Heroisch gekämpft, aber bitter verloren: Österreich fliegt aus dem Davis-Cup raus

Entscheidung im letzten Match vs. Chile gefallen Koubek verliert nach 5:14 Stunden Marathonspiel

Heroisch gekämpft, aber bitter verloren: Österreich fliegt aus dem Davis-Cup raus © Bild: Reuters/Alvarado

Um 02.00 Uhr morgens hat sich Chiles Nationalheld Nicolas Massu in der Rodeo-Arena von Rancagua jubelnd auf den Rücken fallen lassen. Davor hatten sich der Olympiasieger 2004 und Österreichs Stefan Koubek im entscheidenden letzten Einzel des Weltgruppen-Playoffs Chile gegen Österreich einen sehenswerten Sandplatz-Kampf geliefert, der trotz nur vier gespielten Sätzen nicht weniger als 5:14 Stunden dauerte.

Koubek war mehrmals nur zwei Punkte vom fünften Satz entfernt und hätte das "Wunder von Rancagua" oder das Umwandeln eines 0:2-Rückstands in einen 3:2-Sieg fast geschafft. Das wäre österreichische Davis-Cup-Geschichte gewesen, denn dieses Kunststück ist noch keinem ÖTV-Davis-Cup-Team gelungen.

Der 32-jährige Kärntner, der mit seinem Tennis und seiner Fitness bewiesen hat, dass er noch nicht zum alten Eisen zählt, musste sich letztlich mit 4:6,6:4,4:6,6:7(6) beugen. Damit ist Chile 3:2-Sieger und bleibt im Kreis der besten 16 Nationen, Österreich muss erstmals seit sechs Jahren in die zweithöchste Spielklasse, die Europa-Afrika-Zone I.

Melzer glich aus
Bereits zuvor hatte ein neuerlich nervöser und daher nicht in Höchstform spielender Jürgen Melzer gegen Paul Capdeville das wichtige 2:2 geschafft. Auch er stand 3:56 Stunden auf dem Platz und gewann letztlich 7:6(2),4:6,6:2,5:7,6:4.

"Der heutige Tag war so wie der Davis Cup eigentlich sein sollte, nur nicht mit dem richtigen Ende für uns. Jürgen hat das Match rausgefightet, dazu muss ich ihm gratulieren. Er hat heute auch nicht gut Tennis gespielt, aber er hat Capdeville in fünf Sätzen niedergerungen", resümierte ein geschlauchter Kapitän Gilbert Schaller, der Koubeks Niederlage freilich bedauerte.

"Vom Tennis her bin ich mit dem Match von Stefan sehr zufrieden. Er hat gutes Tennis gezeigt, hin und wieder hat er leider bei den 'big points' Nerven gezeigt, was bei 2:2 auch verständlich ist", erklärte der Steirer. "Aber die Partie tut insofern weh, weil sie ihm durch die Finger geronnen ist, wenn ein, zwei Punkte anders verlaufen wären, wir den vierten Satz gewinnen, schaue ich mir Massu im fünften Satz gerne an."

Marathom-Mann Koubek
In den vier Einzeln in Rancagua wurden insgesamt 16:39 Stunden Tennis gezeigt, das ist schon rekordverdächtig. Koubek allein stand über neun Stunden am Court, blieb aber letztlich ohne Punktgewinn für Rot-weiß-rot. "Frustration", meinte er gequält lachend zu seiner Partie. "Es ist kurz nach dem Match schwer, viel darüber zu reden. Es war ein harter Kampf, ich habe meine Chancen gehabt, dass ich in den fünften Satz komme. Ich habe gewusst, dass Massu ein Wahnsinnsfighter ist", sagte Koubek gegenüber der APA.

Massu agierte nahezu fehlerlos und zeigte einmal mehr, warum er im Davis Cup und bei Großereignissen so stark einzuschätzen ist. Mehrere Male war Koubek nur zwei Punkte vom fünften Satz entfernt gewesen, darunter bei 5:4 sowie im Tiebreak, nachdem er drei Matchbälle abgewehrt und auf 6:6 gestellt hatte. "Ich habe mich fitter gefühlt, aber nach fünf Stunden am Platz spürt man alles."

Für Melzer, dessen überraschende Niederlage gegen Massu letztlich die Niederlage in Chile eingeleitet hat (Schaller: "Der Freitag ist uns auf den Kopf gefallen"), war zumindest der Fünf-Satz-Erfolg über Capdeville ein kleiner Trost. Der Niederösterreicher hat immer wieder Schwierigkeiten, im Davis Cup mit dem Druck und seinen Nerven umzugehen. "Ich habe mich nicht wohl gefühlt. Es war sehr viel Druck auf meiner Seite. Jeder erwartet den Punkt und es hat gleich einmal fürchterlich angefangen mit dem ersten Game", sagte der 28-Jährige.

(apa/red)

Kommentare

Wo war das heroisch? Wo der Verfasser dieses Artikels einen heroischen Kampf gesehen hat, das möge er mir bitte einmal zeigen. Heroisch hat in Österreich bisher nur der Thomas Muster gekämpft. Das war es dann aber auch schon wieder. Die beiden Diletanten Melzer und insbesondere Koubek habe nie auch nur einmal "heroisch" gekämpft. Wenn das alles ist, was der österreichische Tennissport zu bieten hat, dann ist die Europa - Asien - Afrika Gruppe ohnehin das höchste der Gefühle, wo wir hingehören.

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