Herzerweichende Wiedersehensfreude: Koranische Familienzusammenführungen

Treffen von Angehörigen an koreanischer Grenze Erstes Wiedersehen nach über 50 Jahren Trennung

Herzerweichende Wiedersehensfreude: Koranische Familienzusammenführungen © Bild: AP/Newsis

Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Teilung der koreanischen Halbinsel haben jetzt 97 Südkoreaner ihre Familienangehörigen im Norden wiedergetroffen. Am Samstag überquerten sie die schwer bewachte Grenze, um im Norden ein bewegendes Wiedersehen mit 240 Angehörigen zu erleben. Das Treffen ist die erste Familienzusammenführung seit rund zwei Jahren. Wegen politischer Spannungen waren die erstmals im Jahr 2000 organisierten Begegnungen unterbrochen worden.

Hunderttausende Südkoreaner - vor allem Senioren - suchen Kontakt zu ihren Verwandten im abgeschotteten und armen Norden. Tausende von ihnen starben bereits, bevor es zu einem Wiedersehen kam. Das Treffen in einem Ferienort im Kumgang-Gebirge kurz hinter der Grenze war emotionsgeladen. Die Teilnehmer vergossen Tränen der Freude und Erleichterung, aber auch der Trauer. "Hast du mir gar nichts zu sagen?", fragte der mit 95 Jahren älteste Teilnehmer aus Südkorea seinen im Norden lebenden Sohn, der schwerhörig ist und älter als sein Vater wirkte.

An dem auf drei Tage angesetzten Treffen nahm auch ein Gefangener des Korea-Kriegs von 1950 bis 1953 teil. Auch zwei Südkoreaner, die nach dem Krieg von Nordkorea entführt wurden, trafen ihre Verwandten wieder. Für die Regierung in Pjöngjang sind die mehr als tausend südkoreanischen Zivilisten und Kriegsgefangenen, die im Norden vermutet werden, ein Tabu-Thema. Doch einigen wurde bereits die Teilnahme an Familienzusammenführungen erlaubt.

Seit 2000 hat es 16 solcher Treffen gegeben, an denen von beiden Seiten insgesamt rund 16.000 Menschen teilnahmen. Die Begegnungen sind das Ergebnis eines historischen Gipfels zwischen den Staatschefs beider Länder vor neun Jahren, der eine Phase des Tauwetters in den diplomatischen Beziehungen einläutete. Doch seit zwei Jahren waren die Familienzusammenführungen auf Eis gelegt.

Der wegen Raketen- und Atomtests scharf kritisierte und mit UN-Sanktionen belegte Norden hatte aber unlängst wieder die Fühler in den Süden ausgestreckt. Das arme Land hatte dem einst wichtigen Geldgeber die Aufnahme von Wirtschaftsbeziehungen und der Familienzusammenführungen in Aussicht gestellt. In Kürze sollen 99 Nordkoreaner in einem weiteren dreitägigen Treffen knapp 450 Angehörige aus dem Süden treffen.
(apa/red)