Herzkranke Hannah will nicht länger leiden:
Mädchen hat sich für den Tod entschieden

NEWS: "Nur ich weiß, was das Beste für mich ist" 13-Jährige ist gegen die rettende Herz-Operation

Herzkranke Hannah will nicht länger leiden:
Mädchen hat sich für den Tod entschieden © Bild: NEWS

Hannah Jones aus Marden ist der derzeit bekannteste Teenager Großbritanniens. Denn die 13-Jährige mit den schulterlangen rotblonden Haaren, den Sommersprossen und dem schüchternen Lächeln hat kürzlich eine Entscheidung getroffen, die derzeit international in den Medien für hitzige Debatten sorgt.

Anfang November hat sich die todkranke Hannah gegen eine lebensrettende Herztransplantation, gegen das Leben und für den Tod entschieden – weil sie es so möchte, unbeeinflusst von ihren Eltern oder Ärzten. „Es ist unglaublich und nur schwer zu verstehen. Hannah hat eine Wahl getroffen, die für die meisten von uns nicht begreifbar ist“, versucht Pastorin Fenton das Unfassbare zu erklären.

Mit vier Jahren an Leukämie erkrankt
Doch gerade das Unbegreifliche ist es, womit Hannah und ihre Eltern, Andrew, 43, und Kirsty, 42, schon vor langer Zeit umzugehen lernen mussten. Neun Jahre ist es mittlerweile her, dass die Ärzte im Hereford County Hospital nahe Marden ausgerechnet zu Weihnachten Hannahs Eltern mitteilen mussten, dass ihre damals vier Jahre alte Tochter an Leukämie erkrankt war. Der bei Hannah entdeckte besonders aggressive Blutkrebs-Typ schien zwar behandelbar, die zahlreichen Chemotherapien, die das Mädchen in den folgenden Monaten über sich ergehen lassen musste, hatten jedoch einen hohen Preis: Hannahs Herz wurde – offenbar durch die starken Medikamente – schwächer und schwächer.

Weihnachten im Krankenhaus
Ein Jahr nach der schrecklichen Diagnose dann der nächste Schock für die Familie: Hannah litt an Kardiomyopathie, einer massiven Schwächung des Herzmuskels. Sie verbrachte in den folgenden Jahren ihres Lebens keinen Monat ohne Krankenhausaufenthalt, feierte viele Weihnachtsfeste und Geburtstage im Spitalsbett. Mehrmals im Monat, oft viele Wochen hindurch, musste sie schmerzhafte Untersuchungen, Operationen und Chemotherapien über sich ergehen lassen. Schließlich verlor sie ihre langen Haare, konnte nur noch dreimal wöchentlich für jeweils eine Stunde zur Schule gehen, war so entkräftet, dass sie die meiste Zeit im Rollstuhl verbringen musste. Auch das geliebte Ponyreiten, bei dem Hannah für einige wenige Stunden ihr Schicksal vergessen konnte, war nicht mehr möglich, ebenso wie Treffen mit ihren Freundinnen.

Sechs Monate zu leben
Zu Ostern 2007 erlitt Hannah einen Herzstillstand, ihre Lunge kollabierte. In einer Notoperation wurde dem Mädchen ein Herzschrittmacher eingesetzt – eine riskante Operation, die fast nur bei Erwachsenen durchgeführt wird. Doch Hannahs Herz war bereits zu stark geschwächt: Trotz des Eingriffs erbrachte es nur noch zehn Prozent der Leistung, die ein gesundes Organ besitzt. Im Juli dieses Jahres gaben die Ärzte dem Teenager dann nur noch sechs Monate zu leben. Einzig die Transplantation eines gesunden Herzens könnte verhindern, dass Hannah einen langsamen Tod stirbt – doch gegen genau diesen Eingriff sprach sich das Mädchen jetzt aus.

„Ich habe viele Jahre im Krankenhaus verbracht und Schmerzen erlitten. Die Ärzte haben mir erklärt, was es bedeutet, wenn ich kein neues Herz bekomme. Doch ich habe mich gegen die OP entschieden, weil auch sie keine Garantie ist, dass es mir besser geht. Ich weiß, dass ich keine normale 13-Jährige bin. Ich bin eine Denkerin, dazu hat mich die Krankheit gemacht. Es ist sehr schwer, mit 13 zu wissen, dass ich bald sterben werde – aber nur ich weiß, was für mich am besten ist“, erklärt Hannah mit einer Entschlossenheit, die der Endpunkt einer jahrelangen Leidensgeschichte ist.

OP per Gerichtsbescheid?
Doch genau jene Entscheidung gegen die lebensrettende Operation war es, die die Behörden nicht akzeptierten. „Das Krankenhaus drohte, Hannah per Gerichtsbeschluss von der Polizei abholen und operieren zu lassen“, berichtet Hannahs Vater Andrew, ein Buchprüfer. Schließlich schickten die Behörden eine Sozialarbeiterin, die sich mit Hannah unterhielt, und einen bis dahin einzigartigen Entschluss fällte: Hannah sei reif genug, um selbst über ihr Leben zu bestimmen. Der Wortlaut des Gutachtens: „Es scheint, als ob Hannah den ernsten Zustand, in dem sie sich befindet, versteht. Sie ist sich bewusst, dass sie sterben kann. Mit ihr wurden alle Therapien besprochen – und sie hat verständlich erklärt, dass sie nicht ins Krankenhaus zurück möchte, um sich einer Transplantation zu unterziehen.“

Hannahs letzter Wunsch
„Sie kann es sich jederzeit anders überlegen und sich doch noch für eine Transplantation entscheiden – dann steht sie an erster Stelle“, erklärt einer von Hannahs Ärzten. Doch blickt man in Hannahs Gesicht, weiß man, dass sich das tapfere Mädchen mit seinem Schicksal abgefunden hat. Derzeit hat sie nur einen Wunsch: mit ihren Eltern und ihren drei Geschwistern ein letztes Mal gemeinsam zu verreisen – nach Disney World in Florida. „Denn“, so Hannah, „ich liebe die Disney-Figuren über alles. Und Anfang Dezember wird mein Traum endlich wahr werden.“ Dann wird Hannah zumindest für einige Tage das sein können, was sie die letzten neun Jahre viel zu selten sein durfte: eine ganz normale 13-Jährige.

Die ganze Geschichte lesen Sie im aktuellen NEWS 47/2008!