Hisbollah akzeptiert Gefangenentausch:
Israel-Soldaten gegen libanesische Kämpfer

Deal unter Vermittlung der UN ausgehandelt worden Britische Regierung setzt Hisbollah-Arm auf Terrorliste

Hisbollah akzeptiert Gefangenentausch:
Israel-Soldaten gegen libanesische Kämpfer © Bild: Reuters/Hashisho

Die libanesische Hisbollah hat einem Gefangenenaustausch mit Israel zugestimmt. Das erklärte Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah in einer aus Damaskus übertragenen Videokonferenz. Es war die erste Bestätigung der Hisbollah zu der Vereinbarung, die vom israelischen Kabinett gebilligt worden war. Die Hisbollah wird demnach zwei verschleppte Soldaten an Israel übergeben, im Gegenzug sollen fünf inhaftierte Hisbollah-Kämpfer freigelassen werden.

Die Gefangennahme der beiden israelischen Soldaten in einem grenzüberschreitenden Angriff durch die Hisbollah hatte im Sommer 2006 den Krieg zwischen Israel und dem Libanon ausgelöst. Ministerpräsident Ehud Olmert hat erklärt, er gehe davon aus, dass die Soldaten inzwischen tot seien. Die Hisbollah hat dies bisher nicht bestätigt.

Die Hisbollah wollte Israel außerdem über den Verbleib des vermissten Soldaten Ron Arad aufklären. Arad, der in Israel als Volksheld verehrt wird, war ein Navigator der Luftwaffe. Sein Flugzeug wurde 1986 über dem Libanon abgeschossen.

UN als Vermittler
Der geplante Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah wurde unter Vermittlung der Vereinten Nationen ausgehandelt. "Die Vermittlung kam durch die Vereinten Nationen und nicht durch Deutschland zustande, aber der von den UNO beauftragte Vermittler ist ein Deutscher", sagte Nasrallah. Die Gespräche über den geplanten Gefangenenaustausch dauerten nach Nasrallahs Worten "mehr als ein Jahr".

Zur Vereinbarung gehöre aus Sicht der Hisbollah neben dem Austausch von Gefangenen auch die Übergabe von rund 200 Leichen von Hisbollah-Kämpfern. "Einige von ihnen sind schon während der israelischen Invasion im Libanon 1982 gefallen, nicht erst beim jüngsten Krieg 2006", sagte Nasrallah.

Hisbollah-Arm auf Terrorliste
Die britische Regierung setzte unterdessen den militärischen Flügel der libanesischen Hisbollah-Bewegung auf ihre Terrorliste. Nach der Entscheidung des Innenministeriums ist es in Großbritannien bei Strafe verboten, der Miliz der Schiitengruppe anzugehören, sie zu unterstützen oder sie mit Geld zu fördern. Zur Begründung hieß es, die Organisation unterstütze den Terrorismus im Irak und in den Palästinenser-Gebieten. Die politischen, sozialen und humanitären Aktivitäten der Hisbollah sind von dem Verbot nicht betroffen.

Das vom Innenministerium verhängte Verbot des militärischen Flügels der Hisbollah muss noch vom Parlament gebilligt werden. Die britische Regierung erklärte, sie halte an ihrer Forderung an die Organisation fest, den Status als militärische Gruppe aufzugeben und sich als Partei am politischen Leben im Libanon zu beteiligen.

Terrorliste eine Auszeichnung
Hisbollah-Führer Nasrallah erklärte, das Verbot überrasche ihn nicht. Seine Organisation betrachte die Entscheidung der britischen Regierung als Auszeichnung.

Israel hatte vor zwei Jahren im Libanon Krieg gegen die radikal-schiitische Hisbollah ("Partei Gottes") geführt, die mit dem Iran und Syrien verbündet ist. Die Gruppe war während der kürzlich beigelegten Staatskrise im Libanon treibende Kraft der Opposition gegen die pro-westliche Regierung. (apa/red)