Hinter Reals Kulissen tobt ein Machtkampf:
Präsidenten liefern sich Schlammschlacht

Sticheleien des früheren Präsidenten Florentino Perez Trainerstuhl Bernd Schusters eine Front im "Krieg"

Hinter Reals Kulissen tobt ein Machtkampf:
Präsidenten liefern sich Schlammschlacht © Bild: APA/EPA/Guilen

Ein schlichtes Foto hat im Lager des kriselnden spanischen Fußballmeisters Real Madrid neuen Wirbel ausgelöst. Das Bild zeigt den früheren Real-Präsidenten Florentino Perez neben den Ex-Stars Zinedine Zidane und Ronaldo, die der Ex-Clubchef während seiner Amtszeit nach Madrid geholt hatte. Das anlässlich eines Benefiz-Spiels in der marokkanischen Stadt Fes aufgenommene Bild trieb den jetzigen Vereinsboss der "Königlichen", Ramon Calderon, zur Weißglut.

"Seit zweieinhalb Jahren torpediert dieser Herr die Arbeit des Vorstandes", schimpfte Calderon über den Vorgänger. Der Grund des Ärgers: Das Foto erinnert die Fans an die Zeiten der "Galaktischen", als Weltstars wie Zidane, David Beckham oder Luis Figo für die Madrilenen kickten. Perez hatte es fertiggebracht, die Real-Anhänger jedes Jahr mit der Verpflichtung eines neuen Superstars zu beglücken.

Ganz anders Calderon: Er hatte den Fans den Brasilianer Kaka versprochen und wollte den Portugiesen Cristiano Ronaldo an Land ziehen, erlebte auf dem Transfermarkt aber fast nur Reinfälle. Heute spielt für Real kein einziger Weltstar mehr. Der Real-Boss fürchtet den Vorgänger wie den Teufel. Für ihn steht fest, dass Perez das Foto mit Absicht lanciert hat, weil der steinreiche Bauunternehmer an die Vereinsspitze zurückkehren und ihm den Posten streitig machen will.

"Es herrscht Krieg"
Neben der sportlichen Krise und den Spekulationen um einen Rauswurf von Trainer Bernd Schuster ist in den Reihen der "Königlichen" nun auch ein Machtkampf ausgebrochen. "Es herrscht Krieg", schrieb das Sportblatt "Marca". Calderon geriet über das Foto so in Wut, dass er sich förmlich in Rage redete.

Unter Anspielung auf den - vom Vorgänger verpflichteten - Italiener Antonio Cassano sagte er: "Perez sollte sich mal neben einem Spieler ablichten lassen, der aus Madrid vier Milliarden Pesetas (24 Millionen Euro) mitnahm und der hier die Geburtenrate gesteigert und die Prostitution belebt hat." Damit spielte Calderon auf eine kürzlich erschienene Biografie des Stürmers an, in der der jetzige Profi von Sampdoria Genua damit prahlte, mit 600 oder 700 Frauen geschlafen zu haben.

Spekulationen über Abgang von Schuster
Der Real-Boss gab den Spekulationen über eine Entlassung von Schuster neue Nahrung. "Es wird kommen, wie es kommen muss", sagte er. "Sicher ist nur der Tod." Schuster selbst mied im Training am Dienstag die TV-Kameras und hielt sich überwiegend in seinem Büro auf. Das Training leitete sein Assistent Manolo Ruiz. Schuster sprach nach Presseberichten kaum mit den Spielern.

"Bei Real herrscht eine so eisige Atmosphäre wie bei einer Open-Air-Party in Alaska", schrieb die Zeitung "El Mundo". "Schuster weiß, dass ein Teil des Kaders ihm den Rücken zugekehrt hat. Sein Schicksal ist besiegelt." Sportdirektor Pedja Mijatovic hatte dem Trainer am Montag das Vertrauen ausgesprochen, allerdings nur bis zum nächsten Spiel gegen Recreativo de Huelva.
(apa/red)