Herbert Tumpel: AK-Chef wird von seiner ÖGB/BAWAG-Vergangenheit eingeholt

War von 1987 bis 1997 Aufsichtsratsvorsitzender Verkörpert für vielen den "typischen Apparatschik"

Nach dem Rücktritt von Fritz Verzetnitsch als Präsident des ÖGB ist auch Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel (58) massiv unter Beschuss geraten. Tumpel war von 1987 bis 1997 Aufsichtsratsvorsitzender der BAWAG und hatte die Wiederaufnahme der verlustreichen Karibik-Geschäfte abgesegnet. Für die Regierungsparteien, aber auch für FPÖ und Grüne ist Tumpel damit untragbar geworden.

Wegen seiner Berufslaufbahn von der "geschützten Werkstätte ÖGB" in die "geschützte Werkstätte AK" verkörpert Tumpel für viele einen "typischen Apparatschik". Große Worte oder lautes Auftreten sind Tumpels Sache nicht. Der 1948 in Wien geborene AK-Chef hat jedenfalls seit seinem Amtsantritt 1997 so gut wie jede Gelegenheit ausgelassen, sich im Licht der Öffentlichkeit zu sonnen. Dabei hätte es seit der politischen Wende im Jahr 2000 Gelegenheiten genug gegeben.

Seine inhaltliche und fachliche Kompetenz ist dabei unumstritten. Die Arbeiterkammer baute Tumpel zu einem "Braintrust" aus. Die AK ist im gesellschaftlichen Diskurs heute jedenfalls nicht mehr wegzudenken.

Tumpel, Sohn eines Schriftsetzers, studierte nach absolvierter HTL (Textilingenieur) von 1968 bist 1973 Nationalökonomie an der Uni Wien. Politisch sozialisiert wurde Tumpel im ÖGB, dem er bereits 1963 als 15-Jähriger beitrat. Es war die große Zeit Anton Benyas. Direkt von der Universität weg begann Tumpel sein Berufsleben im Gewerkschaftsbund: vom volkswirtschaftlichen Referenten zum Leitenden Sekretär des ÖGB und Finanzchef der Gewerkschaft - und eben zum Aufsichtsratschef der Bawag.

Der AK-Chef verteidigt heute seine "Bawag-Vergangenheit": Er habe sich keine Vorwürfe zu machen. Der Bawag-Vorstand habe ihm gegenüber damals betont, dass es sich um "übliche Bankgeschäfte" handle. Der Aufsichtsrat habe den Karibik-Geschäften unter gewissen Auflagen zur Risikominimierung zugestimmt. Hochriskante Spekulationen und Verluste, wie sie später erfolgten, seien zu seiner Zeit als Chef des Bawag- Aufsichtsrats nicht möglich gewesen, so Tumpel. Als er AK-Präsident wurde, habe er alle Funktionen in der Bawag zurückgelegt und seither keine Verbindungen mit der Bank - außer ein Konto.

1997 löste er Lore Hostasch an der Spitze der AK ab. In seiner Amtszeit gelang es der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG), ihren Stimmenanteil bei AK-Wahlen um fast zehn Prozentpunkte zu erhöhen.

Herbert Tumpel wurde am 9. März 1948 in Wien geboren. Verheiratet ist der AK-Präsident mit Gertrude Tumpel-Gugerell, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank. (apa)