Hintergrund-Infos: Die vier Selbstmord- Attentäter von London und ihre Motive

Kaum Anzeichen auf extremistische Einstellung

Bei den Selbstmordanschlägen von London rissen vier junge britische Moslems 52 Menschen mit in den Tod. Nachfolgend eine Zusammenfassung ihres Hintergrunds und ihrer Motive.

Drei der Attentäter - Mohammad Sidique Khan, Shehzad Tanweer und Hasib Hussain - wuchsen in Leeds auf. Khan, 30, arbeitete als Hilfslehrer an einer Grundschule für lernschwache Kinder. Er genoss hohes Ansehen und hatte den Ruf, gut mit jungen Menschen umgehen zu können.

Tanweer, 20, war ein guter Schüler und studierte an der Universität Leeds Sportwissenschaft. Er war ein begabter Sportler und spielte in der örtlichen Cricketmannschaft - zuletzt etwa zwölf Stunden vor dem Attentat.

Hussain, 18, hatte einen mittleren Schulabschluss mit relativ schlechten Noten.

Jermaine Lindsay, 19, stammte aus Jamaika und siedelte sich mit seiner Mutter in Huddersfield an. Er war ein talentierter Schüler und guter Sportler. Nach seinem Übertritt zum Islam im Jahr 2000 änderte sich sein Verhalten. Er wurde ein disziplinierter Schüler und verteilte Flugblätter, auf denen die islamistische Al-Kaida unterstützt wurde.

Anzeichen für Extremismus gab es bei den Männern aus Leeds kaum. 2001 stand Khan zwar im Ruf ein ernster Moslem zu sein, er wandte sich aber gegen die Flugzeugattentate vom 11. September 2001 in den USA. Auch Tanweer galt seit frühester Jugend als gläubig, soll aber gemäßigt und friedlich gewesen sein. Seine Bindung an den Islam wurden Mitte 2002 zwar enger, aber niemand nahm eine fundamentalistische Haltung bei ihm wahr.

Hussain war zwar bekannt als Al-Kaida-Anhänger, zog aber wenig Aufmerksamkeit auf sich. Nach einer Pilgerfahrt nach Saudi-Arabien 2002 hüllte er sich in traditionelle arabische Gewänder und vertiefte sich in religiöse Texte. Lindsay soll maßgeblich von einem extremistischen Prediger beeinflusst worden sein, der für Mordaufrufe an seine Anhänger ins Gefängnis gekommen war.

Über die Motive der Gruppe hat die britische Regierung bisher nur wenige Erklärungen geliefert. "Wir sind im Krieg, und ich bin ein Soldat", hatte Khan in einem Video gesagt, das zwei Monate nach den Anschlägen ausgestrahlt worden war. Solange Moslems sich nicht sicher fühlen könnten, würden sie den Westen angreifen. Er pries Al-Kaida-Chef Osama bin Laden und dessen damaligen irakischen Statthalter Abu Musab al-Zarqawi als Helden. Innenminister John Reid nannte Verärgerung über angebliche Ungerechtigkeiten gegen Moslems und den Wunsch nach Märtyrertum als Triebfeder der Attentäter.

Khan und Tanweer waren von November 2004 bis Februar 2005 in Pakistan. Bei Extremisten soll zumindest Khan dort eine Ausbildung erhalten haben. Bereits im Juli 2003 soll er zudem in einem entlegenen Teil Pakistans ein Training absolviert haben. Vermutlich hat er sich schon Ende der 90er Jahre in Pakistan und in Afghanistan aufgehalten.

Hinweise auf eine Steuerung der Gruppe durch die Al-Kaida gibt es der Polizei zufolge nicht, obwohl die Anschläge dem Muster des Islamisten-Netzwerks entsprechen. Unklar ist, ob andere Gruppen oder Einzelpersonen die Attentäter radikalisiert oder unterstützt haben. Niemand ist wegen Verwicklung in die Anschläge angeklagt worden.

(apa/red)