Heißer Job von

Bei 30 Grad im Plüschkostüm

Wie Justin Bieber in Vogelmontur: So fühlen sich Animateure in Maskottchen-Montur.

Heißer Job - Bei 30 Grad im Plüschkostüm © Bild: Falkensteiner Club Funimation Katschberg

Die Sonne scheint vom Himmel, das Wasser im Pools funkelt, Badende planschen, andere faulenzen gemütlich auf ihren Liegen, die Temperatur erreicht fast 30 Grad. Es ist ein perfekter Sommertag. Und Nina trägt ein Plüschkostüm. Eine sieben Kilo schwere Montur samt Patschen, große wie Clownsschuhe, und einen Kopf. Einen riesigen Vogelkopf.

Nina leitet das Animationsteam im Falkensteiner Hotel am Katschberg in Kärnten. Seit vier Jahren arbeitet die 31-jährige Tourismus-Absolventin dort. An diesem Tag ist sie als Falky unterwegs. Falky, der Falke, ist das Maskottchen der Südtiroler Hotelgruppe. Mindestens zweimal täglich lässt er sich in der Hotelanlage blicken und ist der Liebling der Kinder.

© Falkensteiner Club Funimation Katschberg Das Sichtfeld im Kostüm ist bescheiden.

Wo immer er hinkommt, schreien sie beglückt: „Falky!“, stürzen sich von allen Seiten auf ihn, kuscheln sich in seine Flügel und wollen Fotos mit ihm machen. „Ich muss immer unter meinem Kostüm lachen“, sagt Nina. Hören kann und darf das keiner, die Vogel-Illusion soll erhalten bleiben. Dabei wächst und schrumpft Falky kräftig, weil nicht immer die gleiche Person unter dem Kostüm steckt: „Ein Kollege ist fast zwei Meter groß, vor dem haben die Kleineren Angst. Eine Kollegin ist nur 1,50 Meter, da hat Falky fast keine Beine mehr.“

Der Plüschvogel ist der Justin Bieber des Hotels: Eltern rufen vor der Buchung an und fragen, ob er eh da ist, manche Kinder möchten ihn nachts als Kuscheltier mit ins Zimmer nehmen. Bei Vollbesetzung sind fast 200 kleine Gäste, bei der Kinderdisco drängeln sich 50 bis 60 Falky-Fans um ihn. Deshalb hat er – wie ein echter Popstar – einen Bodyguard: Der soll einerseits ältere Kinder davon abhalten, ihn zu ärgern und zu schubsen und ihn andererseits vor der überbordenden Zuneigung der jüngeren zu schützen.

© Falkensteiner Club Funimation Katschberg Alleine umziehen ist unmöglich: Falky braucht eine Kammerzofe.

Über eine Kammerzofe verfügt er auch, das Kostüm alleine anzuziehen ist unmöglich. Immerhin hat die Montur sogar eine eigene Klimaanlage. Unter dem Kostüm trägt Nina eine Weste, in deren Taschen Kühlakkus stecken, der Vogelkopf ist mit einem batteriebetriebenen Ventilator ausgestattet. Der Nachteil: Das macht den Anzug noch schwerer. Weil Falky sich dennoch nicht daherschleppen soll wie ein Sträfling mit Kette und Kugel, muss die Person darunter recht sportlich sein. Heiß wird es trotz Kühlung, sich zu kratzen wenn’s juckt, ist nicht drin, das Gesichtsfeld eingeschränkt. „Eine halbe Stunde als Falky ist eindeutig anstrengender als eine halbe Stunde laufen zu gehen. Ich würde mich auch immer fürs Joggen entscheiden“, sagt Nina und lacht.

Trotzdem wird sie jederzeit wieder in das Kostüm schlüpfen. Denn nirgends sonst wird man alleine ob seiner Anwesenheit so innig geliebt.

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