Hinrichtung des Überlebenden "verlost": Skandal nach Massaker an Bauernfamilie

Kolumbien nach blutrünstigem "Spielchen" geschockt Prozess läuft - Präsident Uribe spielt Vorfall herunter

Ein besonders grausames Vorgehen kolumbianischer Soldaten bei einem Massaker an einer Bauernfamilie erschüttert derzeit das südamerikanische Land. Wie laut Medienberichten in einem Prozess in Bogota gegen Angehörige einer Militärpatrouille bekannt wurde, hatten sie in einer Verlosung als "Preis" die Tötung eines Bauern ausgelobt. Der Mann hatte als einziger Zeuge das von der Patrouille verübte Massaker überlebt und sollte vom Gewinner der Verlosung "beseitigt" werden.

Der Soldat John Guzman räumte jetzt laut Medien im Rahmen des Prozesses ein, dass er den "Preis" auf Befehl seines Vorgesetzten habe annehmen müssen. Deshalb habe er den wehrlosen und bereits verletzten Mann im April 2004 auch mit mehreren Schüssen getötet.

Bei dem Massaker hatten die Soldaten in der Gemeinde Cajamarca zuvor vier Angehörige der Bauernfamilie - darunter ein Kleinkind und ein Baby - getötet. Neben Guzman müssen sich deshalb auch ein Obergefreiter und sechs weitere Soldaten vor Gericht verantworten. "Mein Obergefreiter hat mir gesagt, dass Tote nicht sprechen können", sagte Guzman vor Gericht zur Begründung.

Das Massaker hatte in Kolumbien bereits für Schlagzeilen gesorgt. Staatspräsident Alvaro Uribe hatte den Fall als "militärischen Fehler" auf Grund schlechter Sichtverhältnisse bezeichnet und damit dessen Bedeutung heruntergespielt. "Es hat sich nun endgültig gezeigt, dass es kein Fehler war, es war eine Hinrichtung", sagte der Staatsanwalt. Die Soldaten waren in diesem Fall von einem Militärgericht freigesprochen worden. Das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet.

(apa/red)