Historische Auseinandersetzung vor Wahl:
Liberaldemokrat Clegg gewinnt TV-Debatte

Großbritannien: Deutlich vor Cameron und Brown Labour muss Umfrage-Rückstand auf Tories aufholen

Historische Auseinandersetzung vor Wahl:
Liberaldemokrat Clegg gewinnt TV-Debatte © Bild: Reuters

Die Spitzenkandidaten für das Amt des britischen Premierministers haben sich erstmals in der Geschichte des Landes einer Fernseh-Debatte gestellt. Regierungschef Gordon Brown von der Labour-Partei, der Vorsitzende der oppositionellen Konservativen, David Cameron, und der Parteichef der Liberaldemokraten, Nick Clegg, diskutierten zum Auftakt der insgesamt drei Sendungen über die Innenpolitik. Clegg war Blitzumfragen zufolge der klare Sieger der TV-Debatte.

Vor allem Brown und Cameron gerieten dabei immer wieder verbal aneinander. Während der Regierungschef "Wohlstand für alle" versprach, sprach Cameron von "Wandel", Clegg von "ausgleichender Gerechtigkeit". Brown musste sich Vorwürfe der beiden Oppositionspolitiker zur 13-jährigen Regierungszeit von Labour anhören, versuchte aber mit Fachkenntnis zu punkten. So rechnete er unter anderem Cameron vor, dass dessen Pläne für Bildungsfinanzierung nicht aufgehen.

Brown gilt als eher steif und hatte selber zugegeben, bei öffentlichen Auftritten oft schüchtern zu sein. Diesmal allerdings wirkte er ruhig und locker. Er war mit 59 Jahren der Älteste auf dem Podium. Die beiden 43 Jahre alten Konkurrenten Cameron und Clegg gelten als deutlich besser vor der Kamera. Vor allem Cameron war bemüht, auch einige Witze in seine Rede miteinzuflechten.

Lebhafte Diskussion
Nach einem angespannten Start entwickelte sich schnell eine lebhafte Diskussion. Die Fragen aus dem Publikum, denen sich die Drei stellen mussten, drehten sich von Bildung über Gesundheit bis zur Verschuldung des Landes um alle wichtigen innenpolitischen Themen des Wahlkampfes. Die Fragesteller waren repräsentativ ausgewählt worden: Ein Schüler löcherte die Kandidaten zur Zukunft der Schulen, eine Krankenschwester fragte nach dem Gesundheitssystem. Ein Soldat wollte wissen, wie es mit der Ausstattung der Armee und dem Einsatz in Afghanistan weitergeht.

Während Brown und Cameron versuchten, die Pläne des jeweils anderen als unrealistisch und ungeeignet darzustellen, setzte Clegg auf seine Rolle als Außenseiter. Die kleineren Liberaldemokraten könnten bei der Wahl zum "Königsmacher" werden, falls weder Labour noch die Tories eine absolute Mehrheit schaffen. Seine Partei sei eine echte Alternative, betonte er immer wieder: "Sie dachten vielleicht, alle Politiker sind gleich. Ich hoffe, ich habe Ihnen gezeigt, dass das nicht so ist."

Einer Blitzumfrage des Fernsehsenders ITV zufolge ging Clegg mit 55 Prozent Unterstützung als Gewinner aus der Debatte hervor. Brown und Cameron kamen demnach auf jeweils rund 30 Prozent. In einer Befragung der Agentur YouGov nannten 51 Prozent der Befragten Clegg als Sieger, der konservative Oppositionsführer David Cameron kam auf 29 Prozent, Amtsinhaber Gordon Brown nur auf 19 Prozent.

(apa/red)