Hickersberger lobt unsere U19-Auswahl:
"Nach Tschechien-Spiel nicht zu erwarten!"

Im Halbfinale gegen Spanier aber klare Außenseiter "Hicke" vorsichtig: Für Team-Prognosen noch zu früh!

"Ich hab' zwar schon den Sechziger auf dem Buckel, aber für mich ging ein Bubentraum in Erfüllung". Dieser Satz stammt von ÖFB-Trainer Paul Guldovatz nach dem 4:1 gegen Belgien und dem damit verbundenen Aufstieg Österreichs ins Halbfinale der U19-EM-Endrunde in Polen bzw. der Teilnahme an der U20-WM 2007 in Kanada. "Nach dem Tschechien-Spiel war das so nicht zu erwarten", lobte ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger.

Der Ex-Rapid-Trainer hatte die Gludovatz-Schützlinge gegen den Nachbarn als Zuschauer auf der Tribüne in Swarzedz beobachtet und klar 1:3 verlieren gesehen. "Da haben sie einen müden Eindruck gemacht und eine schlechte Tagesform gezeigt, aber gegen die Belgier haben sie wieder eine sehr gute Leistung gebracht. Dazu kam das nötige Spielglück, das Österreich für solche Spiele derzeit auch braucht", meinte "Hicke".

"Hicke" vorsichtig: Für A-Team-Prognosen noch zu früh!
Auf die Frage, ob man den einen oder anderen U19-Akteur in zwei Jahren im eigenen Land und der Schweiz unter Teamchef Hickersberger im EURO-Einsatz sehen könnte, gab sich der Niederösterreicher vorsichtig. "Das ist schwierig einzuschätzen, es ist noch zu früh. Aber es sind sicherlich einige Spieler dabei, von denen ich erwarte, dass sie in den nächsten Jahren A-Teamspieler werden", sagte der 58-Jährige.

Dass die Österreicher am Mittwoch in Wronki gegen Turnier-Favorit Spanien Außenseiter sind, ist für Hickersberger keine Frage. "Die Spanier sind im europäischen Nachwuchsfußball das Nonplusultra." Gerhard Hitzel, seit 1990 Chef der Trainer-Ausbildung im ÖFB, bezeichnete den EM-Halbfinal-Einzug als "hervorragend für den heimischen Fußball. Er zeigt, dass gute Arbeit im Nachwuchs geleistet wird."

Hitzel, der 1983 in Mexiko als bisher einziger Trainer mit einer ÖFB-Nachwuchsauswahl (damals Junioren) eine WM-Endrunde erreicht hat, warnt aber vor Euphorie. Das Meisterstück habe ein Bursch erst dann geschafft, wenn er im A-Team spiele. Zur Endstation Sehnsucht ist es allerdings ein weiter Weg, auf dem viele Talente verloren gehen. Wenn sie in ihren Vereinen keine Chance bekommen, sich weiter zu entwickeln, verlieren viele eine Perspektive.

"Junge dürfen nicht auf Freibrief hoffen
"Die jungen Spieler dürfen nach ihrer Nachwuchskarriere nicht auf einen Freibrief hoffen, sondern müssen in allen Bereichen wie Psyche, Physis, Taktik, Technik stets an ihrer Qualität arbeiten. Dann wird er sich auch durchsetzen", sagte der frühere U21-Teamchef. Wenn jemand gut sei, behaupte er sich letztlich auch in der Kampfmannschaft. "Ich kenne keinen Trainer, der einen jungen Österreicher mit Qualität nicht aufstellt."

Zu der Schar der Gratulanten zählte auch die heimische Bundesliga. "Wir freuen uns, dass wir mit der Abstellung aller wichtigen Spieler und der Verschiebung des Saisonstarts der Red Zac Ersten Liga dazu einen Beitrag leisten konnten", sagte Vorstand Georg Pangl im Namen der 22 Profi-Klubs, die 16 der 18 Kaderspieler stellen. Der Burgenländer hätte nichts dagegen, wenn das Team bis am Samstag in Polen bleiben müsste. In diesem Fall würde Pangl die Daumendrückergarde auf der Stadion-Tribüne verstärken.
(apa/red)