Interview von

Histaminintoleranz?

Expertentipps: Wie Sie eine Unverträglichkeit erkennen & was Sie dagegen tun können

Frau liegt auf der Couch und hält sich mit beiden Händen den Bauch © Bild: Thinkstock

Es scheint, als würden immer mehr Menschen an einer Histaminunverträglichkeit leiden. Ist das tatsächlich so? Kann man dem Leiden auf irgendeine Weise vorbeugen? Und was tut man im Falle des Falles? Die Diätologin und Ernährungsexpertin Eva Hagl-Lechner beantwortete die brennendsten Fragen im Interview mit NEWS.AT.

"Histamin ist ein Abbauprodukt in Lebensmitteln. Es entsteht, wenn das Eiweiß zerfällt - und wird so von Tag zu Tag mehr", erklärt Hagl-Lechner. Besonders reich an Histamin sind daher Lebensmittel, die einen langen Reifungsprozess durchlaufen haben, wie etwa Rohwurstprodukte und Parmesan, ebenso wie fermentierte Produkte wie Sauerkraut. "Auch Wein und Fisch in Konserven haben einen hohen Histamingehalt. Im Gegensatz zu fangfrischem Fisch, der gleich verarbeitet und gegessen wird", betont die Expertin.

Unterschiedlicher Auslöser - gleiche Symptome

Doch nicht nur Lebensmittel, die reich an Histamin sind, können bei einer entsprechenden Unverträglichkeit zu besagten Symptomen führen. Schlagwort "Histaminliberatoren": Dabei handelt es sich um Lebensmittel, die selbst nur wenig Histamin enthalten, jedoch die körpereigene Histaminproduktion fördern. Zu ihnen zählen beispielsweise Erdbeeren, Zitrusfrüchte, Schokolade und Paradeiser.

Problem: Fehlendes Enzym

Im Normalfall alles kein Problem für den menschlichen Organismus. Schwierig wird es jedoch, wenn das Enzym Diaminoxidase, kurz DAO, fehlt. Dieses ist für den Abbau des zuvor zu sich genommenen Histamins zuständig. Fehlt es, reichert sich Histamin im Körper an, der dann über kurz oder lang mit folgenden Symptomen reagiert: "Es kann zu Kopfschmerzen kommen, zu Durchfall oder Hautausschlägen", erläutert Hagl-Lechner. Ebenso wie zu Juckreiz, roten Flecken im Gesicht bis hin zu Atembeschwerden und Schwindel.

Unverträglichkeit ist nicht gleich Allergie

"Die Symptome einer Unverträglichkeit ähneln jenen einer Allergie", erklärt Hagl-Lechner. "Daher ist es oft schwierig, zwischen ihnen zu unterscheiden." Woran man allerdings erkennen kann, dass es sich um eine Unverträglichkeit handelt, ist die Reaktionszeit: "Während die Symptome bei der Allergie sofort auftreten, dauert es bei der Unverträglichkeit meist länger", erklärt die Expertin. Zudem wird bei der Allergie das Immunsystem aktiviert und ein Abbau des Histamins findet - im Gegensatz zur Unverträglichkeit - statt.

Problem Fertigprodukte

Gibt es tatsächlich immer mehr Fälle von Histaminintoleranz? Und wenn ja, woran könnte das liegen? Zum einen, so die Expertin, werden die Testmethoden immer besser. So werden heute Unverträglichkeiten diagnostiziert, die früher vielleicht unentdeckt geblieben wären. Zum anderen setzen wir aus Zeitmangel häufiger auf Fertigprodukte. Das Problem: Fertigprodukte weisen eine derart große Menge an Einzelbestandteilen auf, dass sie vom Darm nicht mehr verwertet werden können. Der Grund: Der Dünndarm verfügt nicht über ausreichend Enzyme für deren Aufspaltung. Die Folge: Wir entwickeln eine Unverträglichkeit.

Histaminunverträglichkeit - und dann?

Was ist im Falle einer Unverträglichkeit zu tun? "Es empfiehlt sich, histaminhaltige Lebensmittel eine Zeitlang zu meiden. Erst nach und nach sollte man sie in kleinen Mengen wieder zu sich nehmen ", so die Expertin. Auch Enzympräparate helfen. "Man nimmt sie zehn bis 15 Minuten vor dem Essen ein. Die Präparate liefern dem Körper das fehlende Enzym zum Abbau des Histamins. "So kann man auch Produkte, die reich an Histamin sind, problemlos essen", erkäutert Hagl-Lechner.

Wie kann man vorbeugen?

Leider gibt es kein Allheilmittel für die Histaminunverträglichkeit. "Mit einem gesunden Lebensstil", so die Expertin, "könnte man der Entwicklung einer Unverträglichkeit aber vorbeugen." Das bedeutet sich gesund und ausgewogen mit frisch zubereiteter Mischkost zu ernähren, auf ein gutes Darmmilieu und vor allem einen gesunden Dünndarm zu achten, nicht zu rauchen, sich ausreichend an der frischen Luft zu bewegen und die Entspannung nicht zu kurz kommen zu lassen. "Auch Stress könnte die Entstehung von Unverträglichkeiten fördern", so Hagl-Lechner. "Letztlich kommt es nicht nur aufs Essen an - der ganze Lebensstil ist entscheidend."

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