Heute fällt das Urteil im Fall Stefanie P.:
Philipp K. droht eine lebenslange Haftstrafe

Chancen für 23-jährigen Angeklagten stehen schlecht Gutachten ortet hochgradige Persönlichkeitsstörung

Heute soll die Richterin das Urteil im Mordfall Stefanie P. fällen und die Chancen für den angeklagten Philipp K. stehen schlecht: Einen angekündigten Entlastungszeugen gibt es nicht, der Gerichtsgutachter hat dem Angeklagten eine seelische oder geistige Abartigkeit höheren Grades bescheinigt und Philipp K. hat zugegeben, die Leiche seiner 21-jährigen Ex-Freundin zerstückelt und im Müll entsorgt zu haben. Bei einer Verurteilung drohen ihm lebenslange Haft und zusätzlich eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Am fünften und vermutlich letzten Verhandlungstag hat Richterin Sonja Weis neue Erkenntnisse über den angeblichen Kronzeugen verlesen: Ein zweiter Privatdetektiv bestreitet die Existenz eines solchen Zeugen. Der Ermittler ist ebenfalls von Philipps Mutter Margit K. beauftragt worden. Er hat am 6. Mai 2011 bei der Einvernahme durch die Polizei erklärt, die Mutter "greife nach jedem Strohhalm".

Detektiv: "Es gibt keinen Zeugen"
Die Richterin verlas dieses Protokoll zur Gänze, da der Detektiv nicht zur Verhandlung erschienen war und somit nicht vernommen werden konnte. "Es gibt keinen Zeugen, der beweist, dass jemand anderer als Philipp diese furchtbare Tat begangen hat", hieß es darin. Und sinngemäß weiter: Er, der Detektiv, könne keinen Zeugen beibringen, der die Behauptung der Mutter stütze, ihrem Sohn solle der Mord untergeschoben werden. Dafür wollte die Mutter, dass der Detektiv mit Oliver D. spricht "und ich ihn dazu bringe, dass er die Tat gesteht", verriet der private Ermittler der Polizei.

Gutachter spricht von hochgradiger Störung
Im Anschluss wurde noch ein Schreiben eines in der Justizanstalt Sonnberg einsitzenden Häftlings verlesen, der in seinem Brief versichert, Philipp K. sei nicht der Mörder. Danach begann Gerichtspsychiater Karl Dantendorfer mit der Präsentation seines Gutachtens. Er geht darin von einer "hochgradigen Auffälligkeit bei der Persönlichkeitsstruktur" des Angeklagten aus. Für den Fall eines Schuldspruchs sprach sich der Sachverständige für die Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher aus: "Wenn er schuldig ist, leidet er an einer Persönlichkeitsstörung." Die Zukunftsprognose sieht laut Dantendorfer ohne entsprechende therapeutische Behandlung ungünstig aus.

Was die von Philipp K. geltend gemachte Alkoholisierung zum Tatzeitpunkt betrifft, kam der Psychiater zum Ergebnis, dass bei Richtigkeit der vom Angeklagten angegebenen Trinkmengen dieser 4,5 Promille intus gehabt haben müsste, als Stefanie P. starb. Dieser Wert sei "sehr unwahrscheinlich", selbst wenn man K. glaube, der bekanntlich den Mord "verschlafen" haben will. Der 23-Jährige könne sich an Details unmittelbar vor dem behaupteten "Wegtrickern" erinnern, und auch unmittelbar nach dem Aufwachen gebe es keine Erinnerungslücken.

Auf die ergänzende Frage, ob man mit 4,5 Promille eine Bluttat wie die gegenständliche begehen könne, erwiderte Dantendorfer, dies sei "hochgradig unwahrscheinlich", da bei einer derartigen Alkoholisierung die Dispositions- und Diskretionsfähigkeit wesentlich eingeschränkt sei.

Ein Urteil wird erst in den späten Abendstunden erwartet.

Todeskampf von Stefanie P. dauerte minutenlang
Am vierten Verhandlungstag hat der Gerichtsmediziner Daniele Risser die grausigen Detail des Mordes geschildert: Der Todeskampf von Stefanie P. habe zwei bis drei Minuten gedauert, so Risser. Die 21-Jährige starb an einer tiefen Stich- bzw. Schnittwunde in den Hals. "Der Tod ist nach einer Läsion an der Halsschlagader zu Lebzeiten infolge Verblutens nach außen eingetreten", sagte der Sachverständige. Möglicherweise habe Stefanie P. auch noch gelebt, als ihr in die Nase geschnitten wurde.

