Hickersberger feiert seinen 60. Geburtstag:
Bewegte Trainerkarriere mit Hochs und Tiefs

WM-Teilnahme 1990 als Höhe-, Färöer als Tiefpunkt Zukunft des ÖFB-Teamchefs von EM-Erfolg abhängig

Hickersberger feiert seinen 60. Geburtstag:
Bewegte Trainerkarriere mit Hochs und Tiefs © Bild: Reuters/Plankenauer

Josef Hickersberger ist kein Freund von glamourösen Partys. Seinen 60. Geburtstag feiert der österreichische Fußball-Teamchef lieber im engsten Familienkreis, zumal dem Jubilar für ausschweifende Festivitäten ohnehin keine Zeit bleibt: Bereits morgen startet mit den leistungsdiagnostischen Tests für jene Teamspieler, die bei heimischen Clubs unter Vertrag stehen, die heiße Phase der Vorbereitung auf die EURO 2008.

"Die Heim-EM ist das Größte in meiner gesamten Laufbahn", betont Hickersberger, der sich zum Geburtstag "Gesundheit und eine erfolgreiche Europameisterschaft" wünscht. Dabei hat der Niederösterreicher schon in den vergangenen Jahrzehnten einiges erlebt.

Spielerkarriere von Austria bis Rapid
Seine Karriere als Spieler im Profi-Lager begann 1966 bei der Wiener Austria, mit der er zweimal Meister (1969,1970) und zweimal Cupsieger (1967,1971) wurde. Ab 1972 trug der Mittelfeldspieler den Dress der Offenbacher Kickers, von 1976 bis 1978 spielte er bei Fortuna Düsseldorf. Nach der WM 1978 wechselte er zu SSW Innsbruck (bis 1980). Einen letzten Höhepunkt als aktiver Spieler erlebte der gebürtige Amstettener von 1980 bis 1982 in Hütteldorf, wo er mit Rapid zum Abschluss seiner Karriere eine 14-jährige Meistertitel-Durststrecke beendete.

39 Spiele im Teamdress
In der ÖFB-Auswahl absolvierte Hickersberger 39 Spiele (Debüt am 1.5.1968 gegen Rumänien) und erzielte fünf Treffer. Auch im Team nahm er mit einem großen Erfolg Abschied, mit dem legendären 3:2 bei der WM 1978 in Cordoba gegen den damals noch aktuellen Weltmeister Deutschland.

Als Spieler stand "Hicke" fast durchwegs auf der Sonnenseite, in seiner Trainerkarriere schlug das Pendel jedoch in beide Richtungen aus. Nachdem er zuvor Baden, Forchtenstein und Traisen betreut hatte, übernahm er am 1. Jänner 1987 die ÖFB-U21-Auswahl und genau ein Jahr später das A-Team - zunächst mit großem Erfolg.

Erfolgreiches Debüt als Teamchef in "Ära I"
Mit einem 3:0 gegen die DDR qualifizierte sich Österreich für die WM 1990 in Italien. Doch nach tollen Ergebnissen in der Vorbereitung (3:2 in Spanien, 3:2 gegen Europameister Niederlande, 1:1 gegen Weltmeister Argentinien) schied das Team in Italien in der Gruppenphase nach zwei 0:1-Niederlagen gegen Italien und die CSFR sowie einem 2:1 über die USA aus.

Rücktritt nach Blamage gegen Färöer Inseln
Seinen Job quittierte er wenig später nach der größten Blamage der heimischen Länderspielgeschichte. Am 12. September 1990 verloren Herzog, Polster und Co. in Landskrona in der EM-Qualifikation 0:1 gegen die Mannschaft der Färöer, die ihr erstes Bewerbspiel bestritt.

Nach der Trainer-Station Düsseldorf (1991) kehrte der Niederösterreicher im Mai 1993 wieder nach Österreich zurück, holte mit der Austria Cup und Supercup und wurde Vize-Meister. Die an Salzburg verlorene Meisterschaft kostete Hickersberger aber den Job auf dem violetten Schleudersitz.

Experte für arabischen Raum
Nach zweijähriger Auszeit verschlug es den passionierten Hobby-Golfer in den arabischen Raum. Er betreute den bahrainischen Klub Al Ahli (1995 - 97/Meister in der Saison 95/96), das Nationalteam von Bahrain (1997), den ägyptischen Verein Arab Contractors (1997-99), Al Shaab (VAE/1999/2000), Al Wasl (VAE/2000/01) und danach Al Etehad Sports Club (Katar), mit dem er das Double gewann. Am 14. Mai 2002 wurde er als neuer Trainer von Rapid präsentiert. Genau drei Jahre und einen Tag später gewann er mit den Hütteldorfern die Meisterschaft, drei Monate später schaffte er den Einzug in die Champions-League-Gruppenphase.

Nach Rapid-Triumph folgt "Teamära II"
Dank dieser Erfolge brachte Hickersberger als erster Trainer nach dem Zweiten Weltkrieg das Kunststück zuwege, zweimal über einen längeren Zeitraum das Teamchef-Amt auszuüben. Er leitete eine radikale Verjüngung ein und musste dafür eine bisher relativ trostlose Bilanz von vier Siegen, sieben und elf Niederlagen (Torverhältnis 22:34) in Kauf nehmen. In seiner ersten Ära war das Team auf zehn Siege, sieben Remis und zwölf Niederlagen (Torverhältnis 36:39) gekommen.

Die Misserfolgsserien hätten dem Coach seit seinem zweiten Amtsantritt zweimal fast eine Entlassung eingebracht. Erstmals an der Kippe stand er im Oktober 2006, als die ÖFB-Truppe in Liechtenstein 0:1 zurücklag, aber noch 2:1 gewann. Mit einem 2:1 vier Tage später in Innsbruck gegen die Schweiz war "Hicke" seine Sorgen vorerst endgültig los. Fast genau ein Jahr später rettete dem neuerlich unter Druck geratenen Teamchef wieder ein starker Auftritt im Tivolistadion, das 3:2 gegen die Elfenbeinküste, den Job.

Pogatetz spricht "Hicke" taktische Kompetenz ab
In die Bredoullie geriet Hickersberger aber nicht nur wegen schlechter Resultate. Im September 2006 sorgte Emanuel Pogatetz mit ungewöhnlich scharfer Kritik an dem früheren Rapid-Meistermacher, dem der Middlesbrough-Legionär die taktische Kompetenz absprach (Hickersberger: "Das war für mich schlimmer als Färöer"), für Aufsehen. Pogatetz wurde von Hickersberger mittlerweile pardoniert, der zweite England-Legionär Paul Scharner aber wird die EM wohl vor dem TV-Gerät mitverfolgen müssen, nachdem er im August 2006 freiwillig vom Team Abschied nahm. Da dürfte auch die mittlerweile von Scharner bekundete Bereitschaft zur Rückkehr nichts daran ändern.

Trainer-Zukunft hängt vom EM-Abschneiden ab
Aller schlechten Ergebnisse und internen Probleme zum Trotz: Hickersberger, dessen Vertrag offiziell bis Jahresende 2008 läuft, wird am österreichischen Abschneiden bei der Heim-EM gemessen werden. Sollte das ÖFB-Team das Viertelfinale erreichen, wäre der Trainer zu einem Verbleib als Teamchef bereit. Im Falle eines sang- und klanglosen Ausscheidens in der Gruppenphase wäre er ohnehin nicht zu halten.

(apa/red)