Opernkritik von

Ein Heldentenor mit Strahlkraft

Opernkritik - Ein Heldentenor mit Strahlkraft © Bild: David Jerusalem

Andreas Schager triumphiert in der Hamburger "Götterdämmerung"

THEMEN:

Stehende Ovationen gab es für den Tenor Andreas Schager. Jedoch nicht an der Wiener, sondern an der Hamburgischen Staatsoper. Dort ließ der gebürtige Niederösterreicher in in der aktuellen Serie von Richard Wagners „Götterdämmerung, einmal mehr erleben, warum er einer der gefragtesten Heldentenören unserer Zeit ist. Mit Leichtigkeit erreichte er jede Höhe. Das klang so organisch, so natürlich. Unfassbar, dass da immer noch eine Steigerung möglich war. Auch wenn er juchzte und jubelte, ging das nie auf Kosten seines silbrigen Timbres. Kraftvoll und sinnlich zugleich geriet sein Abschied von Brünnhilde.

Was das Schauspiel betrifft, war ihm Lise Lindstrom eine gute, über weite Strecken wortdeutliche Partnerin. Aber das war auch schon alle. Ihr schlanker, oft schriller Sopran ließ keine wirkliche Dramatik aufkommen. Stephen Millings bewährte sich einmal mehr ein als Hagen. Alison Oakes gestaltete die Gutrune stimmlich akkurat und kräftig. Claudia Mahnke, die bereits als 1. Norn auffiel, war eine enorm gute, ausdrucksstarke Waltraute. Ihr kräftiger Mezzosopran leuchtete in diversen Farben. Darstellerisch und stimmlich überzeugte sie mit vielschichtigen Mezzosopran in jeder Hinsicht. Vladimir mir Boykov hatte starke Momente als Gunter. Ideal formierten sich Katharina Konradi, Ida Aldrian und Ann-Beth Solvang zu als sehr gut aufeinander abgestimmte Rheintöchter. Werner Van Mechelen (Alberich), Katja Pieweck und Hellen Kwon (2. und 3. Norn) komplettierten solide das Ensemble.

© Götterdämmerung Hamburg

Aufregend gestaltete Kent Nagano am Pult des Opernorchesters jede Passage. Er setzte auf Transparenz und einen schlanken Klang, arbeitete fein nuanciert die Facetten dieser Partitur heraus und machte jedes Leitmotiv deutlich hörbar. Beklemmend geriet Siegfrieds „Trauermarsch“, überwältigend das Finale.

Claus Guths Regie hält seit der Premiere vor acht Jahren, auch wenn Christian Schmidts Bühne in den ersten beiden Aufzügen nichts Ansehnliches zu bieten hat. Eine abgewohnte Schlafstätte mit weiß verkachelter Waschstelle und eine alles andere als einladende Wohnküche, zwei Sessel, ein Tisch, ein Kasten, symbolisiert Brünnhildes Felsen. Ein unfertiger Rohbau aus weißen Fertigteilen steht für Burg der Gibichungen. Guth bricht die Geschichte auf ein nahezu heutiges Drama herunter. Siegfried ist ein junger Ehemann, mehr Struwwelpeter als mythischer Held, der seiner Partnerin auch einmal den Morgenkaffee bereitet. Das mutet zwar etwas komisch an, wenn sie ihm ausgerechnet dann „zu neuen Taten, teurer Helde“ entgegenruft. Aber warum nicht. Ständig rotiert die Drehbühne, zeigt leere Räume. Agiert wird in Anzug und Bürokleidung. In Glitzerkleidern umranken die Rheintöchter Siegfried in Smokinghose, der offenbar nach dem Hochzeitsfest zur Jagd aufgebrochen ist. Ein heutiges Ehedrama, mehr nicht, zeigt Guth, an dessen Ende sich die betrogene Gattin nach erfolgter Rache am Schwert des toten Partners die Pulsadern aufschneidet. Alles Nebensache, das wirkliche Drama fand nicht zum ersten Mal bei Wagner im Graben statt.

Kommentare