdeckt, wie die Polizei berichtete. In einer Unterführung in Hörbranz (Bezirk Bregenz) wurde ein 55-jähriger Mann in 20 Zentimeter tiefem Wasser liegend aufgefunden, vor Gaißau barg die Feuerwehr eine tote Person aus dem Bodensee.

Der 55-Jährige wurde im Zuge einer Streckenbegehung der ÖBB-Gleisanlagen gefunden. Die Unterführung, in der der Mann lag, war in den vergangenen Tagen überschwemmt. Ob er Opfer des Hochwassers wurde, ließ sich am Mittwoch aber noch nicht sagen. Der 55-Jährige könnte auch eines natürlichen Todes gestorben sein, hieß es bei der Polizei. Eine gerichtsmedizinische Obduktion sollte Aufschluss geben. Fremdverschulden wurde allerdings ausgeschlossen.

Im Bodensee vor Gaißau stieß ein Holzfischer etwa 30 Meter vom Ufer entfernt auf eine Leiche, die im Wasser trieb. Die Identität des Mannes stand vorerst nicht fest, auch in diesem Fall wurde eine gerichtsmedizinische Obduktion angeordnet.

Spenden für Hochwasser-Opfer

Aufgrund der für viele Menschen dramatischen Situation als Folge der heftigen Niederschläge in Österreich haben mehrere Organisationen Spendenkonten eingerichtet:

• Volkshilfe: PSK-Konto: 1 740 400, BLZ 60000, Kennwort: "Hochwasserhilfe". Auch online Spenden sind möglich: www.volkshilfe.at

• Diakonie. Gespendet werden kann online unter www.diakonie-katastrophenhilfe.at/spenden oder via Überweisung mit dem Kennwort "Hochwasser", PSK, Kontonummer 23 13 300, Bankleitzahl 60 000.

• Caritas: Spendenkonten der Erste Bank, Kontonummer 01234560, Bankleitzahl 20111 sowie das Spendenkonto der PSK, Kontonummer 7.700.004, Bankleitzahl 60.000. Das Kennwort ist "Katastrophenfonds Österreich". www.caritas.at

• HILFE IM EIGENEN LAND: Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien AG; Ktnr: 12.200.002, BLZ 32000, Verwendungszweck: Hochwasser; www.hilfeimeigenenland.at

Kommentare