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"Die Österreicher haben nicht
die ÖVP gewählt, sondern Kurz"

Cover - "Die Österreicher haben nicht
die ÖVP gewählt, sondern Kurz" © Bild: imago/SKATA

Der österreichische Weltkünstler Gottfried Helnwein lebt in Irland und in Florida – seinen Wohnsitz in einem Künstlerviertel in Los Angeles gab er auf, als dort denkmalgeschützte Gebäude neuen Luxusappartements weichen mussten. In diesen Tagen war er in Wien, um nächste Ausstellungen an großen Häusern zu planen.

Nach der Nationalratswahl im Herbst sagten Sie, Österreich könne neue Standards setzen. Wie sehen Sie die Koalition von Türkis und Grün?
Die Wähler in Österreich wollen offensichtlich eine grüne Politik. Sie haben Angst um den Planeten. Dass die Grünen bei der Wahl so gut abgeschnitten haben, ist aber nicht auf deren Leistungen zurückzuführen. Den Wahlerfolg in Österreich und Deutschland verdanken sie in erster Linie der kleinen Greta Thunberg. Sie ist
die eigentliche Gewinnerin der Wahlen, denn sie hat das Bewusstsein dafür gesteigert, dass die Erde auf eine Katastrophe zusteuert. Es ist aber naiv, anzunehmen, dass dieser Kurs umzukehren ist ohne eine totale Systemänderung. Es ist zwar nett, wenn man demonstriert und die Politiker höhere Treibstoffsteuern einheben.

Aber das schadet nur jenen, die weniger verdienen. Die Welt wird es nicht retten. Denn der wirkliche Hauptverursacher für die Zerstörung der Umwelt ist das globale superkapitalistische neoliberale System, vor dem Pasolini schon in den Sechzigerjahren gewarnt hat, ein System, das er als „Konsumterror“ und den neuen Faschismus bezeichnet hat.

Sehen Sie, der erklärte Linke, nicht auch Sebastian Kurz als Vertreter des kapitalistischen Systems? Was haben Sie mit ihm besprochen, als Sie bei seinem Empfang vor Weihnachten waren?
Ich war zu kurz bei Kurz, um ein fundiertes Gespräch zu führen. Ich habe ihn schon früher einmal in Dublin bei einem Treffen mit dem irischen Ministerpräsidenten getroffen. Das traditionelle Parteiensystem stimmt doch schon lange nicht mehr, ich kann beim besten Willen keinen prinzipiellen Unterschied mehr zwischen
den bürgerlich-konservativen Parteien und den Sozialdemokraten sehen. Beide sind genau so viel oder genau so wenig Teil des gleichen Systems.

Daher können die Parteien auch nicht mehr mit ihren Stammwählern rechnen. Das Vertrauen in die traditionellen Parteien schwindet, die Menschen haben die Nase voll, und die Mehrheit der Wähler sind zu Wechselwählern geworden, die lieber auf eine Person setzen als auf eine Partei. Die Sozialisten in Frankreich sind in die Bedeutungslosigkeit abgestürzt, aber Ex-Sozialist Macron hat mit seiner eigenen Liste einen grandiosen Wahlsieg eingefahren. Die Österreicher haben nicht die ÖVP gewählt, sondern Kurz. Genau so, wie die Amerikaner Trump gewählt haben, und nicht die Republikaner.

Das komplette Interview mit gottfried Helnwein können Sie in der aktuellen Printausgabe von News (03/2020) nachlesen!