Kronzeuge tauchte nicht auf
Eigentlich wollte die Mutter von Philipp K. seine Unschuld beweisen, doch den von ihr angekündigten Kronzeugen gibt es offenbar nicht. Margit K. sagte vor Gericht aus, ihr Sohn habe seine Ex-Freundin nicht getötet. Sie warf der Polizei vor, einseitig ermittelt und den Zeugen Oliver D. gedeckt zu haben. Zwei Detektive hätten einen Entlastungszeugen gefunden, so die Mutter. Am vierten Verhandlungstag ist jedoch kein Kronzeuge erschienen.

Ein Zeuge hat wahrscheinlich nie existiert, wie eine Befragung der Polizei mit einem der Detektive ergab: "Ich habe keinen Zeugen, der diesen Beweis beibringen kann", zitierte Richterin Sonja Weis aus dem Protokoll. Weiters gab der Privatermittler an, sein Verhalten gegenüber Margit K. sei davon geprägt, "ihr seelisches Gleichgewicht zu geben." Nach der Verlesung dieses Vernehmungsprotokolls wurden zwei Polizisten befragt, die unmittelbar am Tatort waren. Steffis Tante hatte am Nachmittag des 2. Juli in Sorge um die 21-Jährige, die sie nicht telefonisch erreichen konnte, Alarm geschlagen hatte. Die Wohnungstür öffnete den Beamten damals nicht Philipp K., sondern dessen Bekannter Oliver D., der auf einen Anruf des Angeklagten hin unmittelbar vorher eingetroffen war und dem der 23-Jährige laut Anklage das Verbrechen gestanden haben soll.

Bereits an der Tür fiel den Polizisten eine blutdurchtränkte, gegen die Wand gelehnte Matratze auf. Auf Befragen, was es damit auf sich habe, machte sich Philipp K. verdächtig, indem er angab, es handle sich dabei um "Regelblut meiner Freundin" bzw. habe er sich beim Einräumen des Geschirrspülers an der Hand verletzt und die Matratze offenbart auch mit seinem Blut benetzt.

"Für uns war klar, es ist etwas Furchtbares passiert"
Den Beamten erschien das unglaubwürdig. "Für uns war klar, dass etwas Furchtbares in dieser Wohnung passiert sein muss", erinnerte sich einer der zwei Streifenpolizisten im Zeugenstand. Philipp K. wurde festgenommen, während der ebenfalls am Tatort angetroffene Oliver D. die Wohnung verlassen und sich ins Stiegenhaus begeben konnte.

Detektiv spionierte Oliver D. aus
Nach der Einvernahme der Polizisten ging es noch einmal um Oliver D., den Bekannten von Philipp K, den dieser laut Anklage in seine Wohnung bestellt hatte, wo er diesem wenige Minuten vor seiner Festnahme die Bluttat gebeichtet haben soll. Ein Münchner Privatdetektiv, den Verteidiger Ernst Schillhammer stellig gemacht hatte, erklärte im Zeugenstand, er habe im Auftrag der Großmutter des Angeklagten dessen "Lebenslauf" und "Persönlichkeitsprofil" recherchiert.

Lügen auf Facebook
Alles, was er auf Facebook postet, ist gelogen. Er ist kein Akademiker, hat nicht einmal Abitur", so der Detektiv aus München. "Glauben, Sie, dass er der Einzige ist, der auf Facebook nicht die Wahrheit sagt?", warf Richterin Sonja Weis ein. Er habe auch mit den Eltern gesprochen, setzte der Zeuge fort. Diese würden sich vor Oliver D. fürchten und hätten ihm eingeschärft, ihrem Sohn keinesfalls ihre aktuelle Anschrift und Telefonnummer weiterzugeben, da dieser "ins Drogen- und Verbrechermilieu" abgeglitten sei.

Oliver D.:"Ich hab' niemandem was gesagt"
Im Anschluss wurde noch einmal der an sich schon in der Vorwoche vernommene Oliver D. in den Zeugenstand geholt, der sich sogleich über den zuvor befragten Detektiv ausließ ("Der Lackaffe!") und versicherte, dieser "lüge" und habe niemals mit seinen Eltern geredet. Oliver D. versicherte neuerlich, mit dem inkriminierten Verbrechen nichts zu tun zu haben. Die Angaben der Mutter des Angeklagten, die am vergangenen Donnerstag Gegenteiliges behauptet und betont hatte, Oliver D. habe seine Beteiligung einem Mann mit einem kroatisch klingenden Namen auch gestanden, tat dieser als "Larifari" ab: "Ich hab' diesbezüglich niemandem was gesagt. Ich bin doch nicht blöd."

Im Übrigen wundere er sich, "was das Ganze für das Verfahren überhaupt soll", bemerkte Oliver D. mit einem Seitenblick auf Philipp K. "Dem kann doch der liebe Gott nicht mehr helfen. Der Mann ist erledigt", sagte er abschließend über den Angeklagten.

(apa/red)