Herbst im Interview: "WM-Medaille und
Kitzbühel-Sieg meine ganz großen Ziele"

Slalom-Ass im NEWS.at-Talk über Pläne und Wünsche PLUS: Die Krux mit dem alpinen Weltcup-Kalender

Herbst im Interview: "WM-Medaille und
Kitzbühel-Sieg meine ganz großen Ziele" © Bild: GEPA/Krauss

Die Saison ist für Reinfried Herbst bislang ein Geduldsspiel. Der Slalom-Weltcup-Sieger des Vorjahres kommt im WM-Winter nicht recht in Schwung. Doch das kann alles Schnee von gestern sein, wenn am Sonntag der große Wurf in Kitzbühel gelingt. Ein Ort, an dem der Salzburger in den vergangenen beiden Jahren nach dem großen Sieg griff, ehe er ihm in letzter Sekunde doch noch aus den Händen glitt. Im Interview mit NEWS.at spricht Herbst über das bevorstehende Hahnenkamm-Wochenende, seine offene Rechnung mit Kitzbühel, die Problematik ein Slalom-Spezialist zu sein und über seine Zukunft nach der Ski-Karriere.

NEWS.at: Ab Jänner ist traditionell die heiße Zeit für Slalomfahrer. Wengen, Kitzbühel, Schladming und dann dieses Jahr im Februar noch die WM. Wie sehr freuen Sie sich auf die kommenden Tage und Wochen?
Reinfried Herbst: Der Jänner ist die Hauptzeit für uns. Das ganze harte Training im Sommer, das bekommt man jetzt alles zurück. Die Leute, die Stimmung, die Atmosphäre, die Anspannung, für all das trainiert man das ganze Jahr und da ist es einfach ein Traum, wenn man das so in der Art erleben kann, wie bei diesen Rennen. Die Hänge sind schwierig, es gibt viele Zuschauer, die Anspannung ist hoch, die Erwartungen auch, vor allem bei den Heimrennen, von den Fans und auch von uns, weil man besonders gut sein will. All diese Faktoren machen es noch interessanter. Das ist etwas, was mich auch in Schladming in den letzten Jahren immer angespornt hat, wenn man die vielen Menschen sieht. Das stachelt mich zusätzlich an. Das macht es aber andererseits auch schwieriger, weil du es nicht übertreiben darfst. Man möchte es besonders gut machen und besonders gut ist oft nicht das Richtige.

NEWS.at: Nach den beiden Ausfällen in den letzten beiden Jahren dürfte Kitzbühel ein besonders reizvolles Rennen für Sie sein?
Herbst: Wenn es ein Wunschkonzert wäre, möchte ich heuer Kitzbühel gewinnen. Dort bin ich die letzten beiden Jahre als Führender obengestanden und im zweiten Durchgang ausgefallen. Ich war bereit für einen großen Sieg in Kitzbühel, aber es wollte nicht sein. Auf das setze und hoffe ich, dass ich das die nächsten Jahre noch erreiche und natürlich ist es für mich dieses Jahr ein ganz ein großes Ziel. Kitzbühel hat ein besonderes Flair, mit den Prominenten und allem was drum herum passiert. Da möchte man natürlich einmal ganz oben stehen. Vor allem, wenn man es schon so kurz vor Augen hatte und das Gelände und der Hang einem grundsätzlich liegt.

NEWS.at: Sie haben mit Kitzbühel also noch eine offene Rechnung zu begleichen?
Herbst: Absolut. Kitzbühel will ich gewinnen. Das habe ich fix in meinem Kopf verankert. Das ist ein Riesenziel. Und natürlich anschließend eine WM-Medaille, die ich noch nicht habe. Ich habe den Slalom-Weltcup und viele Weltcup-Rennen gewonnen, eine Olympia-Medaille geholt, aber die WM-Medaille und der Kitzbühel-Sieg, das sind noch meine ganz großen Ziele.

NEWS.at: Beides würde sich in diesem Jahr ja noch prima erledigen lassen.
Herbst (lacht): Ja, richtig. Wenn das heuer meine einzigen zwei großen Erfolge sein sollten, dann ist das auch ok.

NEWS.at: Der Start in die Saison ist nicht nach Wunsch verlaufen. Woran hat es gehapert?
Herbst: Es hat nicht an etwas Speziellem gehapert. Natürlich ist im Slalom das Risiko etwas ganz Entscheidendes, das muss man nehmen, wenn man gewinnen will. Die letzten Jahre habe ich so auch meine Rennen gewonnen. Wer das Risiko scheut, der wird auch nichts gewinnen, das ist eine Grundsatzfrage. Ich habe zwischen Weihnachten und Neujahr sehr viel Material probiert und habe wieder zurückgefunden zudem was ich brauche und was mir Sicherheit gibt. Speziell im Slalom ist es ganz wichtig, dass man sich sicher fühlt, weil dann kann man attackieren und zwischen den Toren Gas geben, sonst fährt man nur runter und die Tore kommen auf einen zu. Das ist eigentlich der Unterschied. Es gibt nicht einen Grund, wo ich sage, das ist technisch ein Riesenproblem gewesen, wo ich daran arbeiten hätte müssen, sondern es waren verschiedene Gründe. Die zwei Ausfälle (Anm.: in den ersten beiden Saisonrennen in Levi und Val d’Isere) waren keine Tragödie, aber man stellt es sich anders vor. Aber man muss einfach geduldig bleiben.

