Herzog will nun Cordoba vergessen machen:
"Können uns nicht auf Lorbeeren ausruhen"

Teamchef-Assistent erfreut über unterschätztes Team Testspiel gegen Deutschland kaum aussagekräftig

Herzog will nun Cordoba vergessen machen:
"Können uns nicht auf Lorbeeren ausruhen" © Bild: APA/Jäger

Teamchef-Assistent Andreas Herzog sieht das entscheidende dritte EM-Gruppenspiel gegen Deutschland auch als Belohnung für die gute Arbeit einer doch unterschätzten ÖFB-Mannschaft. Und als perfekte Gelegenheit, das Cordoba-Brimborium in die Mottenkiste der heimischen Fußball-Historie zu verbannen.

"Für mich gibt es nur zwei, die in diesem Spiel etwas zu verlieren haben: Die Deutschen und Hans Krankl, von dem dann wegen Cordoba nicht mehr so viel erwähnt werden wird", scherzte Herzog und setzte mit ernstem Unterton nach: "Ich hoffe, dass der eine oder andere Spieler zu einem neuen Helden wird. Das ist 30 Jahre her, und wir können uns nicht immer auf unserem Lorbeer ausruhen."

Herzog will Sensation
"Alle haben über uns gelacht, als wir auf Platz 102 in der Weltrangliste waren, hinter Ländern, die man gar nicht richtig kennt", erinnerte der ÖFB-Rekordinternationale. "Für uns ist toll, dass wir noch im Rennen sind. Es gibt eigentlich nichts Schöneres, als ein Endspiel gegen Deutschland zu bestreiten. Schöner wäre es nur, wenn wir sechs Punkte hätten und schon durch wären."

"Es wäre ohnehin schon höchste Zeit"
Die psychologische Ausgangslage ist für Herzog klar: "Die Deutschen haben viel, viel mehr Druck als wir. Wenn sie gegen uns verlieren, wäre es eine Riesenblamage. Wir müssen natürlich schauen, dass wir 90 Minuten voll dagegenhalten, dann könnten wir eine Riesensensation schaffen. Es wäre ohnehin schon höchste Zeit." Freilich glaubt Herzog nicht, dass der Druck der deutschen Medien auf die DFB-Elf ein allzu großer Vorteil für Österreich sein könnte: "Wenn du ein Klasseteam bist, musst du mit Kritik umgehen können. Das zeichnet die Deutschen auch aus, das müssen wir vielleicht auch noch ein bisschen lernen."

0:3 - Testspiel veränderte nichts
All das seien freilich nur Gedankenspiele: "Dass wir ganz klarer Außenseiter sind, daran gibt es nichts zu deuteln. Wenn es darauf ankommt, sind die Deutschen immer da", betonte Herzog. Der Umstand, dass man sich bereits im Februar in einem Testspiel (0:3) gegenübergestanden sei, verändere an der Ausgangslage "im Großen und Ganzen gar nichts. Aber wir haben gesehen, dass wir, wenn wir hart arbeiten und an uns glauben, auch gegen Deutschland zu Chancen kommen können."

Man dürfe freilich nicht vergessen, dass es sich lediglich um ein Vorbereitungsspiel gehandelt habe. "Und als solches haben es die Deutschen auch angesehen. Deswegen dürfen wir uns jetzt nicht einreden, dass es wieder so wie damals in der ersten Hälfte sein wird. Dass wir allein aufs Tor rennen und Riesenmöglichkeiten haben werden. Wir müssen knallhart in die Zweikämpfe gehen. Die Deutschen haben sehr große, sehr kopfballstarke Spieler. Das ist natürlich ein Riesenvorteil."

Deutsche Medien zeigen Angst
Der ehemalige Bremen- und Bayern-Legionär bestätigte, dass von deutscher Seite zahlreiche Interviewanfragen eingelangt seien. "Wir müssen das natürlich in gewissen Bahnen halten. Aber es ist ja schön. Jetzt haben sicher auch die Deutschen ein bisschen Angst."

Das Problem der mangelhaften Chancen-Auswertung in den bisherigen Spielen wollte er nicht überbewerten. "Es ist halt schon so, dass wenn ein so junger Spieler auf diesem Niveau solche Möglichkeiten hat, hin und wieder die Nerven versagen", meinte er vor allem auf Martin Harnik gemünzt. "Da müssen wir einfach noch konzentrierter sein, noch mehr an unsere Chance glauben. Jeder einzelne Spieler muss im Training jede Chance auch hundertprozentig nützen wollen. Das ist eine Erfahrung, die manche junge Spieler einfach auch noch lernen müssen. Ein bittere Erfahrung, die aber für den weiteren Weg der Spieler noch sehr wichtig ist."

Parallel-Spiel uninteressant
Dennoch wollte Herzog "der Mannschaft ein Kompliment aussprechen, dass wir gegen Polen und Kroatien mitgehalten haben, und teilweise sogar stärker waren. Für uns ist wichtig, dass in Österreich guter Fußball gespielt werden kann. Nicht über die ganze Zeit, das ist ganz normal, weil wir einfach gegen Nationen spiele, die normalerweise schon stärker sind als wir."

Dem Parallel-Spiel Kroatiens gegen Polen, dessen Ausgang selbst bei einem österreichischen Sieg in die Aufstiegsfrage hineinspielen könnte, schenke man keine Beachtung: "Für uns ist das zweite Spiel nebensächlich. Wir müssen einmal schauen, dass wir Deutschland schlagen. Das wird schwer genug, da brauchen wir nicht nach Klagenfurt schielen."

Aus der Stimmung im Lande könne man jedenfalls Kraft schöpfen. "Es ist schon schön, wenn du am Ring zum Kursalon Hübner fährst und die Leute auf der Straße jubeln, wenn sie dich sehen. Das haben sich auch die Fans wieder einmal verdient, dass sie wieder halbwegs stolz auf die Nationalmannschaft sein können."
(apa/red)

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