"Hicke" und Löw für je ein Spiel gesperrt:
Laut UEFA-Regulativ kein Einspruch möglich

Trainer-Duo bei Gruppenspiel auf Tribüne verbannt Löw darf im Viertelfinale nicht mit Mannschaft reden

"Hicke" und Löw für je ein Spiel gesperrt:
Laut UEFA-Regulativ kein Einspruch möglich © Bild: Reuters/Zolles

Die Richter der Europäischen Fußball-Union (UEFA) haben Josef Hickersberger und Joachim Löw für je ein Bewerbspiel gesperrt, berichteten mehrere internationale Nachrichten-Agenturen. Die Disziplinar-Kommission in Zürich bestätigte damit die im Reglement vorgesehene automatische Suspendierung für eine Partie. Der österreichische Teamchef und sein deutscher Kollegen waren im entscheidenden EM-Gruppen-Spiel Österreich - Deutschland (0:1) in Wien vom Referee auf die Tribüne verbannt worden.

Gegen die Urteile, die im ÖFB- bzw. DFB-Lager vorerst nicht vorlagen, ist keine Berufung möglich. Eine solche ist laut Regulativ erst ab einer Sperren von zwei Pflichtspielen (keine freundschaftlichen Länderspiele) und ab einer Geldstrafe von über 5.000 Schweizer Franken zulässig. Löw muss damit im Viertelfinalspiel gegen Vize-Europameister Portugal in Basel auf der Zuschauer-Tribüne Platz nehmen und darf im St. Jakob-Park nicht mit seiner Mannschaft in Kontakt treten.

Stadion-Innenraum für Löw Tabu-Zone
Für den früheren Tirol- und Austria-Trainer ist der Stadion-Innenraum absolute Tabu-Zone, es ist ihm auch untersagt, via Mittelsmänner oder technischer Kommunikationshilfe einen "Draht" zu Ballack und Co. oder seinem Trainerstab herzustellen. Außerdem ist es dem Schwaben verboten, die Kabine zu betreten, sehr wohl darf er aber vor und nach dem EM-Viertelfinale zu den Pressekonferenzen gehen und den Medien Rede und Antwort stehen.

Die Sperre gegen Hickersberger, dessen Schützlinge mit der 0:1-Niederlage der EURO Servus sagten, wird erst im nächsten offiziellen Bewerbsspiel wirksam. Sollte der Niederösterreicher also ÖFB-Teamchef bleiben, dann darf er am 6. September in Wien zum Auftakt der WM-Qualifikation gegen Vize-Weltmeister Frankreich nicht auf der Trainer-Bank sitzen. Die Suspendierung gilt ebenso, sollte der 60-Jährige seine zweite ÖFB-Teamchef-Ära wider Erwarten beenden und als Auswahl-Trainer doch ins Ausland gehen.

Automatische Sperre nach Verbannung
Die UEFA-Disziplinar-Regeln (Artikel 9, Absatz 1) sehen vor, dass ein vom Schiedsrichter des Feldes verwiesener Spieler oder ein aus der technischen Zone verwiesenes Delegationsmitglied automatisch für das nächste Bewerbsspiel gesperrt ist. Aufgrund des Berichts des spanischen Schiedsrichters Manuel Mejuto Gonzalez, der in der 40. Minute durch seinen slowenischen Offiziellen Damir Skomina an der Linie tätig geworden war und die beiden Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt hatte, und den Stellungnahmen der zwei beteiligten Verbände beließ es das Disziplinar-Gremium bei der automatischen Sperre.

Die Reaktion von Mejuto Gonzalez war sicherlich überzogen, er hätte durch Gesten auch eine deutliche und letzte Verwarnung aussprechen können, anstatt gleich eine solche Verbannung zu exekutieren. Offenbar haben die Fußball-Richter, die entweder be- oder entlastende Elemente in ihre Entscheidungsfindung einfließen lassen können, deshalb mildernde Umstände walten lassen. Die Verbannung ist aber regelkonform, denn es ist nicht erlaubt, permanent an vorderster Front der Coaching-Zone stehend Anweisungen zu geben.

Schiedsrichter als "Selbstdarsteller"
Die Trainer müssen, nachdem ihre Infos die Adressanten erreicht haben, zurückgehen. Das haben sie im gegenständlichen Fall offenbar nicht befolgt, daher wurde zunächst der vierte Offizielle und dann der von ihm gerufene Spanier aktiv. "Hicke" und Löw waren ihre "Ausschlüsse" völlig unverständlich, zumal es keine Beleidigungen, Kritik oder Ähnliches geben hatte. Es war nicht unverständlich, dass ÖFB-Teamchef-Assistent Andreas Herzog den spanischen Unparteiischen kurz nach dem Spiel in der ersten Emotion als "Selbstdarsteller" bezeichnete.

(apa/red)

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