Hermann Maier setzt sich noch ein Denkmal:
36-Jähriger feiert seinen 54. Weltcup-Sieg

Nicole Hosp ließ sich von Maiers Triumph inspirieren Tirolerin überwand Sturz bei Riesentorlauf mit Platz 2

Hermann Maier setzt sich noch ein Denkmal:
36-Jähriger feiert seinen 54. Weltcup-Sieg © Bild: APA/EPA

Ski-Superstar Hermann Maier hat mit seinem Comeback-Sieg in Kanada den 30. November 2008 zu einem skihistorischen Tag für Österreich gemacht. Der bald 36-jährige Salzburger sorgte nach fast dreijähriger Sieglosigkeit mit seinem 54. Weltcup-Triumph nicht nur für die Sportschlagzeilen des Tages, sondern inspirierte sogar Nicole Hosp beim gleichzeitigen Damenslalom in Aspen.

Hosp und Co. hatten in Colorado zur Pause von Maiers Triumph erfahren. "Natürlich habe ich das als Motivation für den zweiten Lauf mitgenommen", gestand die Tirolerin, nachdem sie trotz schmerzendem Knie und Knöchel Platz zwei und damit ihren ersten Saison-Podestplatz geholt hatte. Die Tirolerin ließ ihrer Bewunderung für Maier danach freien Lauf. "Ich habe mich heute zwar auch durchgebissen, aber der Hermann hat schon ganz andere Wunderdinge vollbracht."

Welche, das ist längst bekannt und praktisch alle in der Skifamilie stießen in dasselbe Horn. Maier habe es wieder allen, die ihn schon x-fach abgeschrieben hatten, wieder gezeigt. "Das zeigt, was für ein großer und starker Mann er ist", verneigte sich Hosp und stellte klar, dass Maiers Rückkehr zum Sieg nicht nur für Skifahrer eine wichtige Botschaft gewesen sei. "Es ist für alle Menschen wichtig, dass man nie aufgibt und immer an sich selbst glaubt".

"Stolz und froh" auf sich selbst
Deshalb war die 25-jährige Weltcup-Gesamtsiegerin von 2007 auch "stolz und froh" auf sich selbst, dass sie trotz der wieder einmal chaotischen Bedingungen in Aspen nicht aufgegeben hatte. Platz zwei empfand die Bichlbacherin fast wie einen Sieg. "Nach dem Sturz im Riesentorlauf war ja nicht klar, ob ich überhaupt fahren kann. "Kurzfristig ja nicht einmal, ob es überhaupt weitergeht", dachte Hosp nochmals ganz kurz an die bangen Momente im Krankenhaus zurück.

Natürlich ist die große Kugel erneut ein Ziel von Hosp, "aber Punkte zählen gibt's bei mir weiterhin nicht. Es sind noch 30 Rennen, und da kann so viel passieren, wie man gerade jetzt auch bei mir gesehen hat. Ein bissl blöder, und die Saison wäre vorbei gewesen", war sich Hosp bewusst und verwies auf ihren Schulkollegen Mario Scheiber, der sich gleichzeitig in Kanada verletzt hatte. Sowohl Maier als auch Scheiber sind Sponsorkollegen von Hosp, die seit dieser Saison ebenfalls das Raiffeisen-Giebelkreuz auf dem Kopf trägt.

Lob und Beifall für Superstar Maier
Die gesamte Skifamilie sparte nicht mit Lob und Bewunderung für "Superstar" Maier. "Er ist eine lebende Legende", verbeugte sich Weltcup-Gesamtsiegerin Lindsey Vonn, und der Ex-Abfahrer und nunmehrige Trainer der Italienerinnen, Michael "Much" Maier, bekannte: "Hut ab. Mit einem Bruchteil seines Willens gäbe es auch in meinem Team mehr Siegerinnen."

Besondere Genugtuung verspürten ÖSV-Alpinchef Hans Pum und Herren-Coach Toni Giger, zwei jahrzehntelange Begleiter, die deshalb stets an den Doppel-Olympiasieger von 1998 geglaubt hatten. "Ein wichtiger Sieg für Hermann, den Skiverband und den ganzen Skisport", sagte Pum, der zuletzt wie Giger serienweise Maier-kritische E-Mails bekommen hatte. "Man hat uns sogar die Demontage einer Legende vorgeworfen", berichtete Giger, der sich die heftigsten drei Mails aufgehoben hatte, um sie am Tag des nächsten Maier-Sieges zu beantworten. Doch nun entschied er sich, diese zu löschen.

Pum traut Maier praktisch alles zu
Dass Maier nun mit diesem Riesenerfolg in der Tasche in sein "Wohnzimmer" nach Beaver Creek kommt, ist schon wieder eine eigene Story. "Ich traue ihm dort praktisch alles zu", meinte Pum, und auch Giger war sich im Klaren, "dass so ein Sieg beflügelt und den Hermann jetzt sicher von einigem Druck befreit." Vielleicht, so Giger, müsse man nun aber sogar ein bisschen auf die Euphoriebremse steigen.

Denn man dürfe nicht vergessen, wie viel Training Maier wegen seiner Erkrankung und Verletzung versäumt hat. "Umso gewaltiger ist, was er in Lake Louise geschafft hat. Das hat sich schon in der Abfahrt gezeigt, wo er bei ganz schlechten Bedingungen ein sehr gutes Rennen gefahren ist. Das hat ihm sicher Rückenwind gegeben", erklärte der ÖSV-Herrenchef. "Das alles ist typisch Hermann. In so einer Situation, in der schon fast alle glauben, er ist jetzt weg vom Fenster, schlägt er wieder zu."

(apa/red)