Happy Birthday von

Helmut Berger wird 70

Ein Exzentriker auf der Leinwand und im Leben: So wurde der Bad Ischler zum Star

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    Helmut Berger 70. Geburtstag

    Helmut Berger spielt 1968 im opulent ausgestatteten Historienfilm "Die Verdammten" das erste Mal unter der Regie von Luchino Visconti , Martin von Essenbeck.

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    Helmut Berger 70. Geburtstag

    Für seine Darstellung in die "Verdammten" aus dem Jahr 1969 von Visconti wurde er sogar für den Golden Globe nominiert.

Er ist ein Paradeexzentriker - auf und abseits der Leinwand: Helmut Berger, einst als "schönster Mann der Welt" umjubelt, feiert am Donnerstag (29. Mai) seinen 70. Geburtstag. Und dass auch im Alter der Lebensweg nicht nur eine Richtung kennt, bewies der gebürtige Bad Ischler jüngst in Cannes, als er für seinen Auftritt in "Saint Laurent" gefeiert wurde - nach den Negativschlagzeilen der Vorjahre. Neuerdings zeigt er sich auch mit einem neuen - natürlich jüngeren - Freund an seiner Seite.

Er ist richtig verliebt. Florian Wess ist 36 Jahre jünger als er und sieht aus wie der Schauspieler damals selbst ausgesehen hat. Der 33-Jährige ist der Millionärs-Sohn von Arnold Wess und wird "Botox-Boy" genannt. Einige kennen den Jüngling vielleicht aus dem Fernsehen. Er gab im Oktober 2011 der Transsexuellen Valencia Vintage das Ja-Wort, das Paar war Teil der RTL-II-Doku "Val & Flo in Love". Mittlerweile sind sie geschieden.

Helmut Berger gelangte davor nur mehr mit Alkoholexzessen und seinem Kurzzeitauftritt im RTL-Dschungelcamp in die Zeitung. Dabei ist Berger unbestreitbar einer der international erfolgreichsten Schauspieler Österreichs der vergangenen Jahrzehnte. Nicht ganz zu Unrecht bezeichnet er sich etwa immer wieder als "Witwe Luchino Viscontis", hatte er doch zwölf Jahre an der Seite des großen italienischen Filmregisseurs verbracht - als dessen Lieblingsschauspieler und Geliebter. In Filmen wie "Hexen von heute" (1966), "Die Verdammten" (1969) und vor allem "Ludwig II." (1972) wurde Berger zum Star der Cinecitta.

© imago/United Archives Helmut Berger in "Die Verdammten"

Dann allerdings begann sein Ruf zu verblassen. In den 80er Jahren spielte er hauptsächlich in Fernsehfilmen. In den Schlagzeilen blieb Berger jedoch weiterhin - mit seinen Drogen- und Sexskandalen. Dabei stammt Helmut Steinberger - so der bürgerliche Name des Enfant Terribles des heimischen Films - eigentlich aus beschaulicher Umgebung, erblickte er doch am 29. Mai 1944 in Bad Ischl das Licht der Welt.

Seine Kindheit und Jugend

Die Kindheit und Jugend verbrachte er dann in Salzburg, bevor er in Mondsee aufs Internat ging. "Da gab es keine Frauen, wir wurden von den Pfaffen erzogen. Ich glaube, dort habe ich meine Bisexualität entwickelt", meinte er 2013 bei der Präsentation eines Bildbandes. Im Anschluss ging Berger jedenfalls nach Paris und London, wo er zunächst als Fotomodell arbeitete und in ersten Werbeclips mitwirkte. Zwischen 1964 und 1966 absolvierte Berger in London ein Studium an der "Central Drama School", machte jedoch keinen Abschluss. Es folgte der Gang nach Perugia, um an der dortigen Universität Italienisch zu lernen.

So wurde Helmut Berger entdeckt

Auch war es seine Wahlheimat Italien, wo er im Filmzentrum Cinecitta als Statist und mit kleineren Rollen erste Schauspielerfahrungen sammelte. 1966 schließlich wurde er von Luchino Visconti entdeckt, der ihn mit einer kleinen Rolle im Film "Hexen von heute" bedachte. Drei Jahre später folgte der Part des bisexuellen Martin von Essenbeck, dem dekadenten Spross einer Industriellenfamilie, in dem an die Kruppdynastie angelegten Werk "Die Verdammten". Berger wurde für seine Leistung mit dem "Golden Globe" als "Bester Nachwuchsdarsteller" ausgezeichnet und erklomm einen ersten Karrierehöhepunkt.

© © Corbis. All Rights Reserved. Mit seiner Rolle als Ludwig II wurde er zum Weltstar

In schneller Folge gab es für Berger Titelrollen als ewig junger Dandy in Massimo Dallamanos Oscar Wilde-Adaption "Das Bildnis des Dorian Gray", Vittorio De Sicas "Der Garten der Finzi Contini" (1970), Sergio Gobbis "Un beau monstre" (1970) oder Duccio Tessaris Thriller "Una Farfalla con le ali insanguinate" (1971). Dann vertraute ihm Visconti 1972 die legendäre Rolle des schizophrenen
Bayernkönigs Ludwig II. an, mit der Berger endgültig zum gefeierten Star wurde. So kehrte er 1973 erstmals auch in den deutschen Sprachraum zurück und war in Otto Schenks Schnitzler-Adaption "Reigen" zu sehen. Es folgten jedoch unbedeutendere Film- und Fernsehrollen wie in der US-Soap "Der Denver Clan", auch wenn ihn Francis Ford Coppola 1990 für "Der Pate III" engagierte.

Kokainorgien, Affären mit Mick Jagger & Co.

Berger wusste sich auf anderem Wege die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu sichern. 1998 veröffentlichte er etwa seine Memoiren unter dem Titel "Ich", in denen er über Kokainorgien und seine Affären mit Mick Jagger, Bianca Jagger, Marisa Berenson, Helmut Lang, Nathalie Delon oder Rudolph Nurejew erzählte.

2013 schließlich sorgte er mit der Aussage, verarmt zu sein, für Aufsehen: Er lebe von 450 Euro Rente. Zugleich gab er bekannt, sich liften haben zu lassen ("Ich war durch den Alkohol schon nicht mehr so gut in Form"), verließ nach nur zwei Tagen die RTL-Ekelshow "Ich bin ein Star, holt mich hier raus" und wurde in eine Schlägerei in Salzburg verwickelt, die vor Gericht endete, wo sein Manager Helmut Werner schuldig gesprochen wurde.

© APA/DPA/Frank Rumpenhorst Berger kurz vor seinem Abflug ins Dschungelcamp

Und trotz all der Eskapaden arbeitet Berger auch weiterhin in seinem angestammten Beruf. Nena drehte mit ihm den Clip zu "Besser geht's nicht", während der französische Regisseur Bertrand Bonello ihn nun für sein Biopic "Saint Laurent" engagierte, wo er den gealterten Modezar spielt. Dass dieser Erfolg an der Croisette nicht das letzte Kapitel im wendungsreichen Leben des Helmut Berger gewesen sein wird, bleibt zu vermuten.

Kommentare

Helmut Berger war nie ein guter Schauspieler. Bloß weil er mit Visconti a bisserl rumgemacht hat, kam er in die Schlagzeilen. Berger ist ein versoffener und verkokster Prolet, der bisweilen seinen Schließmuskel nicht im Griff hat und dem viel zu viel Beachtung geschenkt wird.

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