Hitzige Debatte um Mochovce und Co.:
Wie groß ist die nukleare Gefahr wirklich?

NEWS: Österreich wird von 16 AKWs umzingelt Sima: Mochovce ist eine Industrieruine voller Löcher

 Hitzige Debatte um Mochovce und Co.:
Wie groß ist die nukleare Gefahr wirklich? © Bild: APA/Badzic

Vergangene Woche vor der Technischen Universität Wien: Mit Plakaten, Sprechchören und Musikinstrumenten macht eine Gruppe Atomkraftgegner lautstark auf ihr Anliegen aufmerksam. Unter ihnen ist Maria Urban aus Perchtoldsdorf. Die Pensionistin ist Mitbegründerin der Wiener Plattform „ATOMKRAFTFREIE ZUKUNFT“, einer privaten Bürgerinitiative. „Ich kämpfe für die Stilllegung der grenznahen und besonders gefährlichen Atomkraftwerke“, so die ehemalige Volksschullehrerin.

Anlass für die Protestaktion: ein Hearing zum Ausbau des umstrittenen Atomkraftwerks Mochovce, bei dem die Betreiber Interessierten Rede und Antwort standen. „Gastgeberin“ Umweltstadträtin Ulli Sima hat selbst Anfang des Jahres das Atomkraftwerk besucht: „Ich habe mir im Jänner die Blöcke drei und vier angesehen und war schockiert. Das ist eine Industrieruine voller Löcher in den Wänden“, zeigt sie sich besorgt.

Umstrittenes Mochovce
Mit dem Bau des AKWs wurde bereits in den 80er-Jahren begonnen. Nach Unterbrechungen aufgrund von Geldmangel wurden zwei der insgesamt vier Blöcke Ende der 90er fertiggestellt. Nun sollen auch die Blöcke drei und vier fertig gebaut und in Betrieb genommen werden – womit in ganz Österreich wieder einmal die Diskussionen rund um die Gefahren und Vorteile von Atomenergie aufgeflammt sind.

Öffentliches Hearing
Die Anhörung an der Universität ist Teil der grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), die noch bis zum 6. Oktober läuft. Diese ist EU-Vorschrift und Bestandteil des Baus jeder technischen Anlage. Im Rahmen dieser Prüfung sollen die Auswirkungen auf die Umwelt untersucht werden, um so zu garantieren, dass vorgegebene Grenzen nicht überschritten werden. Nachbarstaaten haben außerdem die Möglichkeit, angehört zu werden, wenn Vorhaben erhebliche Auswirkungen auch auf ihr Land haben können. Kritiker von Mochovce, wie die Anti-Atom-Expertin Patricia Lorenz, sehen extreme Sicherheitsmängel im Bau: „Das AKW besitzt kein Containment – ein Stahlbehälter, der vor Austritt von Radioaktivität im Inneren und Gefahren von außen schützen soll.

Durch das Zusammenspiel von menschlichem und technischem Versagen könnte ein GAU mit verheerenden Folgen eintreten.“ Auch Maria Urban teilt diese Sorge: „Mochovce ist sehr nahe bei Wien. Wenn da was passiert, sitzen wir in der Falle. Das Hearing hat mich nicht beruhigt – im Gegenteil. Die Verantwortlichen haben nur mit Ausflüchten auf die Fragen reagiert.“

Angst und Wirklichkeit
Ist Atomkraft nun wirklich so gefährlich? Laut Radko Pavlovec, Anti-Atomkraft-Beauftragter des Landes Oberösterreich, ja. „Die Gefahr wird sogar noch unterschätzt. Durch die heutige Klimaproblematik wird das Risiko von Atomkraftwerken zu wenig beachtet. Viele glauben, Kohlekraftwerke wären genauso schlecht.

Doch das stimmt nicht. Atomkraft ist das Gefährlichste, was am Energiesektor produziert wird“, ist er überzeugt. „Dass Atomkraft mehr Risiken in sich birgt als Windoder Solarenergie, ist klar, da muss man nicht diskutieren. Nur ist es so, dass jede Art von Großtechnologie mit bestimmten Risiken verbunden ist. Strahlung ist etwas, das man nicht sehen, riechen, hören oder schmecken kann – das macht Angst“, relativiert Andreas Musilek, Leiter des Strahlenschutzes am Atominstitut der TU Wien, der der Diskussion über Atomkraftwerke neutral gegenübersteht. Die Gegner sind für die völlige Abschaffung von Kernkraftwerken, da ihrer Meinung nach die Risiken die Vorteile überwiegen.

Geht's auch ohne Atomstrom?
Aber kommen wir heute ganz ohne Atomstrom aus? Laut neutralen Experten im Moment nicht. Denn es gebe nicht genügend andere Ressourcen, um damit den gesamten Energiebedarf abzudecken. In den westlichen Industrieländern sind rund 17 Prozent der verwendeten Energie Kernenergie, in Frankreich sind es sogar 80 Prozent. Bei Alternativen, wie Kohle oder Erdöl, sind die Vorräte auch begrenzt.

Daniela Schmied

Alles über Vor- und Nachteile von Atomstrom und was Umweltstadträtin Ulli Sima über die Gefahr Mochovce sagt, lesen Sie im NEWS 40/09!

Kommentare

Bis 2030 6 * Zwentendorf mit Sonne und Wind Mit einer Solarpflicht für Neubauten, kostenneutral für den Bauherren und einem ordentlichen Ausbau der Windkraft kann Österreich bis 2030 aus Sonne und Wind das 6 fache des geplanten Jahresertrage von Zwentendorf gewinnen.
http://politik.pege.org/2009-a/zwentendorf.htm

Hauptsache wir sind für Klimaschutz;) Wir achten auf Abgase und sind bei jeder CO2 Belastung
sofort "panisch", aber mit den Belastungen von außerhalb
rechnet keiner!?

Nach einer aktuellen Studie des Öko-Instituts ist die
Atomenergie keineswegs CO2-frei sondern stößt
abhängig vom Herkunftsland des Urans etwa 31 bis 61
Gramm CO2 pro erzeugter Kilowattstunde Strom aus.

Hauptsache wir haben schon fast auf jeder Autobahn
statt 130km/h nur mehr 100km/h wegen angeblicher
Emission? Und was hilft uns das, wenn bei uns Autos
aus dem Ausland durchfahren die Werte haben, dass
sogar die 100km/h sinnlos sind?

Wie gesagt, Klimaschutz ist schon eine "reine" Sache,
aber es gibt keinen "Atmosphärenmantel" der uns von
den Belastungen durch Wind und Luft aus dem Ausland
"beschützt".

Da wirst in Österreich für dumm verkauft!

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