NEWS.at: Wie schwierig ist es für einen reinen Slalom-Spezialisten einen Renn-Rhythmus zu bekommen, wenn zwischen einzelnen Rennen teils sehr lange Pausen liegen?
Herbst: Das ist natürlich ein großes Thema und eine absolut berechtigte Frage Der Rhythmus ist eigentlich die große Schwierigkeit bei uns Slalom-Fahrern, denn bis auf den Jänner haben wir keinen Renn-Rhythmus. Im Jänner folgt ein Rennen dem anderen, da kann man auch etwas weiterbringen, man hat nicht viel Zeit zum Nachdenken, sondern es geht immer gleich weiter. Wenn man nur ein Rennen im November hat und nur eines im Dezember, dann muss man das alles überbrücken und muss die Vorbereitung ein ganzes Monat strecken und das ist teilweise ein Nachteil. Du fieberst jedem Rennen dann wie einem Großereignis entgegen, weil du in dem Monat nur eine Chance hast. Da ist es besser, man hat viele Rennen und ist vielleicht ein bisschen müde, aber ist in einer Situation, dass ein einzelnes, normales Rennen nichts Außergewöhnliches ist. Wenn du als Slalom-Läufer länger kein Rennen fahren kannst, fehlen dir die Abläufe im Rennen. Die Rennpraxis, da kann man auch 20 Jahre im Rennzirkus sein, braucht man immer wieder aufs Neue. Darum ist es ein Nachteil, Spezialist zu sein, auch wenn andere meinen, dass es ein Vorteil ist, weil man sich konkreter vorbereiten kann. Aber man sieht, dass oft genau das Gegenteil der Fall ist und Läufer mit vielen Starts es leichter haben als der Spezialist, der im Endeffekt jedes Mal mit dem Rücken zur Wand steht, da es seine einzige Disziplin und seine einzige Chance ist und da wiegt auch ein Ausfall wesentlich schlimmer, als bei jemandem der drei Disziplinen fährt.

NEWS.at: Warum fahren Sie dann keine zweite Disziplin?
Herbst: Das war früher absolut ein Thema und ich bin auch im Riesentorlauf gut gefahren. Aber durch meine Verletzungen, ich habe ja viele Verletzungen gehabt, drei Mal das Kreuzband und sechs Knieoperationen, habe ich viel Zeit verloren. Es ist ja nicht so, dass man dann da wieder anknüpft wo man vorher aufgehört hat, sondern erst wieder dort hinkommen muss und da verliert man sehr viel Zeit. Das macht es sehr schwer, etwas in diese Richtung aufzubauen. Ich habe dann irgendwo einmal einen Schwerpunkt suchen müssen und das war der Slalom. In der Phase, wo dann mein Stern so richtig aufgegangen ist, genau da habe ich mich dann wieder verletzt, meine dritte Kreuzbandverletzung war das. Es war eine blöde Konstellation jeweils zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Sonst hätte ich vielleicht oder wahrscheinlich den Riesentorlauf schon mit dabei. Den jetzt noch dazuzunehmen ist zu spät, weil ich auch auf meinen Körper schauen muss. Im Slalom passt es, aber eine zweite Disziplin dazuzunehmen erfordert vom Training her wieder ganz andere Sachen.

NEWS.at: Ist Kitzbühel mit seinem ganzen Drumherum für einen Läufer anstrengender als andere Weltcup-Rennen und mögen Sie den Trubel oder sind Sie eher jemand, der lieber seine Ruhe haben möchte?
Herbst: Ich genieße es, wenn etwas los ist. Das ist im Endeffekt nur ein gutes Zeichen, dass der Sport interessant ist und dass die Leute begeistert sind. Von dieser Seite her sehe ich das nur positiv. Das taugt mir schon. Ich bin auch jemand, der auf die Leute zugeht. Natürlich gibt es Situationen, in denen es nicht so einfach ist. Wenn in Kitzbühel jeder Autogramme will, kann ich nicht jedem eines geben. Ich würde das gerne machen, aber die Zeit habe ich nicht und da ist es oft nicht so einfach jeden zufriedenzustellen. Aber grundsätzlich taugt mir der Trubel.

NEWS.at: Letztes Jahr haben Sie in Kitzbühel ihre Modelinie auf einem Truck präsentiert. Ist das auch dieses Mal zu erwarten?
Herbst: Ich werde keinen Truck haben, aber ich werde einen Verkaufsstand haben mit Fanartikeln und werde somit in Kitzbühel wieder präsent sein.

NEWS.at: Wie läuft es mit Ihrer Kollektion?
Herbst: Es gibt eine Zusammenarbeit mit Eybl, der meine Sachen verkauft. Das ist für mich eine gute Sache. Aber das muss alles noch wachsen und braucht Zeit. So wie es derzeit läuft, bin ich zufrieden. Ich kümmere mich sehr viel selbst um das Ganze und das möchte ich nicht ganz aus der Hand lassen. Ich möchte es von Jahr zu Jahr ausbauen, den Überblick über alles haben und Erfahrungen sammeln, was das Geschäft anbelangt. Nach meiner Karriere mache ich es dann vielleicht voll und zu 100 Prozent.

NEWS.at: Sie machen sich also schon Gedanken, wie es nach ihrer aktiven Karriere weitergehen könnte?
Herbst: Natürlich. Ich hoffe schon, dass ich noch ein paar Jahre fit bin und voll mitfahren kann, aber ich bin 32 Jahre alt. Die nächsten drei Jahre möchte ich fix im Weltcup sein. Für danach ist es ein Vorhaben von mir, dass ich meine Marke sozusagen positioniere und mir dort vielleicht in Zukunft etwas aufbaue.

Das Interview führte Gernot Ebner