Hiddink-Erfolgsrezept gegen Niederländer:
"Starke linke Seite der Oranje abblocken'

Trainerfuchs erkannte die Schwachstelle des Gegners Einziger Legionär Iwan Saenko Schlüssel zum Erfolg

Hiddink-Erfolgsrezept gegen Niederländer:
"Starke linke Seite der Oranje abblocken' © Bild: Reuters/Kooren

Es war die meist gestellte Frage an Russlands Erfolgscoach Guus Hiddink vor dem großen Offensiv-Spektakel im EM-Viertelfinale mit den Niederlanden. "Welchen Schwachpunkt hat der Gegner?" Der 61-jährige Teamchef, der als ehemaliger Bondscoach zu den besten Kennern des in seiner Heimat gepflegten Stils zählt, hielt sich bei seinen Antworten immer zurück, sagte nur, dass jede Mannschaft Schwachstellen habe. Doch nach dem 3:1-Triumph nach Verlängerung gab der Trainerfuchs sein Erfolgsrezept preis.

"Wir haben das niederländische Team trotz der Zeitnot nach dem Schweden-Spiel genau analysiert und dabei erkannt, dass die linke Seite ihre stärkste Waffe ist, denn auf dieser Seite haben sie sehr kreative Spieler", erklärte Hiddink. "Daher haben wir versucht, sie auf dieser Seite mit Hilfe von Iwan Saenko abzublocken." Mit der Hereinnahme des einzigen Legionärs in die Stammelf hatte der "Sbornaja"-Coach die Experten überrascht, doch genau diese Umstellung - Saenko anstelle für den bisher tadellos spielenden Dinijar Biljaletdinow - war der wohl entscheidende Schachzug.

"Saenko ist ein sehr disziplinierter Spieler aus der deutschen Bundesliga, er war also der richtige Mann für diesen Job. Er ist physisch sehr stark und weiß ganz genau, was man in solchen Situation machen muss. Und er hat das, was wir besprochen haben, so perfekt umgesetzt, dass wir die Niederländer gezwungen haben, auf die rechte Seite auszuweichen", lobte Hiddink den Nürnberg-Spieler, um dann in seiner Analyse fortzufahren.

"Sneijder & Van der Vaart abgeschnitten"
"Auf der rechten Seite haben wir ihnen zwar ein bisschen Platz gelassen, aber dadurch war das Spiel über Wesley Sneijder, Rafael van der Vaart und Ruud van Nistelrooy praktisch abgeschnitten. Es genügt nicht, diese Spieler nur zu bewachen, denn sie haben die individuelle Klasse - vorausgesetzt man lässt sie spielen und überlässt ihnen viele Bälle -, dass sie mit ihrer Kreativität die Entscheidung herbeiführen können. Aus diesem Grund war es notwendig, den Beitrag dieser starken Spieler einfach abzuschneiden."

Dadurch hatten die Niederländer ihr konstruktives Spiel ganz auf rechts verlagern müssen. "Und auf dieser Seite konnten wir sie leicht verteidigen", betonte Hiddink. "Außerdem waren sie gefordert und unter Druck, wenn wir den Ball hatten. Von der Position des rechten Außenverteidigers mussten sie Syrjanow folgen, der sich ganz ins Mittelfeld zurückzog, damit Schirkow, der für mich einer der weltbesten Linksverteidiger ist, über den Flügel attackieren konnte. Auf diese Weise wurde aus dem Angreifer Dirk Kuyt ein rechter Außenverteidiger, damit haben wir ihn total neutralisiert", erläuterte Hiddink einen weiteren genialen Schachzug.

Van Bastens schlechtes Händchen
"Kurzzeitig hatten wir mit diesem Spiel aber auch ein kleines Problem, als Kuyt auf links wechselte und an seiner Stelle Sneijder auf die rechte Seite rückte. Aber glücklicherweise haben sie in der Pause Robin van Persie für Kuyt eingetauscht, wodurch ihr Spiel viel statischer und dadurch für uns die Deckungsarbeit stark vereinfacht wurde", merkte der russische Coach gleichzeitig an, dass Niederlande-Teamchef Van Basten mit diesem Tausch kein goldenes Händchen bewies.

Hiddink machte dagegen auch beim Wechsel von Saenko, der nach 80 Minuten Vollgas und fehlerloser Leistung einfach ausgepowert war, alles richtig. Er brachte den ebenso engagiert spielenden Dmitri Torbinski, der eigentlich schon in der Startelf erwartet worden war. Der 24-jährige Torbinksi schlüpfte nicht nur perfekt in die Rolle von Saenko, sondern ebnete mit seinem Treffer zum 2:1 in der 112. Minute auch den Weg ins Halbfinale. Man darf jetzt schon gespannt sein, welche ausgefuchste Taktik Hiddink für den nächsten schweren Brocken - Angstgegner Spanien oder Weltmeister Italien - aushecken wird. (apa/red)

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