Herberstein-Prozess geht in nächste Runde:
Ex-Verwalter Boxan und die Selbstanzeige

Boxan hörte über Presse von Rechnungshof-Prüfung Ex-Mitarbeiterinnen des Betriebs im Zeugenstand

Herberstein-Prozess geht in nächste Runde:
Ex-Verwalter Boxan und die Selbstanzeige © Bild: APA/Leodolter

Am elften Tag standen im Grazer Herberstein-Prozess die Befragung ehemaliger Mitarbeiterinnen des Betriebes sowie die ergänzenden Einvernahme des ehemaligen Gutsverwalters Heinz Boxan auf dem Programm. Boxan, der sich in keiner Weise schuldig fühlte, schilderte die Umstände, wie es im Jahr 2005 zu seiner Selbstanzeige gekommen war. Außerdem erklärte er, er habe sich zuletzt in Herberstein "gemobbt" gefühlt.

Boxan gab an, er habe über die Presse gehört, dass der Rechnungshof Herberstein prüfe. Gleichzeit sei ihm zu Ohren gekommen, dass Andrea Herberstein gesagt haben soll: "Da steckt sicher Boxan dahinter, dass soll er mir büßen". Dies sei ihm zwar nur über Dritte zu getragen worden, aber er habe "die Drohung sehr ernst genommen." Er erkannte, dass die umgeschriebenen Rechnungen für ihn selbst eine Gefahr darstellen könnten. Seinen Angaben zufolge hatte er das alles zwar nur auf Anweisung von Andrea Herberstein getan, "aber ich hatte Angst, dass ich wieder zum Handkuss komme", schilderte der Beschuldigte.

Bei seinem Ausscheiden aus dem Betrieb im Jahr 2000 hatte er ein paar Unterlagen über die Schwarzbuchhaltung mitgenommen, erzählte seine ehemalige Sekretärin vor Gericht. "Das ist meine Sicherheit", soll er nach ihren Angaben dabei gesagt haben. Nach der Einigung über seine Abfindung - die Unterlagen über die Schwarzbuchhaltung waren ein nachhaltiges "Argument" dabei - seien die Akten vernichtet worden,. Er selbst habe aber eigene Listen geführt, erklärte der Angeklagte, die er schließlich der Staatsanwaltschaft übergab.

Er habe sich zuletzt bei seiner Arbeit immer wieder "gemobbt" gefühlt, erklärte Boxan, und zwar von Andrea Herberstein, Tierparkleiter Andreas Kaufmann und Felicitas Herberstein. Eine ehemalige Angestellte von Herberstein - sie war als Sekretärin von Boxan tätig gewesen - gab an, ihrer Meinung nach habe Andreas Kaufmann "auf alle Fälle" Boxan gemobbt. "Kaufmann kritisierte jede Entscheidung, er wollte immer mehr Sachen selbst übernehmen", so die Zeugin. Kaufmann habe schließlich auch wegen der Eintrittskarte nachgeforscht und den Schwarzverkauf - der laut Boxan ausschließlich dem Betrieb zu Gute kam - aufgedeckt.

Zuvor war eine ehemalige Kassierin der Tierparkkasse vom Gericht befragt worden. Sie bestätigte, dass sie einen Teil der Eintrittskarten schwarz verkauft hatte. Die 51-Jährige gab an, sie habe immer zwei Sorten Karten zum Verkauf bekommen, eine habe sie mit dem damaligen Gutsverwalter Heinz Boxan direkt abgerechnet, die andere mit dem Büro. "Ich hab' immer eine vom rechten Stapel und eine vom linken Stapel genommen", schilderte sie ihre Arbeitsweise in der Kasse.

Ihr Gehalt habe sie - ebenso wie alle anderen - teils überwiesen und teils bar bekommen, erzählte die ehemalige Mitarbeiterin. "Es hat also Schwarzlohnzahlungen gegeben?", fragte Richterin Elisabeth Juschitz. "Das war dort so üblich", bestätigte die Befragte.

Der Prozess wird morgen, Mittwoch, um 9.00 Uhr fortgesetzt. Als Zeugen sind Vertreter von Firmen geladen, die für Herberstein gearbeitet haben. Dabei werden die angeblich umgeschriebenen Rechnungen im Mittelpunkt stehen.

(apa/red)